Statue von Christoph Kolumbus in New York | Bildquelle: AFP

Statuen in den USA Wird Kolumbus vom Sockel geholt?

Stand: 26.08.2017 13:36 Uhr

Nach der Debatte um die Statuen des Südstaatengenerals Lee in den USA tobt nun in New York ein Streit darüber, das berühmte Kolumbus-Denkmal in Manhattan zu schleifen. Die Statue gilt manchen als Ausdruck der brutalen Kolonialzeit.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio New York

Jetzt könnte es auch Christoph Kolumbus erwischen. Der nämlich steht als Denkmal am Columbus Circle in New York. Und das vielleicht nicht mehr lange. Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen um Statuen des Südstaaten-Generals Lee ist in New York nun eine Debatte um den "Entdecker Amerikas" entbrannt.

Auch Kolumbus, meint Melissa Mark-Viverito, Sprecherin des Stadtrates und grundsätzlich Befürworterin des Denkmalsturzes, sei zumindest umstritten. Man müsse sich die Geschichte jetzt genau anschauen und bewerten: "Jedes Denkmal, jede historische Person muss jetzt neu bewertet werden, bevor wir entscheiden, was zu tun ist."

Der Columbus Circle in New York | Bildquelle: AP
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Der Columbus Circle - hier ein Archivbild aus dem Jahr 2008 - liegt im Herzen Manhattans.

"Ein Stück amerikanischer Geschichte"

Also soll Kolumbus vielleicht vom Sockel. Kolumbus, der 1492 an die Küste Amerikas segelte und mit der Entdeckung der Neuen Welt die Kolonisation vorbereitete. Völliger Blödsinn, wettern die Gegner des Säuberungsvorhabens, die am Denkmal demonstrierten. Mit Kolumbus würden viele New Yorker ein Stück amerikanische Geschichte verbinden, die es zu erhalten gelte. Joseph Borelli ist Stadtrat in Staten Island: "Niemand hier sagt, dass Kolumbus etwas Falsches getan hat. Wir verurteilen ihn 2017 für etwas, dass er vor über 500 Jahren getan hat."

Außerdem sei der Hass mit dem Entfernen eines Denkmals nicht aus der Welt, meint der wortstarke Pastor Michael Faulkner von der "New Horizon Church": "Das Denkmal einfach nur abzuräumen, alle Flaggen und Symbole des Rassismus, hilft nicht gegen den Schmerz, gegen all die Zerstörungen, die der Rassismus über so viele Jahre angerichtet hat."

Proteste gegen den Abriss der Kolumbus-Statue | Bildquelle: AFP
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Die italienische Gemeinde protestierte bereits gegen einen Abriss. Einer ihrer Fürsprecher ist Stadtrat Borelli.

"Die politische Korrektheit bringt uns noch um"

Vor fünf Jahren erst wurde das mehr als 120 Jahre alte Kolumbus-Denkmal aufwendig restauriert - damals war sein Ruf offenbar noch unbeschädigt. Gespendet wurde das Kolumbus-Denkmal 1892 von der italienischen Gemeinde. Deren Begeisterung ist derzeit entsprechend gering: "Wir haben ihn immer als Entdecker gefeiert, auch als Symbol der italienisch-amerikanischen Geschichte dieses Landes", sagt ein Mitglied. Und der Kabarettist Joe Piscopo, ebenfalls italienischer Abstammung, ist richtig sauer: "Lasst die Denkmäler in Ruhe. Die politische Korrektheit bringt uns noch um."

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio versucht derzeit, die Gemüter zu beruhigen. Es gebe keinen konkreten Plan, Christopher vom Columbus Circle zu entfernen, sagt de Blasio, der sich im Wahlkampf befindet. Aber man wolle das Thema in den kommenden 90 Tagen prüfen. Christoph Kolumbus ist angeschlagen. Ihm bleibt aber zumindest eine Gnadenfrist.

Christopher Kolumbus soll vom Sockel
U. Schmidt, ARD New York
26.08.2017 13:31 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 26. August 2017 um 09:00 Uhr auf NDR Info.

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