Einsatzkräfte im abgebrannten Grenfell Tower | Bildquelle: AFP

Hochhausbrand in London Polizei geht von 58 Toten aus

Stand: 17.06.2017 17:01 Uhr

Nach dem verheerenden Hochhausbrand in London geht die Polizei von fast doppelt so vielen Toten aus, wie bisher angegeben. Vor ihrer offiziellen Geburtstagsparade hielt die Queen eine Schweigeminute für die Opfer des Brands ab.

Die Zahl der Toten nach dem Hochhausbrand in London ist auf vermutlich 58 gestiegen. Das teilte die Polizei auf Basis von Vermisstenmeldungen mit. Zuvor waren 30 Tote bestätigt gewesen. Die bestätigte Opferzahl liege zwar weiterhin bei 30 Toten, erklärte ein Polizeisprecher. Nach jüngsten Erkenntnissen würden aber insgesamt 58 Menschen seit der Brandnacht vermisst. Man müsse davon ausgehen, dass sie tot seien. Diese Zahl könne sich noch erhöhen.

Inzwischen können Feuerwehr und Polizei das ausgebrannte Hochhaus wieder betreten und damit beginnen, die Opfer zu bergen. Diese Arbeiten würden voraussichtlich mehrere Wochen oder länger dauern, so der Polizeisprecher.

19 Verletzte werden noch in Krankenhäusern der britischen Hauptstadt behandelt. Zehn von ihnen befinden sich in kritischem Zustand, wie die Gesundheitsbehörde NHS mitteilte.

U-Bahn-Linien unterbrochen

Die Londoner Nahverkehrsbehörde TfL unterbrach vorübergehend den Verkehr auf zwei U-Bahnstrecken im Westen der britischen Hauptstadt. Es gebe Sicherheitsbedenken in Verbindung mit dem ausgebrannten Gebäude in der Nähe, so die Begründung. Die Schließungen seien auf Wunsch der Londoner Feuerwehr erfolgt. Demnach seien Trümmerteile des Hochhauses auf die Gleise gefallen.

Geburtstagsparade der Queen

Vor ihrer offiziellen Geburtstagsparade gedachte Königin Elizabeth II. in einer Schweigeminute der Opfer der Brandkatastrophe. "Dieser Tag ist traditionell ein Tag des Feierns", erklärte die Queen. Doch dieses Jahr sei es schwierig, nicht die "sehr dunkle Stimmung der Nation" zu spüren.

Queen Elizabeth II und Prinz Philip verlassen den Buckingham Palace in einer Kutsche, um der jährlichen "Trooping the Colour"-Zermemonie beizuwohnen. | Bildquelle: AP
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Vor ihrer Geburtstagsparade, der "Trooping the Colour"-Zeremonie, hielten die Queen und ihr Ehemann Prinz Philip eine Schweigeminute für die Opfer des Hochhausbrands ab.

Nach der "Abfolge schrecklicher Tragödien" in den vergangenen Monaten - neben dem Brand wurde Großbritannien von drei islamistischen Anschlägen erschüttert - müssten die Briten sich auf ihre Geschichte und ihre Ressourcen besinnen, erklärte die Queen weiter. "Wenn das Vereinigte Königreich auf die Probe gestellt wird, zeigt es sich entschlossen angesichts des Unglücks." Die Briten seien "geeint in unserem Schmerz, aber wir sind es auch - ohne Angst oder Unterscheidung - in der Unterstützung für all diejenigen, die ihr Leben wieder aufbauen", so Elizabeth II.

May ruft Sondersitzung ein

Premierministerin Theresa May berief nach heftiger Kritik an ihrer Reaktion auf die Brandkatastrophe die Regierungsmitglieder zu einer Sondersitzung ein. Sie wolle dafür sorgen, dass "alles Mögliche getan wird, um die Betroffenen der Tragödie von Grenfell zu unterstützen", sagte ein Regierungssprecher. May empfing Opfer der Katastrophe und Helfer in der Downing Street. Vor ihrem Amtssitz demonstrierten erneut mehrere Hundert Menschen, einige forderten Mays Rücktritt.

Kritiker werfen May vor, nicht schnell genug auf das Unglück reagiert zu haben. Außerdem steht die Regierungschefin in der Kritik, da sie bei einem Besuch am Grenfell Tower am Donnerstag nicht mit den Opfern gesprochen hatte. Der Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte derweil Betroffene getröstet. Am Freitag suchte May dann Verletzte in Krankenhäusern auf.

Rund 600 Menschen im Hochhaus

Das Feuer im Grenfell Tower im Westen Londons war in der Nacht zu Mittwoch ausgebrochen und hatte sich über die Fassade rasend schnell ausgebreitet. Die Behörden vermuten, dass sich rund 600 Menschen zu dem Zeitpunkt in dem Hochhaus aufhielten. Viele von ihnen wurden im Schlaf überrascht.

Mit Informationen von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Juni 2017 um 18:00 Uhr.

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