Afghanische Sicherheitskräfte umrunden auf den Weg nach Kundus ein ausgebranntes Fahrzeug. Für Hilfsorganisationen war es immer schwieriger geworden, Hilfsgüter in die Stadt zu bringen. | Bildquelle: dpa

Luftangriff auf Krankenhaus in Kundus "Ein Fehler in der US-Kommandokette"

Stand: 07.10.2015 05:04 Uhr

Der Luftangriff auf ein Krankenhaus im afghanischen Kundus geht auf einen Fehler in der US-Kommandokette zurück, so der US-Oberkommandeur in Afghanistan, Campbell. US-Verteidigungsminister Carter entschuldigte sich für den Beschuss. Aufgrund der andauernden Kämpfe verließen die Hilfsorganisationen Kundus.

Nach dem US-Beschuss einer Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Kundus mit 22 Toten hat der zuständige Militärkommandeur Fehler eingeräumt. Trotz rigoroser Prüfinstanzen, die solche Fehler verhindern sollten, sei das Krankenhaus am Samstag getroffen worden, sagte der Oberbefehlshaber der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, John Campbell, bei einer Befragung durch den Streitkräfteausschuss des US-Senats.

John Campbell | Bildquelle: dpa
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Campbell gestand ein, dass der Angriff in Kundus auf einen Fehler in der US-Befehlskette zurückgeht.

"Um es klar zu sagen: Die Entscheidung, Luftunterstützung bereitzustellen, war eine US-Entscheidung, die in der US-Befehlskette getroffen wurde", sagte der General. Aber: "Wir würden niemals absichtlich eine geschützte medizinische Einrichtung ins Visier nehmen", sagte er.

Campbell bekräftigte aber, die afghanische Armee habe den Luftangriff angefordert. Die afghanischen Sicherheitskräfte hätten gemeldet, sie würden beschossen und die Amerikaner um Hilfe gebeten, hatte es dazu am Montag geheißen.

Das Weiße Haus in Washington teilte mit, dass das Verteidigungsministerium den Fall untersucht. US-Präsident Barack Obama erwarte Schritte, um solche Fälle künftig zu vermeiden.

Durch den Luftangriff kamen 22 Menschen ums Leben, darunter viele Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. International brandete heftige Kritik auf. Ärzte ohne Grenzen selbst sprach sogar von einem Kriegsverbrechen und verlangte eine unabhängige Untersuchung. Kliniken sind nach der Genfer Konvention vor Angriffen geschützt.

Verteidigungsminister Carter bedauert

US-Verteidigungsminister Ashton Carter brachte indes sein "tiefes Bedauern über den Verlust unschuldiger Leben" zum Ausdruck. Das US-Militär versuche stets, zivile Opfer zu verhindern, teilte der Pentagonchef mit. "Und wenn wir Fehler machen, geben wir sie zu. Das ist genau das, was wir in diesem Augenblick tun."

Hilfsorganisationen verlassen Kundus

Bombardierte Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" in Kundus | Bildquelle: dpa
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Nach dem Luftangriff stand die Klinik in Flammen.

Der Luftangriff erfolgte inmitten von Kämpfen zwischen den Taliban und den Truppen der afghanischen Armee in Kundus, die seit einer Woche andauern. Anfangs hatten die Hilfsorganisationen vor Ort noch versucht, ihre Arbeit fortzusetzen. Doch habe der Angriff auf das Krankenhaus den Ausschlag dafür gegeben, dass inzwischen alle humanitären Organisationen Kundus verließen.

Obwohl humanitäre Hilfe vor diesem Hintergrund umso wichtiger erscheint, fiel die Versorgung von Verletzten, Flüchtlingen und den Einwohnern zunehmend schwerer. In großen Teilen der 300.000-Einwohner-Stadt ist nach Angaben des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe die Wasser- und Stromversorgung zusammengebrochen. Durch die anhaltenden Gefechte gelang es den Organisationen kaum noch, den benötigten Nachschub an Hilfsgütern in die Stadt zu bringen.

Die afghanische Regierung behauptet zwar seit Tagen, sie hätte die Taliban bereits wieder aus Kundus vertrieben. Doch Augenzeugen berichteten auch am Dienstag von erneuten Kämpfen in der Stadt. Zudem kontrollieren die Taliban wichtige Zufahrtsstraßen in die Provinzhauptstadt.

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