Der Salar de Uyuni in Bolivien | Bildquelle: dpa

Lithium-Produktion in Bolivien Der Reichtum aus dem Salz

Stand: 09.09.2017 09:42 Uhr

Es ist der Rohstoff der Zukunft: Lithium. Unverzichtbar für Akkus und damit für E-Autos, lässt sich mit dem Abbau des Elements viel Geld verdienen. Die größten Vorkommen liegen in der Salzebene Salar de Uyuni in Bolivien - mitten in einem Touristenparadies.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Südamerika

Eine riesige, weiße Fläche, zwölf Mal so groß wie Berlin, durchsetzt von türkisfarbenen und roten Lagunen und bizarren Kakteeninseln. Konturen und Dimensionen verlieren sich am Horizont - ein Bild, so surreal wie von Dalí gemalt. "Ich dachte, es sei Schnee, Schnee, Schnee, aber es ist Salz. Ich habe es mir auch nicht so groß vorgestellt", sagt eine Touristin. "Man hat sich ja vor der Reise schon etwas vorbereitet, Bilder angeguckt, aber es ist schon sehr eindrucksvoll."

Die Salzebene Salar de Uyuni in Boliviens Hochanden begeistert nicht nur Touristen, sondern auch Unternehmer. Denn in der rund 100 Meter dicken Salzkruste lagert Gold, weißes Gold - Lithium.

Der Salar de Uyuni in Bolivien | Bildquelle: dpa
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Zwölf Mal so groß wie Berlin - die Salzebene Salar de Uyuni

Preis für Lithium ist explodiert

In riesigen Schwimmbecken wird es stufenweise herausgefiltert, verarbeitet und veredelt. Zum Rohstoff der Zukunft, ohne den kein Akku funktioniert und ohne den es vor allem keine Elektro-Auto-Offensive gibt. Lithium braucht man für Antriebe, aber auch zur Speicherung von Solarenergie. Der Weltmarktpreis ist zuletzt explodiert, auf bis zu 13.000 Dollar pro Tonne.

Bisher werden hier zwar erst fünf Tonnen im Monat gefördert, doch unter dem Salz schlummern die größten bisher entdeckten Reserven der Erde, neun Millionen Tonnen, mehr als beim bisherige Weltmarktführer und Nachbarn Chile. Aufbruchsstimmung herrscht auch bei den Arbeitern. "Es ist eine Ehre an etwas beteiligt zu sein, was vielleicht eines Tages dauerhaften Wohlstand für unser Land bringt", sagt einer der Angestellten. Potosi, die Stadt in der Nähe, ist die ärmste des Landes, obwohl sie einmal die reichste war. "Unsere Silberminen wurden ausgebeutet. All der Reichtum wurde ins Ausland geschafft, nichts ist geblieben. Nun haben wir eine zweite Chance, Lithium bedeutet Hoffnung", berichtet er.

Baustelle am Salar de Uyuni in Bolivien | Bildquelle: dpa
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Blick auf eine Baustelle im Salar de Uyuni in Bolivien. Hier bauen 160 Arbeiter aus China eine Fabrik zur Produktion von jährlich 350.000 Tonnen Kaliumchlorid, das als Düngemittel eingesetzt wird.

0,4 Prozent der Salzebene sollen genutzt werden

Lithium - das steht auch für die Umkehrung dieses nationalen Traumas. Nicht nur Rohstofflieferant zu sein, sondern selbst weiterzuverarbeiten und damit die Zügel in der Hand zu halten - so heißt die Entwicklungsstrategie der Regierung unter Präsident Evo Morales, der seinen linken Diskurs mit Pragmatismus vereint. Derzeit entsteht in Uyuni ein Industriekomplex zur Förderung von Lithium und Kaliumchlorid, das als Düngemittel zum Einsatz kommt. Geplant ist zudem eine eigene Batterie-Fabrik.

Juan Carlos Montenegro, der Leiter des Lithium-Projekts in Bolivien | Bildquelle: dpa
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Juan Carlos Montenegro, der Leiter des Lithium-Projekts in Bolivien

Juan Carlos Montenegro, der in Heidelberg studiert hat, ist der Leiter des nationalen Lithiumprogramms: "Wir wollen mit Hilfe des Lithiums die Industrialisierung vorantreiben - dazu brauchen wir strategische Partner", berichtet er. Man habe drei Bedingungen formuliert: "Akzeptiert werden muss, dass der bolivianische Staat Mehrheitsbeteiligung hält, unser Unternehmen muss also mindestens 51 Prozent behalten." Dazu solle ein Partner mit technischem Know-how unterstützen und Zugang zu den internationalen Märkten verschaffen. Einige anfänglich interessierte Firmen seien bereits abgesprungen. Doch "die Chinesen blieben im Rennen, auch deutsche und kanadische Unternehmen verhandeln", sagt Montenegro.

"Verträge werden schnell gebrochen"

Der Goldrausch am Salzsee hat auch Kritiker: Zwar sollen nur 0,4 Prozent der Salzebene industriell genutzt werden, doch umliegende indigene Gemeinden fürchten um ihre kostbarste Ressource, das Wasser. Die Tourismusindustrie sorgt sich um das einzigartige Ökosystem. Touristen-Führer Michel Blenninger lässt den Blick schweifen. Eine weiße Fläche, bis zum Horizont: "Wenn einmal mit dem Lithium angefangen wird, dann geht es auch weiter, und Verträge werden schnell gebrochen. Ich würde mir wünsche, dass das hier vorher zum Schutzgebiet erklärt wird."

Mit dem "weißen Gold" in die Zukunft
Anne Herrberg, ARD Buenos Aires
09.09.2017 09:00 Uhr

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Die Lithium-Produktion in Bolivien ist auch Thema im Weltspiegel am Sonntag um 19.20 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 23. November 2010 um 16:50 Uhr.

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