Anschlag auf Kirche in Tanta, Ägypten. | Bildquelle: REUTERS

Gewalt in Ägypten Tote bei Anschlägen auf koptische Christen

Stand: 09.04.2017 15:07 Uhr

Etwa zehn Prozent der Ägypter sind koptische Christen. Der Palmsonntag ist für sie ein wichtiger Tag, doch heute ist er von Trauer überschattet: Bei zwei Anschlägen - in Tanta und Alexandria - starben mehr als 30 Gläubige. Der IS bekannte sich zu den Taten.

Zwei Anschläge an einem Tag, zwei Mal ist das Ziel eine Kirche: Am Palmsonntag sind in Ägypten koptische Christen angegriffen worden. Mehr als 30 Menschen wurden getötet. Am Morgen explodierte eine Bombe in Tanta, gegen Mittag wurde eine Explosion aus Alexandria gemeldet.

Die ägyptische Regierung sprach von Terror: "Der Terrorismus trifft Ägypten erneut, dieses Mal an Palmsonntag", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, auf Twitter. Es sei eine weitere widerwärtige Tat gegen alle Ägypter.

Das IS-Sprachrohr Amaq veröffentlichte eine Mitteilung, nach der sich der "Islamische Staat" zu beiden Anschlägen bekannte.

Explosionen in Tanta...

Während eines Gottesdienstes in der Mar-Girgis-Kirche in Tanta, nördlich der Hauptstadt Kairo, war am Morgen ein Sprengsatz detoniert. Mindestens 25 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Fernsehbilder zeigten blutüberströmte Körper in einer zerstörten Kirche.

...und in Alexandria

Kurze Zeit später explodierte ein Sprengsatz in einer weiteren Kirche - dieses Mal in der Nähe von Alexandria. In dem Gotteshaus hatte zuvor Patriarch Tawadros II. den Palmsonntagsgottesdienst gefeiert. Bei dem zweiten Anschlag wurden nach Behördenangaben mindestens elf Menschen getötet, 35 wurden verletzt. Die staatliche Zeitung "Al-Ahram" berichtete, die Explosion außerhalb des koptischen Gotteshauses St. Markus sei durch einen Selbstmordattentäter verursacht worden, der zuvor am Einlass in die Kirche gehindert worden sei.

Tote bei Anschlägen auf koptische Kirchen in Ägypten
tagesschau 17:15 Uhr, 09.04.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Papst bestürzt

Papst Franziskus reagierte bestürzt: Er bete für die Opfer und die Verletzten, sagte er beim Angelusgebet auf dem römischen Petersplatz. Der koptischen Kirche, ihrem Oberhaupt Papst Tawandros II. und der gesamten ägyptischen Bevölkerung drückte er seine Anteilnahme aus. "Möge der Herr das Herz der Menschen, die Terror, Gewalt und Tod säen, bekehren und auch das Herz derer, die Waffenhandel betreiben." Für Ende des Monats hat er sich in Ägypten angekündigt.

"Dass eine solche Tat Menschen in Ausübung ihrer Religion während des Gottesdienstbesuches am Palmsonntag trifft, empört mich besonders", erklärte Innenminister Thomas de Maizière. "Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen, meine Wut den Tätern", fügte er hinzu und forderte eine internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror. Auch Außenminister Sigmar Gabriel verurteilte die Gewalt gegen Christen.

Kopten häufig Opfer von Gewalt

Ägyptische Christen wurden in den vergangenen Monaten mehrfach Opfer von Gewalt. Im Dezember hatte es einen scheren Bombenanschlag auf die Peter und Paul Kirche nahe der Markus Kathedrale in Kairo gegeben. Dabei starben fast 30 Menschen. Damals bekannte sich die Terrororganisation "Islamischer Staat" zu dem Attentat. Ein Ableger des IS ist vor allem auf der Sinai-Halbinsel aktiv. Dort gab es in den vergangenen Monaten mehrere Morde und Übergriffe auf Christen, so dass Hunderte vor dem IS flohen.

Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und machen etwa zehn Prozent der 90 Millionen Einwohner Ägyptens aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. April 2017 um 17:15 Uhr.

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