Trauerfeiern für Fidel Castro | Bildquelle: dpa

Trauerzug erreicht Santiago "Fidel Castro war Kuba"

Stand: 03.12.2016 11:57 Uhr

Nach vier Tagen hat der Trauerzug mit Fidel Castros Urne die letzte Station seiner Reise erreicht: Santiago de Cuba. Hier wird Castro beigesetzt. Anne-Katrin Mellmann über die Trauer und den Geist der Revolution.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt, ztt. in Santiago de Cuba

Die Karawane der Trauer mit Fidel Castros Urne hat auf ihrer Fahrt quer durch das Land eine neue Station erreicht. Das Staatsradio überträgt live. Riesige Boxentürme im Cespedes-Park in Santiago de Cuba, dem letzten Ziel der Reise, stellen sicher, dass alle hören können, wie groß Begeisterung und Anteilnahme anderswo sind. Die hier sonst üblichen Salsa-Klänge fehlen in diesen Tagen der Staatstrauer. Musik und Alkohol sind verboten. Touristen und Einheimische betrachten die in der Mitte des Parks aufgestellten Fotos, die den Revolutionsführer in allen Etappen seines langen Lebens zeigen.

An diesem Ort verkündete Castro einst den Sieg der Revolution. Heute kommen junge Kubaner hierher, um mit Freunden und Verwandten im Ausland zu chatten, weil es in dem Park im Stadtzentrum das seltene drahtlose Internet gibt.

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Abschied von Fidel Castro

Staatstrauer um Fidel Castro

Nach dem Tod des Revolutionsführers Fidel Castro am 25. November nehmen die Kubaner Abschied. Eine Woche lang herrscht Staatstrauer in Kuba. Zum Auftakt mehrtägiger Trauerfeierlichkeiten zogen die Menschen zur Gedenkstätte für den Nationalhelden José Martí in Havanna, um Castro dort die letzte Ehre zu erweisen. | Bildquelle: dpa

"Wir bleiben sozialistisch"

Der Jurist Astrubal und seine Freunde sind bester Laune. Sie haben sich um ein Tablet geschart und sprechen mit einem, der Kuba und seiner Revolution den Rücken gekehrt hat und jetzt in den USA lebt. Die Internetverbindung kostet zwei Dollar pro Stunde. Astrubal kann sich das nur leisten, weil er den Staatsdienst an den Nagel gehängt hat und jetzt selbständig im Devisen-bringenden Tourismus arbeitet. 

"Ich glaube, nach dem Tod Fidels wird ein langsamer Übergangsprozess beginnen. Das System wird aber bestehen bleiben, wir bleiben sozialistisch", sagt er. Wirtschaftlich werde sich Kuba öffnen, ähnlich wie China. Kubas wichtigster Partner, Venezuela, stecke in der Krise, deshalb müsse Kuba sich einen neuen Partner suchen. "Das werden die USA sein - auch mit Donald Trump als Präsidenten. Mit ihm werden die Veränderungen vielleicht nicht angenehm und ein bisschen schmerzhaft ablaufen, aber mit ihm wird es wenigstens schnell gehen."

Santiago de Cuba: Wiege der Revolution

Die meisten Kubaner wünschten sich wirtschaftliche Öffnung. Die sei jetzt möglich, weil Fidel Castro nicht mehr auf der Bremse des Reformprozesses stehe. Astrubal ist einer der wenigen in Santiago, die sich in diesen Tagen trauen, offen mit ausländischen Journalisten zu sprechen. Die Stadt im Osten der Karibikinsel gilt als Wiege der Revolution: Hier unternahm Fidel Castro am 26. Juli 1953 mit dem Überfall auf die Moncada-Kaserne den ersten Versuch, die Diktatur zu stürzen.

Trauerfeiern für Fidel Castro | Bildquelle: dpa
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Am Mittwoch begann die viertägige Reise der Urne Castros durch das Land in das 900 Kilometer entfernte Santiago de Cuba. Es ist der umgekehrte Weg des Marsches, mit dem die Rebellen 1959 nach Havanna zogen.

"Wir haben alle für die Revolution unterschrieben"

Viele Einwohner legten sich deshalb eine Armbinde mit dem Datum an, auch Juan Enamorado Cruz. Der 62-Jährige sitzt mit traurigem Gesicht unter einem Schatten spendenen Baum vor dem historischen Gebäude der Kaserne, die Fidel Castro nach dem Sieg der Revolution in eine Schule umwandelte. "Fidel war für uns sehr wichtig", erzählt er. "Nur seinetwegen haben wir heute, was wir haben: Schulen und Gesundheitsversorgung. Ich hätte nicht studieren können, wenn es Fidel nicht gegeben hätte. Dank Fidel bin ich ein freier Mann". Auch ohne Castro gehe die Revolution weiter, denn: "Wir haben alle für die Revolution unterschrieben."

Massenkundgebungen in Santiago und Havanna

In Kondolenzbüchern unterschreiben die Menschen im ganzen Land für die Ideale der Revolution. Die kommunistische Partei hat das Erbe Castros definiert und beschwört in diesen Tagen die Einheit des Volkes. Wie vereint es ist, wird es nach Ankunft des Trauerzuges in Santiago noch ein letztes Mal zeigen: Am Abend findet, ähnlich wie in der Hauptstadt Havanna, eine Massenkundgebung statt. Die Beisetzungszeremonie auf dem Friedhof Ifigenia ist dagegen einem kleinen Kreis vorbehalten.

Astrubal und seine Freunde wollen auf jeden Fall an den Abschiedsfeierlichkeiten teilnehmen. Denn bei aller Kritik: Niemand sei so wichtig für die kubanische Geschichte gewesen wie Fidel Castro. "Er hat in der ganzen Welt das Bild Kubas geprägt, Fidel Castro war Kuba", sagt er. "Nach seinem Tod brauchen wir eigentlich neue Figuren wie ihn. Aber, die gibt es nicht. Wir haben viele Chefs, aber keinen mit den Führungsqualitäten Castros."

Santiago trauert und erwartet Castros Asche
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko Stadt
03.12.2016 12:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 03. Dezember 2016 um 12:20 Uhr

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