Ein Tornado der Bundeswehr startet Richtung Incirlik in der Türkei.  | Bildquelle: dpa

Zivile Opfer in Syrien Bundeswehr in verheerenden Luftschlag involviert

Stand: 29.03.2017 19:32 Uhr

Bei einem Luftangriff der Anti-IS-Koalition in Syrien wurden im März offenbar viele Zivilisten getötet. Nach Informationen von NDR und WDR könnten dafür Aufklärungsbilder von Bundeswehr-Tornados eine Rolle gespielt haben.

Von Volkmar Kabisch und Reiko Pinkert, NDR

Erstmals haben Aufklärungsbilder der Bundeswehr eine Rolle bei einem Luftangriff in Syrien gespielt, der zu einer sehr hohen Zahl ziviler Opfer geführt haben soll. Nach Recherchen von NDR und WDR hatten deutsche Tornados am 19. März 2017 Bilder eines Gebäudekomplexes in der syrischen Ortschaft al-Mansoura, westlich von Rakka, aufgenommen und an die internationale Koalition im Einsatz gegen den sogenannten IS geliefert.

Diese Bilder sollen dann einen Tag später mit verwendet worden sein, um den Gebäudekomplex zu bombardieren. Darüber informierte das Bundesverteidigungsministerium heute in geheim tagender Sitzung Abgeordnete des Verteidigungsausschusses des Bundestages.

Bis zu 33 Tote in ehemaliger Schule

Bei dem Luftangriff soll es laut der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bis zu 33 tote Zivilisten gegeben haben. Bei dem Gebäudekomplex soll es sich demnach um eine ehemalige Schule handeln.

Nach Recherchen von NDR und WDR sollen drei Tage nach dem Angriff wieder deutsche Tornados aufgestiegen sein und ein sogenanntes Battle Damage Assessment unternommen haben. Auch dies teilte das Bundesverteidigungsministerium heute Abgeordneten des Verteidigungsausschusses mit.

Bevor die Parlamentarier darüber unterrichtet wurden, seien zum ersten Mal in dieser Legislaturperiode ihre Handys eingesammelt worden, sagen Teilnehmer.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

"Weiße Weste ist Illusion"

Der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Jan van Aken sagte NDR und WDR, es sei immer klar gewesen, dass "natürlich die Bilder eingesetzt werden und es dabei zu Toten kommen kann". Wer glaube, man könne bei einem solchen Einsatz eine "weiße Weste" behalten, gebe sich einer Illusion hin.

Das Verteidigungsministerium wollte sich zum konkreten Fall nicht äußern und verwies auf Geheimhaltungsgründe. Ein Sprecher bestätigte allerdings, dass es im Rahmen des Bundestagsmandats zur täglichen Routine der Tornados gehöre, Bilder von möglichen Zielen zu machen.

Diese Bilder würden jedoch mit so viel Zeitverzug vor einem möglichen Angriff aufgenommen, dass auf Basis der Bilder nicht feststellbar sei, ob und welche Personen sich aktuell dort oder im Umfeld aufhielten. Diese für die Entscheidung über den Angriff relevanten Informationen würden aus einer Vielzahl anderer Quellen gewonnen. An diesem Prozess, in dem dann tatsächlich zeitnah über einen Angriff entschieden werde, sei die Bundeswehr nicht beteiligt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. März 2017 um 22:15 Uhr.

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