Kim Jong Nam (Archivfoto 2001)           | Bildquelle: AP

Tod von Kim Jong Nam Führt die Spur in Nordkoreas Botschaft?

Stand: 22.02.2017 12:43 Uhr

Noch immer ist der Tod des Halbruders von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un nicht aufgeklärt. Malaysische Ermittler sehen nun aber einen Diplomaten der nordkoreanischen Botschaft als möglichen Tatbeteiligten. Viele Details im Fall Kim Jong Nam sind aber weiter unklar.

Nach der mutmaßlichen Ermordung des Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Malaysia gilt nun ein Diplomat der nordkoreanischen Botschaft als möglicher Tatbeteiligter. Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen hochrangigen Mitarbeiter der Botschaft, sagte Malaysias Polizeichef Khalid Abu Baker. Ein weiterer Verdächtiger sei ein Beschäftigter einer nordkoreanischen Fluggesellschaft. Es werde davon ausgegangen, dass sich beide in Malaysia aufhielten. "Wir haben den nordkoreanischen Botschafter um Erlaubnis gebeten, sie zu befragen", sagte Khalid, "andernfalls werden wir sie dazu bringen, zu uns zu kommen."

Der erste Sohn des 2011 gestorbenen Diktators Kim Jong Il, Kim Jong Nam, wurde vor gut einer Woche am Flughafen von Kuala Lumpur mutmaßlich Opfer eines Giftanschlags. Südkorea vermutet, dass die Führung in Pjöngjang hinter seinem Tod steckt. Polizeichef Khalid sagte, die beiden mutmaßlichen Täterinnen, die den Angriff am 13. Februar im Internationalen Flughafen von Kuala Lumpur ausgeführt hätten, hätten in örtlichen Einkaufszentren für ihre Tat trainiert. Eine der Frauen komme aus Vietnam, die andere aus Indonesien.

Malaysias Polizeichef Khalid Abu Bakar | Bildquelle: REUTERS
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Malaysias Polizeichef Khalid Abu Bakar sieht einen Diplomaten der nordkoreanischen Botschaft als möglichen Tatbeteiligten.

Vier Festnahmen

Im Zusammenhang mit der Tötung seien vier Menschen festgenommen worden. Ein Verdächtiger, der Freund der Indonesierin, sei am Mittwoch wieder freigelassen worden, sagte Khalid. Die beiden weiblichen Verdächtigen würden für weitere sieben Tage festgehalten. Laut dem Sender CNN behaupteten indonesische Ermittler, dass die des direkten Angriffs Verdächtigte glaubte, Teil einer TV-Sendung zu sein, in der anderen ein Streich gespielt wird. Sie habe Geld dafür bekommen, Fremden etwas ins Gesicht zu sprühen, aber nicht gewusst, dass es sich in dem Fall mutmaßlich um eine giftige Substanz handelte.

Derweil meldete sich die nordkoreanische Botschaft in Kuala Lumpur und forderte die sofortige Freilassung der beiden inhaftierten Frauen und des nordkoreanischen Bürgers. "Malaysia führt seine Ermittlungen auf Grundlage von Kamera-Aufnahmen durch, in der Annahme, dass die Frauen das Gift auf das Gesicht des Opfers mit ihren eigenen Händen geschmiert hätten", hieß es in einer Mitteilung. "Wie soll es möglich sein, dass die Verdächtigen nach so einem Vorfall noch lebendig sind?"

Weitere Tatbeteiligte?

Die malaysischen Ermittler suchen nach Angaben von CNN und BBC nach bis zu fünf weiteren möglichen Tatbeteiligten, die alle nordkoreanische Pässe besitzen sollen. Sie sollen aus Malaysia nach Pjöngjang abgereist sein. "Wir haben die nordkoreanischen Behörden gebeten, sie ausfindig zu machen und uns zu übergeben, damit wir unsere Ermittlungen fortführen können, sagte Khalid. Auch um DNA-Proben von Angehörigen Kim Jong Nams habe man gebeten, um die Leiche offiziell identifizieren zu können. Dem Polizeichef zufolge wurden auf dem Gelände der Klinik, in dem sich die Leiche befindet, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, nachdem jemand versucht habe, in das Leichenschauhaus einzubrechen.

Am Dienstag waren Polizisten mit schweren Waffen und Spezialgerät in das Krankenhaus eingerückt. Ein Kameramann eines südkoreanischen Senders wurde kurzzeitig von der Polizei festgehalten, weil er sich ohne die nötigen Papiere auf dem Gelände aufgehalten habe. Vor dem Gebäude hatten am Dienstag viele Medienvertreter vergeblich auf den Sohn des Getöteten gewartet. Berichten zufolge wurde der 21-Jährige in Kuala Lumpur erwartet, um seinen Vater zu identifizieren. Bei den Berichten, denen zufolge er bereits eingetroffen sei, handelte es sich um Gerüchte, sagte der Polizeichef.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2017 um 12:30 Uhr.

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