Obama im Regen von Havanna | Bildquelle: REUTERS

US-Präsident Obama in Kuba Eine historische Chance

Stand: 21.03.2016 04:39 Uhr

Nicht mehr Feind und noch kein Freund: Als erster US-Präsident seit mehr als 88 Jahren besucht Obama das kommunistisch regierte Kuba. Sein Besuch soll das Ende der Eiszeit zwischen beiden Ländern symbolisieren. Eine "historische" Chance, hofft Obama.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Kubaner jubeln dem US-Präsidenten zu. Die kommunistische Partei- und Staatsführung ist nicht dabei, als Barack Obama und seine Familie am Abend ihrer Ankunft die Altstadt Havannas besichtigen. Was sie sehen, ist der sanierte Teil. Viele andere kubanische Altbauten sind nicht mehr zu retten. Baumaterial fehlte über Jahrzehnte - auch das ein Ergebnis des US-Embargos. Als Gastgeschenk lockerte Obama vor seinem Besuch einige Regelungen, unter anderen darf nun Baumaterial auf die Insel.

Obama zu Besuch in Kuba
tagesschau 15:00 Uhr, 21.03.2016, Ina Ruck, ARD Washington

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Hoffen auf ein Ende des Embargos

Die Menschen hoffen, dass das Embargo bald endgültig fällt und mehr Dollars nach Kuba kommen. Der ehemalige Lehrer Frank Hernandez besitzt eine Wohnung in Zentrum Havannas, die er an Touristen vermietet, auch an US-Amerikaner. Damit verdient er am Tag mehr als ein Lehrer im Monat. Er profitiert zwar von der wirtschaftlichen Öffnung Kubas, sieht die Annäherung an die USA und den Obama-Besuch jedoch mit gemischten Gefühlen: "Ich bin überzeugt davon, dass wir nicht aufgeben sollten, was wir in all den Jahren erreicht haben. Die Gesundheitsversorgung, die kostenlose Bildung, die Freiheit. Auf unseren Straßen ist es sicher. Wir können Häuser besitzen und müssen keine überhöhten Preise für Gas uns Strom zahlen", sagt er.

"Wir müssen aufpassen, dass uns das Glockengeläut nicht betäubt. Eines steht fest: wir sind Sozialisten, und was wir unter großen Mühen aufgebaut haben, darf nicht verloren gehen", fährt Hernandez weiter fort. Es mache ihn traurig, dass junge Kubaner vor allem an Markenkleidung und Internet interessiert seien, und nicht mehr an den Errungenschaften der Revolution.

US-Präsident Barack Obama und Kubas Außenminister Bruno Rodriguez | Bildquelle: REUTERS
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US-Präsident Barack Obama wird auf dem Flughafen Havanna von Kubas Außenminister Bruno Rodriguez abgeholt.

President Obama @POTUS
¿Que bolá Cuba? Just touched down here, looking forward to meeting and hearing directly from the Cuban people.

"Menschenrechte nicht respektiert"

In einem anderen Viertel Havannas protestiert eine kleine Gruppe gegen den Staat: "Kuba ja, Castro nein", skandieren sie. Der Sonntags-Marsch der oppositionellen Gruppe der "Damen in Weiß" ist mehr Journalistentreffen als Protestkundgebung. Dutzende Kamerateams belagern die wenigen Weißgekleideten. Sie fordern mehr Freiheiten, unter anderem das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Aliurka Gomez Garcia ist hauptberufliche Aktivistin: "Es macht mich traurig, das zu sagen, aber in Kuba werden die Menschenrechte nicht respektiert. Die Castros denken, die Menschenrechte in Kuba seien anders als im Rest der Welt. Aber sie sind die gleichen universellen Rechte. Die UN-Menschenrechtscharta gilt für alle. Die Castros schließen uns davon aus."

Einige Dissidenten hat Obama zu einem Treffen in die US-Botschaft eingeladen. Für die US-Regierung war das unabdingbarer Teil des Besuchsprogramms. Schonzeit für Oppositionelle bedeutet diese Anerkennung jedoch nicht: Die Polizei löste die Protestveranstaltung der "Damen in Weiß" am Ankunftstag Obamas gewaltsam auf und nahm viele Teilnehmer fest. Ein herzlicher Empfang sieht anders aus.  

alt Barack Obama und Michelle Obama beim Abflug nach Havanna | Bildquelle: REUTERS

Obamas Programm in Kuba

Am Montag trifft er den kubanischen Präsidenten Raúl Castro, für Dienstag steht eine vom Fernsehen übertragene Rede in einem Theater sowie Gespräche mit Oppositionellen auf dem Programm. Obama und Raúl Castro hatten Ende 2014 eine Normalisierung der Beziehungen eingeleitet. Dessen älteren Bruder, Revolutionsführer Fidel Castro, wird der US-Präsident nicht treffen.

Obama besucht Kuba
A. Horchler, Washington
21.03.2016 16:28 Uhr

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