Taliban-Kämpfer auf einer Straße in Kundus | Bildquelle: REUTERS

Taliban gegen afghanisches Militär Offenbar schwere Kämpfe am Flughafen Kundus

Stand: 29.09.2015 21:20 Uhr

Trotz einer Gegenoffensive des afghanischen Militärs haben die Taliban offenbar den Flughafen von Kundus gestürmt. Medienvertreter vor Ort berichten von schweren Kämpfen. Die Taliban-Kämpfer sollen etwa 80 Prozent des Komplexes kontrollieren.

Die Taliban haben Sicherheitskreisen zufolge trotz einer Gegenoffensive der afghanischen Armee einen Großteil des Flughafens von Kundus eingenommen. Etwa 80 Prozent des Komplexes werde von den Aufständischen kontrolliert, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Auch ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters teilte mit, rund um den Airport, der bis dahin von der Armee kontrolliert wurde, werde heftig gekämpft.

Die Taliban hatten die Provinzhauptstadt am Montag überraschend überrannt. Am Dienstag startete die Armee mit Unterstützung der US-Luftwaffe einen Versuch zur Rückeroberung des früheren Bundeswehr-Standorts. US-Kampfjets bombardierten Stellungen der radikalen Islamisten, und die afghanische Armee versuchte, wieder in die Stadt vorzudringen. Doch scheiterte dies vorerst. Die Taliban bauten Kontrollpunkte und Straßenblockaden auf und schlugen die Truppen in Gefechten zurück.

Bundeswehrangehörige flogen nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums als Teil einer internationalen Gruppe nach Kundus, um sich dort über die Lage zu informieren. Ob sie in die Kampfhandlungen verwickelt sind, ist nicht bekannt. Die Bundeswehr ist mit bis zu 850 Soldaten in Masar-i-Scharif und Kabul präsent.

Gabor Halasz, ARD Neu-Delhi, zur Situation in Kundus
tagesschau24 17:15 Uhr, 29.09.2015

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Weitere Luftschläge unwahrscheinlich

Offenbar gehen NATO-Vertreter davon aus, dass weitere Luftangriffe unwahrscheinlich sind, weil zwar die Taliban, aber auch die Bevölkerung in der Stadt seien. Beobachter schlossen daraus, dass Regierungstruppen die Stadt bestenfalls im Straßenkampf zurückerobern könnten. Nur so könnten sich zivile Opfer weitgehend vermeiden lassen.

Wie viele Opfer es genau bei den jüngsten Kämpfen gab, ist unklar. Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Majar, teilte über Twitter mit, in Krankenhäuser in Kundus seien 172 Verletzte und 16 Leichen gebracht worden. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach von 129 Verwundeten, von denen neun gestorben seien.

Den Taliban nicht trauen

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani versuchte, in einer Rede an die Nation trotz allem Optimismus zu verbreiten. Sicherheitskräfte seien dabei, die von den Taliban besetzten Regierungsgebäude zurückzuerobern, sagte er. Der Feind habe erhebliche Verluste erlitten. Die ganze Stadt mit ihren knapp 300.000 Einwohnern werde zurückgewonnen. Die Bevölkerung solle den Taliban nicht trauen.

Aliullah bangt um seine Angehörigen in Kundus
tagesthemen 22:35 Uhr, 29.09.2015, Gabor Halasz, ARD Neu-Delhi

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