Bombardierte Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" in Kundus | Bildquelle: dpa

Bombardement von Krankenhaus in Kundus Angriff auf Bitte der Afghanen?

Stand: 05.10.2015 18:03 Uhr

Das Bombardement eines Krankenhauses der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Kundus erfolgte nach Angaben eines US-Kommandeurs auf Bitten des afghanischen Militärs. Diese hätten gemeldet, beschossen zu werden und um Luftunterstützung gebeten.

Der Luftangriff der US-Streitkräfte auf eine Klinik von Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans Frontières, MSF) in der umkämpften afghanischen Stadt Kundus ist nach den Worten eines US-Kommandeurs von den afghanischen Militärs angefordert worden. General John Campbell sagte in Washington, die afghanischen Sicherheitskräfte hätten gemeldet, sie würden beschossen und die Amerikaner um Hilfe gebeten. Daraufhin sei der Luftangriff befohlen worden, um die radikalislamischen Taliban zurückzuschlagen.

Campbell widerspricht damit früheren US-Angaben wonach das Bombardement dem Schutz von US-Einheiten gedient habe. Der US-Kommandeur versprach Transparenz bei der Aufklärung des Vorfalls durch die NATO und Afghanistan. Seine Aussagen klärten nicht die Frage, ob die Klinik in Kundus versehentlich getroffen wurde oder gezielt.

Ärzte ohne Grenzen kritisierte, die USA wollten Afghanistan die Schuld für den Angriff mit 22 Tote geben. "Die Beschreibung der Attacke verändert sich immer wieder - von Kollateralschaden, zu einem tragischen Zwischenfall oder jetzt mit dem Versuch, die Verantwortung auf die afghanische Regierung abzuschieben", erklärte MSF-Generaldirektor Christopher Stokes

MSF spricht von einem Kriegsverbrechen

Bei dem Angriff auf ein von der Hilfsorganisation MSF betriebenes Hospital waren 22 Menschen, darunter zahlreiche MSF-Mitarbeiter getötet worden. Die Hilfsorganisation spricht von einem Kriegsverbrechen und verlangt eine unabhängige Untersuchung. Nach eigenen Angaben hatte MSF die GPS-Daten ihrer Klinik allen Konfliktparteien mehrfach zur Verfügung gestellt, um Bombardements zu verhindern.

Das afghanische Verteidigungsministerium hatte am Wochenende gesagt, die Taliban hätten sich in dem Krankenhaus verschanzt und es als "Schutzschild" missbraucht. Ärzte ohne Grenzen widersprach der Aussage.

Kliniken sind nach der Genfer Konvention vor Angriffen geschützt, ebenso ist es Kämpfern strikt verboten Krankenhäuser als Schutz zu missbrauchen.

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