Clinton, Merkel und Macron beim Trauerakt für Kohl in Starßburg | Bildquelle: AFP

Trauerakt in Straßburg Abschied mit einer Liebeserklärung

Stand: 01.07.2017 15:02 Uhr

Deutsche Einheit, europäisches Zusammenwachsen: die Amtszeit von Helmut Kohl war von historischen Wendemarken geprägt. Entsprechend emotional und persönlich waren die Reden beim Trauerakt in Straßburg. Ex-US-Präsident Clinton machte Kohl posthum ein unerwartetes Geständnis.

Liebe ist ein Wort, das Staatsmänner selten aufeinander anwenden. Beim europäischen Staatsakt für Helmut Kohl in Straßburg fiel der Begriff aber, er fiel früh, und es war der frühere US-Präsident Bill Clinton, der damit sein Verhältnis zu Kohl umschrieb.

"Ich habe ihn geliebt. Ich habe ihn sehr gemocht." Bill Clinton

Clintons Ausruf war einer der emotionalen Höhepunkte des Trauerakts im Europäischen Parlament, und nicht der einzige. Aus allen Reden wurde deutlich, dass es hier nicht nur um einen Politiker ging, in dessen Amtszeit einschneidende Veränderungen auf dem europäischen Kontinent fielen. Sondern der es auch vermocht hatte, gerade in Zeiten des Umbruchs persönliches Vertrauen zu stiften und Freundschaften über Landes- und Systemgrenzen hinweg zu knüpfen.

Ex-US-Präsident Clinton während seiner Rede bei der Trauerfeier für Alt-Bundeskanzler Kohl. | Bildquelle: dpa
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Große Gesten für einen guten Freund - Bill Clinton während seiner Trauerrede auf Helmut Kohl.

Europäische und transatlantische Freundschaften

Jean-Claude Juncker etwa, der den Staatsakt mit organisiert hatte, ein langjähriger Partner Kohls in europäischen Beratungen. "Ein treuer Freund" sei ihm Kohl gewesen, sagte Juncker, und hob hervor, dass dieser Patriot und Europäer zugleich gewesen sei. Deshalb habe Kohl erfolgreich für die Wiedervereinigung werben können, weil er glaubwürdig für ein europäisches Deutschland statt für ein deutsches Europa gestanden habe.

Junckers Fazit: "Mit Helmut Kohl verlässt uns ein Nachkriegsgigant." Um dann noch eine persönliche Bitte an den Verstorbenen nachzuschieben:

"Lieber Helmut, Du bist jetzt im Himmel. Versprich mir, dass Du dort nicht als erstes einen CDU-Ortsverband gründest." Jean-Claude Juncker

Europäischer Trauerakt für Altkanzler Kohl
tagesschau 20:00 Uhr, 01.07.2017, Arnim Stauth, ARD Brüssel

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Wie man Vertrauen stiftet

Der Verweis auf Kohls Verwurzelung im deutschen Patriotismus und europäischen Gedanken zugleich zog sich wie ein roter Faden durch alle acht Reden. Clinton hob hervor, dass es Kohl gelungen sei, bei den Nachbarn Vertrauen in die Verlässlichkeit eines vereinigten Deutschland zu stiften - weil er auch glaubwürdig die Verlässlichkeit seiner Person vermitteln konnte.

Clinton, der in der Vergangenheit häufiger Kohls Talent beschrieben hatte, auch auf ihm skeptisch gegenüberstehende Staatsmänner zuzugehen und sie durch großes Wissen über die Biographie seines Gegenübers einzunehmen, schilderte in Straßburg auch den persönlichen Preis, den er dafür zahlen musste.

"Kohl hat mich bewogen, Dinge zu essen, die ich nicht essen wollte." Bill Clinton

Die Lehren aus der Geschichte ziehen

Wichtiger aber war Clinton, dass Kohl eine Welt gewollt habe, in der Zusammenarbeit als besser gilt als der Konflikt, "in der niemand niemanden dominiert". So habe Kohl das "Krebsgeschwür" des 20. Jahrhunderts überwinden wollen.

