Hinweise auf Massengrab im Kongo | Bildquelle: REUTERS

Neue Massengräber im Kongo "Kinder mit abgehackten Gliedmaßen"

Stand: 14.07.2017 19:20 Uhr

Eine Aufklärungsmission von UN und kongolesischer Armee hat 38 neue Massengräber im Zentrum des Landes entdeckt - damit ist deren Zahl auf 80 gestiegen. Linda Staude berichtet von unvorstellbaren Gräueltaten im Kongo.

Von Linda Staude, ARD-Studio Nairobi

Isaak Akadue hat einen guten Job - er ist Lehrer, der mit seiner Familie vor der blutigen Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo geflohen ist: "Wir sind geflüchtet vor den Konflikten zwischen den Volksgruppen. Wir wurden gefoltert und angegriffen. Wie haben keine Waffen und keine Messer - aber wir sind mit Gewehren und Macheten attackiert worden." Mit ihren drei Kindern seien sie geflohen. Nun sitzen die Akadues in einem Auffanglager in Angola fest.

"Kinder mit abgehackten Gliedmaßen"

Auch der UN-Menschenrechtskommissar, Zeid al Hussein, berichtet von schrecklichen Bildern: "Mein Team hat zweijährige Kinder gesehen, denen Gliedmaßen abgehackt wurden, viele Babys mit Wunden von Macheten und schweren Verbrennungen - unter ihnen ein zwei Monate alter Säugling, der nur vier Stunden nach seiner Geburt zweimal angeschossen worden war. Die Mutter wurde ebenfalls verletzt."

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Said Raad al-Hussein
galerie

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte kennt die schrecklichen Bilder aus der Demokratischen Republik Kongo

Die unvorstellbaren Gräueltaten in der Provinz Kasai haben im vergangenen August begonnen. Damals erschossen Sicherheitskräfte den Anführer einer regierungsfeindlichen Miliz und sperrten ihre angeblichen Mitglieder ein. "Sie haben unschuldige junge Männer verhaftet", sagt ein Dorfältester in Kasai. "Wir waren geschockt über ihr Verhalten."

Bei den anschließenden Kämpfen starben nach Angaben der katholischen Kirche bis heute fast 3400 Menschen.

Bislang 80 Massengräber

Stephane Dujarric, der Sprecher des UN-Generalsekretärs, sagte: "Bis heute hat das Menschenrechtsbüro der UN 80 mutmaßliche Massengräber in den Kasai-Provinzen identifiziert. Das Menschenrechtsbüro und die UN-Mission wiederholen ihre Bereitschaft, die kongolesischen Behörden dabei zu unterstützen, die Verbrechen in der Region aufzuklären."

Dem. Rep. Kongo mit Kasai
galerie

Rebellen und Soldaten der kongolesischen Armee kämpfen in Kasai seit fast einem Jahr gegeneinander

UN-Experten tot aufgefunden

Der neue Konflikt im gewaltzerrissenen Kongo hat erstmals im März internationale Aufmerksamkeit erlangt. Damals waren zwei UN-Experten in Kasai verschwunden und später tot aufgefunden worden.

Kurz darauf erklärte der kongolesische Präsident Joseph Kabila: "Angesichts der untragbaren Gräueltaten an unschuldigen Opfern und der andauernden Unruhen, die Frieden und Sicherheit in unserem Land bedrohen, können wir uns unserer Verantwortung nicht länger entziehen, die Staatsgewalt in diesem Teil des Landes mit allen möglichen legalen Mitteln wiederherzustellen."

Inzwischen gibt es allerdings Berichte, dass die kongolesische Armee und eine von ihr unterstützte Miliz, die Bana Mura, selbst für viele Gewalttaten verantwortlich sind, sagt al Hussein: "Die Bana Mura haben in den vergangenen zwei Monaten hunderte Dorfbewohner erschossen, zerhackt, verbrannt und verstümmelt - sowie ganze Dörfer zerstört."

UN-Blauhelme in  der Stadt Kanaga, in deren Nähe die Massengräber entdeckt wurden | Bildquelle: REUTERS
galerie

UN-Blauhelme in der Stadt Kanaga, in deren Nähe die Massengräber entdeckt wurden

1,3 Millionen Menschen sind auf der Flucht

Bisher haben es nur wenige Tausend über die Grenze nach Angola geschafft. Brigite Ibompenge ist eine der wenigen. Sie ist verzweifelt über die aussichtslose Lage in ihrem Heimatland: "Ich bin sehr traurig, weil unsere Leute sterben. Unsere Leben sind zerstört, unsere Töchter verschwinden. Es geschehen so viele schlimme Dinge. Alles, was wir wollen, ist Frieden im Kongo."

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: