Katars Emir, Scheich Tamim bin Hamid al-Thani | Bildquelle: AFP

Diplomatische Krise Schwere Vorwürfe gegen Katar

Stand: 05.06.2017 13:54 Uhr

Schon lange schwelt der Streit zwischen Katar und dessen Nachbarländern. Dass die Länder den Golfstaat gerade jetzt isolieren, hat mehrere Gründe - einer davon ist schlicht eine Falschnachricht.

Von Sabine Rossi, ARD-Studio Kairo

Eine Sprecherin des saudischen Fernsehsenders Al-Ekhbariya verlas am Morgen die Ankündigung, dass Saudi-Arabien seine Grenzen zu Katar schließe - über Land, von der See und aus der Luft. Saudi-Arabien hat sich über die Aktion mit seinen Nachbarn Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Ägypten abgestimmt. Inzwischen haben sich weitere Regierungen angeschlossen.

Katars Diplomaten haben nun 48 Stunden Zeit, um Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate zu verlassen. Katarischen Staatsbürgern bleiben zwei Wochen.

Als Vorwurf gegen Katar formulieren die arabischen Nachbarstaaten, dass das Land Islamisten und den internationalen Terrorismus unterstütze. Damit destabilisiere Katar die Region. Dessen Außerministerium hat das zurückgewiesen. In einer Mitteilung heißt es, der Vorwurf sei unbegründet. Nichts davon beruhe auf Fakten.

Hacker-Angriff auf die Nachrichtenseite

Der Streit zwischen Katar und den anderen arabischen Ländern schwelt schon länger. Dass Saudi-Arabien und seine Mitstreiter ausgerechnet jetzt ihre Gangart gegenüber Katar verschärfen, hat zwei Gründe.

Da ist zum einen der Skandal um Falschnachrichten. Ende Mai hatte Katars staatliche Nachrichtenagentur berichtet, der Emir habe Iran als Staat gelobt, der zur Stabilität in der Region beitrage. Katar ruderte zurück. Es handelte sich nachweislich um einen Hacker-Angriff auf die Nachrichtenseite. Doch der Skandal und der Missmut unter den arabischen Nachbarn war längst perfekt.

Zum anderen geht es um den Besuch des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump vor zwei Wochen in Saudi-Arabien. Trump hatte in einer Rede Iran für das Chaos und die Zerstörung in der Region verantwortlich gemacht. Saudi-Arabien sieht in Iran seinen größten Rivalen.

Saudischer Außenminister lobt Trump

Trumps Iran-Schelte kam also gut an. Das war auch den Worten des saudischen Außenministers Adel al-Dschubeir zu entnehmen, der sich gerade gestern noch zu einem Besuch in Ägypten aufhielt. Dort sagte er: "Dass der amerikanische Präsident an diesem historischen Gipfel in Saudi-Arabien teilgenommen hat, war ein starkes und positives Zeichen dafür, dass Amerika zusammen mit den arabischen Ländern den Terror bekämpfen will und ein Bündnis aufbaut, um diesen Schmutz auszukehren."

Ende Mai hatten etliche arabische Länder bereits erste Maßnahmen gegen Katar eingeleitet. Unter anderem hatten sie die Webseite des Nachrichtensenders Al-Jazeera gesperrt. Ihnen gilt Al-Jazeera als Plattform, die extremistischen Gruppen wie Al-Kaida oder der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) eine Stimme gibt.

Ganz von der Hand zu weisen sind diese Vorwürfe nicht. Al-Jazeera-Reporter hielten im Syrienkrieg ganz offensichtlich Kontakt zu Gruppen, die Al-Kaida nahestehen. Besonders deutlich wurde dies im Dezember 2015. Al-Jazeera-Reporter berichteten damals live, während die libanesische Armee und die Al-Nusra-Front in Syrien Gefangene austauschten. Interviews mit den Kämpfern inklusive.

Diplomatische Krise: Arabische Länder brechen Beziehungen zu Katar ab
S. Rossi, ARD Kairo
05.06.2017 13:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juni 2017 um 16:10 Uhr.

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