Ob dies auch ein Abschweifer in die aktuelle Politik war? Den Bogen ins Heute schlug vor allem der französische Präsident Emmanuel Macron. Er erinnerte nicht nur an die enge Beziehung zwischen seinem Amtsvorgänger Francois Mitterand und Kohl, die eine Zeitlang auch von Bedenken des Franzosen gegenüber der Wiedervereinigung Deutschlands geprägt war. Kohl habe diese Vorbehalte zerstreuen können.

Nun müssten Deutschland und Frankreich dafür sorgen, dass das gemeinsame "Aufbauwerk" nicht "seine Schönheit und seinen Sinn" verliere, so Macron, wenn der europäische Geist es verlasse. Das sei das Vermächtnis des Alt-Bundeskanzlers.

Merkel führt den Gedanken fort

Diesen Gedanken griff Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. Jede Generation müsse ihre eigenen Antworten finden, wie sie Europa zukunftsfest mache, sagte sie in ihrer Trauerrede. Dabei komme es immer wieder auf das Wissen um die Geschichte an, auf die Nähe zu den Menschen und das Wissen um das Machbare und das Zumutbare. All dies habe Kohl gehabt. Merkel erinnerte an ein Zitat Kohls im Ringen um den Bau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Es stehe stellvertretend für sein gesamtes Handeln: "Nicht die nächste Generation, sondern unsere muss es bauen. Wir, jetzt, heute, hier - und nicht irgendwann."

Merkel schilderte aber auch, was sie Kohl persönlich verdanke - durch dessen Eintreten für die Wiedervereinigung Deutschlands. Kohl habe den Menschen in der damaligen DDR Mut gemacht und ihnen Kraft gegeben. Das habe ihren Lebensweg verändert.

"Dass ich hier stehe, daran haben Sie entscheidenden Anteil. Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben." Angela Merkel

Kanzlerin Merkel verneigt sich vor dem Sarg von Alt-Bundeskanzler Kohl. | Bildquelle: AFP
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Wie andere Redner auch verneigte sich Merkel vor dem Sarg Kohls.

Erinnerung an die Familie des Alt-Bundeskanzlers

Merkel vergaß darüber aber nicht das Umfeld des Pfälzers, als sie Kohls Witwe Maike Richter-Kohl ihr Beileid aussprach, aber auch an Kohls erste Ehefrau Hannelore Kohl erinnerte, die 2001 Suizid begangen hatte. Die gemeinsamen Söhne Walter und Peter, die nicht anwesend waren, hatten seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater und erheben schwere Vorwürfe gegen seine zweite Frau.

Davon sonst aber kein Wort in Straßburg, auch nicht zu dem Umstand, dass es auf Wunsch der Witwe keinen Staatsakt in Deutschland gibt.

Der Trauerakt endete mit der deutschen Nationalhymne sowie mit Beethovens "Ode an die Freude", der inoffiziellen Hymne der EU. Auch hier wurde wieder der Bogen vom deutschen Politiker zum europäischen Politiker geschlagen. Dann trugen Soldaten des Wachbataillons den mit einer Europaflagge bedeckten Sarg des Altkanzlers aus dem Plenarsaal.

Der Tag endet in Speyer

Beigesetzt wird Kohl am Abend auf dem Domkapitel von Speyer. Nach dem Trauerakt wurde sein Sarg per Hubschrauber nach Ludwigshafen überführt, die Fahrt soll einmal durch seinen Heimatort gehen. Die letzten Kilometer bis ins nahe Speyer bringt dann ein Schiff den Leichnam Kohls. Im dortigen Dom findet die Totenmesse statt, zu der rund 1500 geladene Gäste erwartet werden.

Ein militärischen Ehrenzeremoniell der Bundeswehr schließt sich an, bevor Kohl dann auf einem nahen Friedhof in Speyer im Freundes- und Familienkreis beigesetzt werden wird.

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Trauerfeiern für Helmut Kohl

Die Reihen des europäischen Parlaments sind vollbesetzt.

Helmut Kohl ist der erste Politiker, der mit einem europäischen Trauerakt geehrt wird. Damit sollen die Verdienste des langjährigen Bundeskanzlers (1982 bis 1998) um den Aufbau Europas gewürdigt werden. Der am 16. Juni verstorbene Altkanzler ist einer von nur drei Ehrenbürgern Europas. | Bildquelle: REUTERS

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juli 2017 um 14:40 Uhr und 17:00 Uhr.

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