Ein Hilfkonvoi von UN, Rotem Kreuz und Rotem Halbmond wird an einem Checkpoint der syrischen Armee angehalten | Bildquelle: AFP

Eingeschlossene in Ost-Ghouta Ein Hilfskonvoi, aber keine Medikamente

Stand: 05.03.2018 13:10 Uhr

Endlich hat ein Hilfskonvoi die schwer umkämpfte Region um Ost-Ghouta erreicht, doch fehlen viele lebenswichtige Medikamente. Auf Druck der syrischen Regierung mussten sie aus der Lieferung genommen werden.

Hunderttausende Menschen sind im heftig umkämpften Ost-Ghouta in Not. Nun erreichte das belagerte Gebiet in Syrien erstmals wieder ein Hilfskonvoi, doch die syrische Regierung hatte vorher wichtige Güter aussortieren lassen.

Ein Konvoi aus Dutzenden Lastwagen sei in das heftig umkämpfte Gebiet nahe der Stadt Duma eingefahren, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (ICRC), Ingy Sedki. An dem heutigen Konvoi waren auch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC) und der Syrische Rote Halbmond beteiligt. Die Lieferung besteht nach Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha aus medizinischen Hilfsgütern und Nahrung für 27.500 Menschen.

Lebensrettende medizinische Güter aussortiert

Viele "lebensrettende medizinische Güter" hätten allerdings auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden müssen, berichtete Ocha. Diese durften auch nicht durch andere Gegenstände ersetzt werden.

Dadurch seien drei der 46 Lastwagen, die am Morgen gestartet waren, fast leer gewesen. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge war unter dem blockierten Hilfsgütern das gesamte Material für die Behandlung von Verletzungen und für Operationen sowie Insulin und Dialyse-Artikel.

Logo des syrischen Roten Kreuzes | Bildquelle: AFP
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Ein Fahrzeug des Konvois fährt an einem Poster mit Baschar Assad vorbei. Drei Lkw des Konvois kamen unbeladen in Ost-Ghouta an, weil die Ladung auf Druck der Regierung aus der Lieferung genommen wurde.

400.000 Menschen leben im Belagerungszustand

Die humanitäre Lage in Ost-Ghouta ist desaströs. Bewohner berichteten, es fehle an Essen sowie an Wasser und Strom. Ärzten mangele es an medizinischem Material, und sie müssten wegen der großen Zahl an Verletzten sehr lange am Stück arbeiten.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist entschlossen, die Region vor den Toren der Hauptstadt zurück zu erobern, in der seit 2013 knapp 400.000 Menschen im Belagerungszustand leben. Nach dem wochenlangen Bombardement der Region starteten die Regierungstruppen kürzlich eine Bodenoffensive.

Ost-Ghouta bei einem Raketenangriff | Bildquelle: AFP
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Die zerstörte Stadt Saqba in Ost-Ghouta unter Beschuss der syrischen Regierungstruppen.

Luftangriffe und Bodenkämpfe eskalieren

Die Region östlich der Hauptstadt Damaskus hat seit Mitte Februar die heftigsten Luftangriffe seit Beginn des Syrien-Konfliktes 2011 erlebt. Mehr als 660 Zivilisten starben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge durch Bombardements und Artilleriebeschuss.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Am Wochenende waren auch die Bodenkämpfe in der Region eskaliert. Menschen flohen den Aktivisten zufolge auch innerhalb der Region vor Beschuss. Die syrische Regierung von Assad wirft den Rebellen dagegen vor, die Hauptstadt Damaskus zu beschießen. Ost-Ghouta wird von verschiedenen, mehrheitlich islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Unter ihnen sind auch Kämpfer von Gruppen mit Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Kaida.

Weiter Hilfskonvois sollen folgen

In den kommenden Tagen sollen weitere Hilfslieferungen nach Ost-Ghouta folgen. "Die UN und ihre Partner haben die Genehmigung erhalten, Hilfe für 70.000 Menschen in Not zu liefern", hatte Ocha zuvor mitgeteilt.

Eine Forderung des UN-Sicherheitsrates Ende Februar nach einer 30 Tage langen Waffenruhe für ganz Syrien zeigte bislang keine Wirkung. Allerdings vermindert die syrische Regierung ihre Angriffe seit einer Woche täglich für eine fünfstündige Feuerpause.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. März 2018 um 13:00 Uhr.

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