Chirurgen bei einer OP | Bildquelle: picture alliance / AFP Creative

Kliniken in Libyen Ärzte mit leeren Händen

Stand: 18.04.2017 16:20 Uhr

Wie operieren - ohne Verbände, ohne Spritzen, ohne Medikamente? Diese Frage stellen sich Ärzte in der libyschen Hauptstadt Tripolis täglich. Denn die Kämpfe nehmen kein Ende, aber für die Versorgung der Kliniken fehlt das nötige Geld.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Drei Regierungen ringen um die Macht in Libyen, doch nur eine Regierung ist von der Staatengemeinschaft anerkannt. Dazu kommen die vielen Milizen: Rund 30 allein in der Hauptstadt Tripolis. Manche unterstützen eine der politischen Fraktionen, andere kämpfen nur, um die Oberhand in ihrem Viertel zu behalten. Zudem treiben Verbrecherbanden ihr Unwesen: Kidnapping, Schmuggel von Drogen, Waffen und Flüchtlingen.

Häufig ist in Tripolis Feuer zu hören: aus Granatwerfern, Panzern, Maschinengewehren. Manchmal ziehen sich die Gefechte über mehrere Tage hin. An manchen Tagen - mit besonders schweren Kämpfen - sind die Ärzte in den Krankenhäusern von Tripolis überlastet.

Keine Medikamente, nicht mal Rezeptblöcke

An solchen Tagen gehen Dr. Mohammed und Dr. Ahmad für eine Pause in ihren himmelblauen Arztkitteln auf den Parkplatz - ein paar private Worte wechseln, auch mit dem Parkplatzwächter. Hauptsache Abstand vom Operationssaal gewinnen. Die Kämpfe in der Nachbarschaft scheinen sie nicht weiter zu stören.

Die beiden Mediziner klagen darüber, dass in den Krankenhäusern alles fehle. "Uns mangelt es an Medikamenten, auch an einfachsten Mitteln - gegen Blutdruckprobleme oder Diabetes. Uns fehlen Kompressen, Mullbinden, Verbandsmaterial. Wir müssen Patienten, die in die Notaufnahme kommen, sagen, dass sie draußen Spritzen kaufen müssen", erzählt Dr. Mohammed. "Manchmal haben wir nicht einmal Rezeptblöcke."

Es fehlt an Geld

Der Grund für den Mangel: Geldprobleme in Libyen. Die Libyer fördern heute nur noch knapp die Hälfte der Ölmengen, die 2011 unter Diktator Muammar al-Gaddafi aus dem Boden geholt wurden. Der Ölpreis ist seither jedoch rasant gesunken, weshalb die Einnahmen der international anerkannten Regierung zurückgegangen sind.

Außerdem ist nicht genug Geld im Umlauf: Zwar soll das Finanz- dem Gesundheitsministerium Mittel überwiesen haben, damit die Krankenhäuser notwendige Güter einkaufen können. Aber: Es gibt in Libyen einfach zu wenig Geld - physisch. Wer Geldscheine hat, hebt die zu Hause auf. Die Tresore der Banken bleiben leer. So können Kliniken keine Medikamente importieren. Dieser Mangel kostet mittlerweile jeden Tag Menschen das Leben, wie Dr. Mohammed weiter erzählt.

Hilfslieferungen landen auf dem Schwarzmarkt

Internationale Organisationen versuchen, Hilfe zu leisten, aber wenn einmal Ladungen mit Medizin ins Land kommen, verschwindet vieles - und taucht auf dem Schwarzmarkt wieder auf, zu erhöhten Preisen. Dr. Mohammed sieht sein Land in einer schweren Krise. "Es gibt keine Regierung, der wir vertrauen. Die Leute leiden darunter, dass es kein Geld gibt, keine Medikamente, keine Sicherheit. Alles zusammen - ein großes Problem."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2017 um 12:39 Uhr

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