Polizeieinsatz gegen Flüchtlinge: Im bulgarischen Harmanli versuchen Polizeikräfte die Krawalle gegen eine Ausgangssperre einzudämmen. | Bildquelle: AFP

Krawalle in Aufnahmelager Bulgarien nimmt 400 Flüchtlinge fest

Stand: 25.11.2016 18:16 Uhr

Brände, Wasserwerfer, Gummigeschosse - im bulgarischen Flüchtlingslager Harmanli haben die Behörden 400 Flüchtlinge festgenommen. Die Randalierer sollen nun abgeschoben werden. Auslöser für die Krawalle war eine Ausgangssperre.

Von Ralf Borchard, ARD-Studio Wien.

Seit Dienstag gilt im Flüchtlingslager Harmanli eine Ausgangssperre, am Donnerstagnachmittag eskalierte die Lage. Bis zu 2000 der insgesamt 3000 Menschen im Lager, die meisten aus Afghanistan, zündeten Matratzen und Autoreifen an, demolierten die Gemeinschaftsküche und bewarfen Aufsichtspersonal und Polizisten mit Steinen.

Schwere Ausschreitungen in bulgarischem Flüchtlingslager
tagesschau 20:00 Uhr, 25.11.2016, Michael Mandlik, ARD Wien

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Ausgangsperre wegen ansteckender Krankheiten

Grund für die Ausgangssperre waren im Lager ausgebrochene Krankheiten - Fälle von Krätze, anderen Hautkrankheiten und angeblich auch von Malaria. Der bulgarische Regierungschef Bojko Borissow sprach nach einem Besuch des Lagers in der Nacht von 24 verletzten Polizisten und zunächst 300, später von 400 Festnahmen.

"Unser Volk war schon immer tolerant gegenüber den Frauen, Kindern und den Menschen, die vor dem Krieg flüchten. Hier ist aber auch eine andere Gruppe aktiv", betonte Borissow. "Vor allem Männer aus Afghanistan und Pakistan zwischen 15 und 30 Jahren. Sie laufen in Gruppen herum, beachten keine Regeln. Es ist sogar schwierig, ihre Identität zu klären. Das ärgert die lokale Bevölkerung nicht nur, sondern macht ihr auch Angst."

Umgehende Abschiebungen

Inzwischen sei die Lage unter Kontrolle, so Borissow weiter. Fünf der festgenommenen Flüchtlinge sollen umgehend ausgewiesen und nach Afghanistan zurückgeflogen werden. Vertreter der Flüchtlinge sagten, sie seien über Beginn und Grund der Ausgangssperre nicht informiert worden. Die Polizei habe unverhältnismäßig Gewalt angewendet und ihrerseits zahlreiche Flüchtlinge verletzt.

Grundsätzlich fordern die Menschen im Lager, wenigstens nach Serbien weiterreisen zu dürfen. "Mir ist es egal, wo ich in Europa hingehe", sagte ein Mann aus dem Irak, der nach eigenen Worten einen Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat knapp überlebt hat. "Ich will einfach nur mit meiner Familie in Frieden leben."

Demonstrationen gegen Flüchtlinge

Das Erstaufnahmelager Harmanli an der Grenze zur Türkei ist das größte Flüchtlingslager in Bulgarien. Seit Wochen demonstriert die lokale Bevölkerung immer wieder gegen die Flüchtlinge und hat auch sogenannte Bürgerwehren gebildet. "Inzwischen gehe ich nur noch in Begleitung von meinem Mann hinaus", so eine Frau. "Die Flüchtlinge sind einfach überall und ich habe schon gehört, dass Frauen sexuell belästigt worden sind."

Demonstrationen gegen Migranten gab es vergangenes Wochenende auch in der Hauptstadt Sofia. Am Rande der Kundgebung, erklärte eine Frau ihre Forderungen: "Der Staat muss den Zuzug beschränken. Es sind nur junge Männer zwischen 25 und 35 ohne Frauen und Kinder. Diese Leute können keine Flüchtlinge sein."

Die bulgarische Regierung hat inzwischen 60 Soldaten und Militärpolizisten nach Harmanli beordert. Sie sollen die Polizei in der Kleinstadt an der Grenze zur Türkei unterstützen und weitere Ausschreitungen verhindern helfen. Die strikte Ausgangssperre für das Flüchtlingslager soll bestehen bleiben.

Krawalle und Festnahmen in bulgarischem Flüchtlingslager
Ralf Borchard, ARD Wien
25.11.2016 17:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. November 2016 um 20:00 Uhr.

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