Krankenschwestern bei ihrer Arbeit im indonesischen Krankenhaus im Gaza-Streifen. | Bildquelle: REUTERS

Neues Krankenhaus in Gaza eröffnet Operieren, wenn Strom da ist

Stand: 31.01.2016 02:35 Uhr

Der Gaza-Krieg 2014 hat die medizinische Infrastruktur weitgehend zerstört. Mit Spenden aus Indonesien konnte nun ein neues Krankenhaus gebaut werden. Für die Menschen ein wichtiger Schritt - auch wenn der fehlende Strom Probleme machen könnte.

Von Christian Wagner, ARD-Studio Tel Aviv

Die Stimmung ist aufgekratzt. Die Ärzte im neuen Indonesischen Krankenhaus nördlich von Gaza-Stadt freuen sich sichtbar auf die offizielle Eröffnung. Auch Eyad Abu Sahad, der Chef der Notaufnahme, ist gespannt: "Wir sind noch dabei, das Krankenhaus in Betrieb zu nehmen. Aber nächste Woche geht es richtig los. Ab dann gilt die strikte Anweisung, nicht ohne Arztkittel und Namensschild zu arbeiten."

Bis dahin trägt Abu Sahad auf dem Krankenhausflur noch seine abgewetzte Lederjacke. Dabei erzählt er, dass das neue Krankenhaus in Jebaliya 110 Betten habe. Das ist, als ob ein Provinzkrankenhaus eine Großstadt versorgen müsste. Immerhin leben um die Klinik in Jebaliya, Beit Hanoun und im Norden von Gaza-Stadt etwa 360.000 Menschen.

Neue Geräte, größere Intensivstation

Aber: Das Haus ist neu, die Geräte auch, und die Intensivstation ist größer als im alten Kamal-Odwan-Krankenhaus, das aufgegeben wurde. Zumindest muss Abu Sahad momentan nur wenig Schwerverletzte aufnehmen: "Während des Kriegs, wenn bombardiert wird, dann haben wir alle Arten von Verletzungen. Die Raketen unterscheiden eben nicht zwischen Jung und Alt, und die Verletzungen sind am ganzen Körper."

Anderthalb Jahre nach dem Krieg vom Sommer 2014 stellen sich die Ärzte auf einen neuen Konflikt ein. Das sei ihre Aufgabe, sagen sie, für die Verletzten da zu sein.

Indonesien spendet neun Millionen Dollar

Das Geld für ihre neue Klinik kommt aus Indonesien: neun Millionen Dollar aus Spenden. Der Indonesier Edy Wahyudi überwacht den Krankenhausbau im Gaza-Streifen schon seit vier Jahren. Die 50 Tage Krieg 2014 hätten ihn nicht so mitgenommen wie das ewige Warten, sagt er: "Es ist immer schwierig, Güter nach Gaza hineinzubekommen. Besonders die medizinischen Geräte wurden von der israelischen Armee lange überprüft. Auf manches mussten wir drei oder vier Monate warten, es waren auch mal sechs Monate. Das war für uns die größte Schwierigkeit."

Einen kleinen Springbrunnen hat das Krankenhaus spendiert bekommen, wahrer Luxus in Gaza, weil aus dem Wasserhahn nur eine ungenießbare salzige Brühe kommt. Die Räume sind einfach, aber die Indonesier haben einen neuen Computertomographen aus Deutschland beschafft. Bloß, woher kommt der Strom dafür?

"Wir haben für dieses Krankenhaus eine Reserve-Stromversorgung mit einem Notaggregat, sagt der Radiologe Atef Marouf. "Aber wenn der Strom weg ist, müssen wir die Untersuchung für ein paar Minuten unterbrechen. Erst dann arbeiten wir weiter."

"Allein hätten wir das nicht geschafft"

Der Mediziner hat seine Ausbildung in Hamburg absolviert. Er kann sich nicht erinnern, dass dort jemals der Strom ausgefallen wäre. Aber in Gaza haben die Stadtviertel reihum momentan nur zwei oder drei Stunden Strom am Tag. Mit seinem neuen Arbeitsplatz ist Marouf dennoch zufrieden. "Es gibt einige Sachen, die besser werden in Gaza. Dieses Krankenhaus haben wir nur durch die Hilfe aus Indonesien bauen können. Allein auf uns gestellt hätten wir das nicht geschafft."

Der abgeriegelte Gaza-Streifen ist angewiesen auf Hilfe von außen - anderthalb Jahre nach dem jüngsten Krieg mehr als je zuvor.

Der Gaza-Streifen hat ein neues Krankenhaus
C. Wagner, ARD Tel Aviv
30.01.2016 14:33 Uhr

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