Nordkoreas Machthaber Kim trifft Südkoreas Präsidenten Moon | Bildquelle: REUTERS

Kim und Moon Ungleiche Verhandlungspartner

Stand: 27.04.2018 02:51 Uhr

Südkoreas Präsident Moon arbeitete als Menschenrechtsanwalt, Nordkoreas Machthaber Kim hat sich immer wieder seiner politischer Gegner entledigt: ein Porträt ungleicher Verhandlungspartner.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Tokio

Der Mann folgt seinem eigenen Rhythmus. Bei allen Aufmärschen in Pjöngjang - und davon gibt es etliche pro Jahr - erklingt derselbe Marsch: ein Ohrwurm, der die Massen fröhlich und kampfbereit stimmen soll. Und der zeigen soll, wer die Zügel in der Hand hält im Staate Nordkorea: Kim Jong-un.

Als er in den letzten Dezembertagen des Jahres 2011 die Macht von seinem verstorbenen Vater Kim Jong-il übernahm, blühten die Spekulationen. Wie lange würde sich der junge - damals noch nicht mal 30-jährige - Diktator im Sattel halten? Ist er nur eine Marionette des alten, von Militärs beherrschten Apparats? Wird er versuchen, das Land behutsam zu öffnen? Schließlich ist er der erste der Familie, der im westlichen Ausland gelebt hat - in einem Internat in der Schweiz.

Nordkoreas Interkontinentalrakete Hwasong 15 steigt in den Himmel | Bildquelle: dpa
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Am 29. November 2017 testete Nordkorea seine größte Interkontinentalrakete, die Hwasong 15.

Liebe zu Actionfilmen

Dort galt der Sohn der dritten Frau seines Vaters als scheu. Er liebte Basketball und Skifahren und Actionfilme mit Jean-Claude van Damme. Noch davor, als Achtjähriger, soll er in einer Generalsuniform im väterlichen Palast herumstolziert sein und verkündet haben, er wolle Staatschef werden.

Klar ist, dass Kim Jong-un mit einem silbernen Löffel im Mund geboren wurde. Und dass er als Erwachsener Frisur, Kleidung und sogar die Handschrift seines Großvaters, des "ewigen Präsidenten", übernommen hat. Bei seiner programmatischen Rede vor dem 7. Parteitag der Nordkoreanischen Arbeiterpartei am 8. Mai 2016 gab er sich als würdiger Erbe der Dynastie:

"Der Parteikongress ist eine historische Gelegenheit, um einen Meilenstein zu setzen im Kampf um die Konsolidierung und Entwicklung der ruhmreichen Partei, die verbunden ist mit der Ideologie von Kim Il Sung und Kim Jong-il, sowie um die großen Errungenschaften des Sozialismus zu vervollständigen."

Bevor er fest im Sattel saß, hatte sich der "Große Nachfolger" - so einer seiner Ehrentitel - ohne viel Federlesens seiner tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner entledigt. Prominenteste Opfer waren sein angeheirateter Onkel Jang Song-thaek, der bis dahin als der zweite Mann im Staat galt, und Verteidigungsminister Hyon Yong-chol, den vor Hunderten Anwesenden mit einem Luftabwehrgeschütz hinrichten ließ.

Politische Agenda durchgesetzt

Auch der mysteriöse Giftmord an seinem Halbbruder Kim Jong-nam wird ihm zugeschrieben. Doch parallel dazu zog er seine politische Agenda durch. Schon 2013 hatte Kim erklärt, bis 2017 solle das Atom- und Rüstungsprogramm abgeschlossen sein, das die USA von jeglichem Angriff auf Nordkorea abschrecken würde. Und genau so geschah es.

Zu Neujahr dann der totale Imagewechsel. Im hellen Sommeranzug erklärte Kim: "Die Winterspiele in Südkorea werden ein gutes Ereignis für unser Land sein", sagte er. "Wir sind bereit, verschiedene Schritte zu unternehmen, einschließlich der Entsendung einer Delegation." Funktionäre der beiden Koreas sollten sich dringend treffen, um die Möglichkeiten auszuloten.

Südkoreas Präsident Moon Jae-In | Bildquelle: AP
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Südkoreas Präsident Moon Jae-In

Zeichen der Aussöhnung

Im Süden hörte man das gern. Es war nämlich Präsident Moon Jae-in, der Kim zu den Winterspielen eingeladen hatte - ursprünglich ohne große Hoffnung auf eine Zusage. Moons Vorgängerin, Park Geun-hye, hatte alle Brücken in den Norden abgebrochen. Als Entspannungspolitiker in der Nachfolge Willy Brandts und Kim Dae-jungs wollte Moon nun ein neues Zeichen der Aussöhnung setzen.

Aber Moon ist nicht naiv. Auch nach der überraschenden Zusage aus Pjöngjang, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, bleibt er auf dem Teppich: "Die Verbesserung der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea kann nicht unabhängig von der nordkoreanischen Atomfrage betrieben werden", sagte er. "Deshalb sollte sich das Außenministerium eng mit den Alliierten und der internationalen Gemeinschaft abstimmen."

Ernsthaftes Interesse an Wiedervereinigung

Moon hat nicht das, was man Charisma nennt. Aber er hat ein ernsthaftes Interesse an der Wiedervereinigung. Die Eltern des heute 65-Jährigen waren im Zuge des Koreakriegs aus dem Norden in den Süden geflüchtet.

Moon wuchs im Lager auf, in bescheidenen - und übrigens katholischen - Verhältnissen. Später studierte er Jura und arbeitete länger als 20 Jahre als Anwalt für Menschenrechte, bevor er in die Politik wechselte.

In jeder Beziehung ist er das Gegenteil seines Verhandlungspartners. Ein scheinbar biederer Familienvater, freundlich, etwas einsilbig, aber mit einer klaren Überzeugung: "Ob die beiden Koreas zusammen leben oder getrennt: Wir müssen zusammen in Frieden gedeihen, ohne einander zu stören oder Schaden zuzufügen", sagte er einmal.

Kim und Moon - Doppelporträt der Verhandlungspartner
Jürgen Hanefeld, ARD Tokio
27.04.2018 00:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. April 2018 um 17:00 Uhr.

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