Kubaner mit Ipad  in Havanna an einem Hotspot | Bildquelle: REUTERS

Kuba testet privates Internet Zarte digitale Revolution

Stand: 27.12.2016 09:52 Uhr

In einem zweimonatigen Test sollen in Kuba auch private Haushalte Internet bekommen. Auch die Preise für mobiles Surfen sollen gesenkt werden. Staatskritische Nachrichtenportale und Anbieter wie Skype werden jedoch zensiert.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko, zzt. in Kuba

Auf einem  kleinen Platz in der Nähe des Malecón, der Uferpromenade von Havanna, wird es in den Abendstunden voll. Vorwiegend junge Menschen starren auf ihre Tablets und Laptops und wischen über ihre Smartphones, die in der Dunkelheit flimmern.

Es handelt sich um einen öffentlichen WLAN-Hotspot, von denen es in ganz Kuba mittlerweile 200 gibt. WLAN-Hotspots sind die neuen Treffpunkte, denn die meisten Kubaner müssen bislang raus auf die Straße, um im Netz zu surfen.

Kubaner mit Handys | Bildquelle: REUTERS
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Kubaner in Havanna nutzen mit ihren Handys einen WLAN-Hotspot. In ganz Kuba gibt es etwa 200 von solchen Plätzen.

Internet können sich nur wenige leisten

Auch Iliana kommt regelmäßig her, um mit ihren Verwandten in den USA zu telefonieren. Für eine Stunde Internet bezahlte sie bisher umgerechnet zwei Dollar. Jetzt hat die staatliche Telefongesellschaft ETECSA den Tarif auf 1,50 Dollar gesenkt. "Es ist wirklich gut, dass es jetzt billiger wird, aber sie könnten den Preis ruhig noch weiter reduzieren", sagt die junge Frau.

Nur die wenigsten Kubaner können sich bei einem Durchschnittsgehalt von 20 Dollar Internet überhaupt leisten. Auch für Alejandro ist es eigentlich unerschwinglich. Der 26-Jährige ist Grafikdesigner und sucht einen neuen Job. Trotzdem ist für ihn jeder kleine Schritt schon eine Verbesserung: "Ich finde diese Entwicklung wirklich gut. Der Tarif wird billiger und sie haben ja auch angekündigt, dass es bald Internet zu Hause geben soll - das ist wirklich eine super Maßnahme."

Test mit Ärzten, Journalisten und Wissenschaftlern

In 2000 Haushalten in der Altstadt Havannas will ETECSA in einer ersten Testphase privates Internet installieren. Bislang profitierten lediglich Ärzte, Journalisten und Wissenschaftler von dem Privileg.

Nach den Plänen der Regierung soll bis 2020 jeder zweite kubanische Haushalt über einen Internetanschluss verfügen. Alejandro hofft, dass sich bald auch die Qualität verbessert. Als Grafikdesigner muss er oft große Projekte versenden. "Sie testen es ja gerade noch. Man wird dann sehen, wie schnell und stabil das Netz ist", sagt der junge Mann. Jetzt breche die Verbindung oft ab, weshalb man immer ein wenig unter Stress gerate. Um Zeit zu sparen, schreibt er seine E-Mails vor.

Das Netz hat für ihn auch klare Grenzen. Bestimmte Internetseiten kann Alejandro nicht besuchen. Staatskritische Nachrichtenportale oder auch der Telefonanbieter Skype sind gesperrt. Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen kritisiert, dass das Internet nach wie vor drastisch zensiert werde.

"Erfolg durch Internetzugang"

Doch in Kuba begann eine zarte digitale Revolution: Seit der Annäherung zwischen den USA und Kuba hat sich trotz des Embargos einiges getan.

Bei seinem ersten Besuch der sozialistischen Karibikinsel letzten März betonte US-Präsident Barack Obama: "Wir bemühen uns darum, dass mehr Kubaner Zugang zum Internet und damit zur globalen Wirtschaft bekommen." Im 21. Jahrhundert könnten Länder nur erfolgreich sein, wenn die Bürger Internetzugang haben.

Vor wenigen Wochen unterzeichnete die staatliche Telefongesellschaft ETECSA mit Google eine Übereinkunft. Die Netzgeschwindigkeit bei der Nutzung von Google-Produkten wie Youtube soll verbessert werden. Kurz vor dem Ende der Amtszeit von Obama wurden damit noch Fakten geschaffen. Denn sein Nachfolger Donald Trump drohte bereits mit einem Ende des Tauwetters.

Demmer Kuba 271216
A.Demmer
27.12.2016 08:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Dezember 2016 um 11:32 Uhr.

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