Liu Xia | Bildquelle: AP

Seit Wochen verschwunden Witwe von Liu Xiaobo taucht in Video auf

Stand: 19.08.2017 13:11 Uhr

Seit dem Tod ihres Mannes vor fünf Wochen galt die Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo als verschwunden. Nun ist die 56-Jährige in einem Video aufgetaucht. Wo es entstand und wer es gedreht hat, ist unklar.

Fünf Wochen nach dem Tod ihres Mannes ist die Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo erstmals wieder in Erscheinung getreten. In einem etwa einminütigen Online-Video auf YouTube sagte die 56-jährige Liu Xia, dass sie sich erhole. "Bitte gebt mir Zeit zu trauern, Zeit, mein Herz zu heilen. Eines Tages werde ich in der Lage sein, euch allen in einem gesunden Zustand zu begegnen."

Wo das Video entstanden ist und wer es gedreht hat, ist nicht klar. Die Aufnahme zeigt Liu Xia, wie sie auf einem Sofa neben einem Couchtisch sitzt und eine Zigarette raucht.

Video im Auftrag der Regierung?

Die Künstlerin war zuletzt am 15. Juli gesehen worden, als die Asche ihres Mannes im Meer verstreut wurde. Seither galt die Witwe als verschwunden. Freunde sagten, dass sie sie nicht erreichen konnten. Sie befürchten, dass sie von den chinesischen Behörden gegen ihren Willen festgehalten wird.

Das Video wurde von einem User auf YouTube hochgeladen, der zuvor auch andere Beiträge mit staatlicher Propaganda verbreitet hatte. Da YouTube in China gesperrt ist, richtet sich das Video ans Ausland. Der mit Liu Xia befreundete Dissident Hu Jia vermutet, dass die Aufnahme im Auftrag der Regierung entstand und veröffentlicht wurde. "Das Video will zeigen, dass sie keinen Kontakt mit der Außenwelt will", sagte er der in Hongkong erscheinenden Tageszeitung "South China Morning Post". "Wir denken, dass das nicht wahr ist."

Appelle von zahlreichen Staaten

Liu Xia steht seit 2010 unter Hausarrest, obwohl sie nie eines Vergehens angeklagt wurde. 2014 erlitt sie nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation einen Herzanfall, nachdem bei ihr eine Depression diagnostiziert worden war. Nach dem Tod ihres Mannes verbat sich die chinesische Regierung Fragen nach ihrem Verbleib.

Zahlreiche Staaten, die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen appellierten an die chinesische Führung, Liu Xia die Ausreise zu erlauben. Ihrem schwer kranken Mann hatten die Behörden das verweigert. Am 13. Juli starb Liu Xiaobo im Alter von 61 Jahren an den Folgen von Leberkrebs. Er war 2009 zu elf Jahren Haft wegen Aufwiegelung zum Umsturz verurteilt worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. August 2017 um 10:00 Uhr.

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