Koptische Kirche in Kairo | Bildquelle: REUTERS

Nach Anschlägen in Ägypten Kopten schränken Osterfeierlichkeiten ein

Stand: 15.04.2017 01:15 Uhr

Aus Trauer sowie aus Angst vor weiteren Anschlägen haben koptische Christen in Ägypten den Großteil der Osterfeierlichkeiten abgesagt. Viele fühlen sich von der Regierung nicht ausreichend geschützt. Vor einer Woche hatten Islamisten 45 Christen getötet.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Wenn heute die Glocken der Kirchen in Ägypten läuten, kündigen sie in diesem Jahr keine normale Osternachtsmesse an. Die Anschläge von Palmsonntag überschatten die Festtage - aus Respekt und im Andenken an die Opfer fänden in diesem Jahr nur beschränkte Feierlichkeiten statt, erklärte die koptische Kirche. Ein Vertreter des Patriarchats sagte, die Kirchen seien nicht geschmückt worden, statt freudig-feierlicher, stundenlanger Osternachtsmesse gebe es lediglich einfache Gottesdienste.

Auch auf den Brauch, den Kindern Süßigkeiten zu schenken, wolle der koptische Patriarch Tawadros II. an diesem Wochenende verzichten, hieß es. Die katholischen und anglikanischen Kirchen in Ägypten haben sich angeschlossen: Die Osterfeierlichkeiten in der Nacht von Samstag auf Sonntag fallen aus.

Wut auf Islamisten

Viele Christen sind wütend auf die Islamisten: "Die Terroristen haben uns unser Fest gestohlen", sagt ein Koptin. "Sie wählen immer die Zeit aus, wenn wir Christen uns freuen, wenn wir unsere Kinder hübsch anziehen und in die Kirche gehen. Dann bringen sie uns um. Man freut sich auf das Osterfest und dann hören wir, dass Bomben in Kirchen explodieren. Wo ist jetzt noch die Freude, wo ist das Fest? Sie haben uns die Freude genommen!"

Kopten sagen ihre traditionellen Osterfeierlichkeiten ab
tagesschau 12:00 Uhr, 15.04.2017, Volker Schwenk, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Denn die Angst vor neuen Anschlägen ist groß. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden deutlich verstärkt. Vor den Kirchen stehen Soldaten und Polizisten, es gibt Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren. Viele Straßen, in denen sich Kirchen befinden, sind komplett gesperrt. Und dennoch: Es wird neue Anschläge geben, da sind sich viele Christen sicher.

Die Kopten hindert das nicht daran, in die Kirche zu gehen - im Gegenteil. Nahezu trotzig sagt ein Gemeindemitglied aus Kairo: "Jetzt erst recht. Wir Christen haben nun mal ein Kreuz zu tragen, eine Bürde, so wie Jesus das Kreuz getragen hat. Hier in Ägypten ist da unser Kreuz - die Angst vor Anschlägen. Und ein Weiterer meint: "Sollen mich die Terroristen doch in der Kirche in die Luft sprengen. Dann werde ich Märtyrer und komme in den Himmel, zu Jesus."

Kritik an Regierung

Die Stimmung ist aufgeheizt. Ägyptens Präsident Abel Fatah al Sisi steht unter Druck: In der christlichen Gemeinde, die eigentlich stets hinter der umstrittenen Politik des Präsidenten stand, wird Kritik laut. Die Christen fühlen sich nicht ausreichend geschützt. "Der Innenminister und die Leiter der Sicherheitsbehörden müssen gehen", sagt ein wütende Kopte bei einer der Beerdigungen der Anschlagsopfer. "Alle, die nicht auf die Anschläge von Palmsonntag vorbereitet waren, müssen zurücktreten. Was haben diese unschuldigen Opfer getan? Wer soll jetzt das vierjährige Waisenkind großziehen - vielleicht der Innenminister? Der Präsident? Wer sich in die Luft sprengen will, soll es bei denen tun, nicht bei uns an den Feiertagen."

Demonstrativ hat der ägyptische Präsident die Armee angewiesen, zusätzlich zur Polizei alle öffentlichen Einrichtungen zu bewachen. Zudem rief al Sisi einen dreimonatigen Ausnahmezustand für Ägypten aus, um die Hintermänner der Terroristen überführen zu können, wie er sagte.

Papstbesuch im April

Ende April will der katholische Papst Franziskus zu einem Besuch nach Kairo kommen. Die Anschläge von Palmsonntag hätten an seinen Reiseplänen nichts geändert, erklärte der Vatikan. "Der Papst sieht keinen Anlass, seine Reise nach Ägypten abzusagen", so Vatikansprecher Greg Burke. "Es ist eine wichtige Reise, es geht um den interreligiösen Dialog mit den Muslimen, um einen innerchristlichen Dialog mit den Koptisch-Orthodoxen und um einen Besuch bei den Katholiken in dem Land."

Zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Einwohner Ägyptens sind Christen, die meisten von ihnen Kopten. Im Alltag verläuft das Zusammenleben von Christen und Muslimen oft sehr friedlich: Kirchen stehen neben Moscheen, die Menschen respektieren die Feste der jeweils anderen Religion und zu Ostern haben auch alle Muslime in Ägypten frei. Und eines haben die meisten Muslime und Christen in Ägypten gemein: Sie wünschen sich, dass die Ostertage in Ägypten friedlich bleiben.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. April 2017 um 23:15 Uhr.

Korrespondentin

Darstellung: