Neu-Delhi wird von einer dicken Decke aus giftigem Smog umhüllt | Bildquelle: AFP

WHO-Bericht Neun von zehn Menschen atmen dreckige Luft

Stand: 02.05.2018 08:16 Uhr

Bis zu sieben Millionen sterben laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation weltweit jedes Jahr an den Folgen verschmutzter Luft. Nur in reichen Ländern sei die Lage besser.

Im Kampf gegen die Luftverschmutzung geht es nicht voran: Sieben Millionen Menschen weltweit sterben jedes Jahr durch verpestete Luft, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem neuen Bericht. Das entspricht den Schätzungen von vor zwei Jahren. Neun von zehn Menschen weltweit atmeten dreckige Luft ein.

Die Regierungen müssten entschlossener gegen die tödliche Verschmutzung ankämpfen, forderte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Grund für Lungen- und Herzkrankheiten

Die WHO schätzt, dass giftige Partikel wie Sulfat, Nitrat und Ruß für ein Viertel aller Todesfälle durch Herzkrankheiten und Hirnschlag verantwortlich sind sowie für 43 Prozent aller chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen und 29 Prozent der Lungenkrebsfälle.

Die WHO unterscheidet zwischen schlechter Luft im Haus und außerhalb. Innen handele es sich meist um Rauch durch offenes Feuer und Kerosin- und Holzverbrennung zum Kochen oder für Licht. Das offene Feuer bei der Essenszubereitung trage wesentlich zu Millionen Todesfällen bei, die auf verschmutzte Luft in Wohnungen und Unterkünften zurückgingen. Rund drei Milliarden Menschen hätten keine Möglichkeit, in ihren Unterkünften ohne eine belastende Rauchentwicklung zu kochen.

Rund 4,2 Millionen Menschen sterben laut WHO hingegen durch verschmutzte Luft, die sie im Freien einatmen. Industrieabgase und der Schadstoffausstoß durch Autos und andere Fahrzeuge tragen den Angaben nach erheblich zu den Todesfällen bei.

Tanzende Menschen mit Masken in Fuyang, China (Januar 2017) | Bildquelle: REUTERS
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Tanzen trotz Smog: Im chinesischen Fuyang lassen sich die Menschen von der schlechten Luft nicht nach innen vertreiben.

Ärmere Länder besonders betroffen

Mehr als 90 Prozent der Todesfälle kämen in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen vor, vor allem in Asien und Afrika. "In vielen Mega-Städten der Welt liegt die Schadstoffbelastung fünf Mal so hoch wie von der WHO empfohlen", sagte Maria Meira, WHO-Direktorin für öffentliche Gesundheit. In Ländern mit hohen Einkommen - Europa, USA und Kanada, Australien und Neuseeland - sei die Luft am besten.

Im Unterschied zu 2016 lieferten inzwischen 4300 statt 3000 Städte Daten. Daraus schließt Meira, dass das Problem erkannt ist und die Städte die Situation verbessern wollten.

WHO zu Folgen von Luftverschmutzung
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
02.05.2018 12:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Mai 2018 um 04:43 Uhr.

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