Flüchtlinge in Mytilene (Lesbos) | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Reaktion auf EU-Türkei-Pakt Die Helfer gehen - aus Protest

Stand: 23.03.2016 11:10 Uhr

Der EU-Türkei-Flüchtlingspakt ist seit dem Wochenende in Kraft - und Griechenland verschärft die Gangart gegenüber Migranten. Sie würden wie in Gefängnissen gehalten, sagen Hilfsorganisationen. Aus Protest stellen sie ihre Arbeit ein.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen, zzt. auf Lesbos

Helfer des Roten Kreuzes schlendern mit Einkaufstüten durch Mytylini, die kleine Hauptstadt der Insel Lesbos. Am Hafen halten junge Freiwillige Lunchpakete für Flüchtlinge bereit, die auf die Abendfähre nach Piräus wollen. Sie leisten professionelle Hilfe für weiterhin viele hundert neue Flüchtlinge, die jeden Tag auf den Inseln ankommen.

Doch der gestrige Tag veränderte für viele Helfer einiges. Unsicherheit macht sich breit, was genau nun zum Beispiel im größten Aufnahmezentrum der Insel in Moria mit den Flüchtlingen geschieht. Journalisten werden dort nicht mehr hineingelassen. Die seit Sonntag in Lesbos angekommenen Migranten würden wie im Gefängnis gehalten, kritisieren viele Flüchtlingshelfer.

Und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen beorderte als Konsequenz seine Mitarbeiter aus dem Netzwerk der Hilfsdienste zurück in die Hotels. Abwarten, so heißt es auch bei den Ärzten ohne Grenzen. "Suspendierung" nennt es die deutsche Sektion der auch in Griechenland höchst angesehenen Hilfsorganisation.

Flüchtlinge auf Lesbos | Bildquelle: dpa
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Nach wie vor kommen auf Lesbos Migranten an.

Gegen geplante Abschiebungen

Wie bitter das für die möglicherweise nun deutlich schlechter versorgten Bewohner der Camps ist, kann niemand sagen. Aber es müsse ein Zeichen gesetzt werden, gegen Asylschnellverfahren und gegen die geplante Abschiebung der abgelehnten Flüchtlinge in die Türkei, sagen die Verantwortlichen der Helferteams.

Auf dem Wasser soll sich die neue Flüchtlingspolitik ähnlich deutlich auswirken - und auch hier hagelt es heftige Kritik der UN-Experten. Wenn Flüchtlinge direkt von den Schlauchbooten von Staats wegen in die streng abgeriegelten Unterkünfte gebracht werden, bleibe für Unterstützung durch unabhängige Helfer kein Raum.

Irgendwann wird auch die griechische Regierung auf die Kritik reagieren müssen. Bislang gibt es von Regierungschef Alexis Tsipras nur die eine immergleiche Formulierung zu hören: Wenn die Türkei ihre Grenzen besser kontrollierte, könnte man den Schleppern leicht das Handwerk legen.

Helfer stellen aus Protest Arbeit ein
M. Lehmann, ARD Athen, zzt. Lesbos
23.03.2016 12:51 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 23. März 2016 um 05:57 Uhr im Deutschlandfunk.

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