Lärm als Zeichen des Protestes: Zwei Frauen schlagen in einem Vorort von Barcelona auf Töpfe | Bildquelle: AP

Nach Katalonien-Referendum Vom Topfschlagen zum Generalstreik

Stand: 03.10.2017 03:05 Uhr

Es gibt viele Formen, wie die Katalanen derzeit gegen die Zentralregierung protestieren: vom allabendlichen Topfschlagen bis zum für heute geplanten Generalstreik. In Madrid versuchen Politiker eine Lösung zu finden, verfolgen dabei aber ganz unterschiedliche Ansätze.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Jeden Abend um Punkt 22 Uhr stehen viele Unabhängigkeits-Befürworter in Barcelona an den Fenstern ihrer Wohnungen und schlagen mit Kochlöffeln auf Töpfe: Ein Protest gegen die Regierung in Madrid. Vor allem in den Wochen vor dem umstrittenen Referendum war das Topfschlagen beliebt - doch auch jetzt geht es weiter.

Zum Beispiel am Fenster von Toni. Er verurteilt die Polizeigewalt am Referendumstag; dass tausende Beamte die Volksabstimmung stoppen sollten - im Auftrag der Zentralregierung. "Die Regierung spielt mit den Gesetzen, ändert sie beliebig, einfach unfassbar", sagt der Rentner.

Lärm als Zeichen des Protestes: Ein Mann steht auf einem Balkon und schlägt auf einen Topf. | Bildquelle: AP
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Lärm als Zeichen des Protestes: Mit Töpfen und allem was Krach macht demonstrieren Anhänger der Unabhängigkeit gegen die Zentralregierung.

"Wie soll ein Dialog funktionieren?"

Das Feindbild der Topfschläger von Barcelona heißt Mariano Rajoy und ist spanischer Ministerpräsident. Er stuft das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien weiterhin als illegal ein und will das Ergebnis - 90 Prozent für ein eigenständiges Katalonien - ignorieren.

Zwar bot er der katalanischen Regierung am Sonntagabend Gespräche an, um eine Lösung der festgefahrenen Situation zu suchen; doch alles, worüber man spreche, müsse vom Gesetz gedeckt sein. Rajoys Sprecher Mendez de Vigo sieht kaum Chancen, mit den Gesprächspartnern weiterzukommen: "Wie soll ein Dialog funktionieren, wenn die katalanische Regierung nur eine feste Idee im Kopf hat - nämlich die Unabhängigkeit?"

Generalstreik in Barcelona
tagesschau 12:00 Uhr, 03.10.2017, Stefan Schaaf, ARD Madrid

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Rajoy sucht Verbündete

Der spanische Regierungschef steckt in einer politischen Sackgasse. Um dort wieder herauszukommen, sucht er Verbündete. Gestern traf sich der konservative Rajoy mit dem Chef der spanischen Sozialisten und dem der Liberalen, nacheinander. Im Parlament sind sie oft politische Gegner - in der Katalonien-Frage nicht. Sie alle wollen Spanien zusammenhalten, betonen die Einheit der Nation und stufen das katalanische Referendum als verfassungswidrig ein.

Rivera und Rajoy bei ihrem Treffen in Madrid | Bildquelle: AFP
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Rivera und Rajoy bei ihrem Treffen in Madrid.

Alle möchten verhindern, dass das katalanische Parlament die Unabhängigkeit ausruft - wie vom Chef der Regionalregierung angedroht. Während die Sozialisten weiter auf Gespräche setzen, will Liberalen-Chef Albert Rivera einen bestimmten Artikel der Verfassung aktivieren. Es geht um Nummer 155. Mit ihr könnte die Zentralregierung Katalonien die Autonomie entziehen.

Rivera will auf Neuwahlen in Katalonien hinaus

"Rajoy hätte unsere Zustimmung, den Artikel zu aktivieren, Neuwahlen in Katalonien einzuberufen und das zu verhindern, was einige ein Fest nennen - viele aber die Hölle", sagt Rivera.

Viele katalanische Gewerkschaften und Verbände sehen es genau andersherum: Sie würden es als "Hölle" bezeichnen, wie Politiker in Madrid über das Leben in ihrer Region entscheiden. Das gehe oft über die Köpfe der Bewohner hinweg.

Mehrere Organisationen haben für heute deshalb zu einem Generalstreik aufgerufen. Auch die beiden größten Gewerkschaftsverbände Spaniens hatten sich ursprünglich dem Aufruf angeschlossen, zogen aber ihre Teilnahme gestern zurück, weil sie Verhandlungen ermöglichen wollen.

Ein Mann mit einer katalanischen Flagge auf einem Balkon in Barcelona | Bildquelle: AFP
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Zwar hat nicht mal die Hälfte der Berechtigten abgestimmt, von diesen votierten ab 90 Prozent mit "Si" - als "Ja".

Kaum eine Metro, Verzögerungen am Flughafen

In vielen Krankenhäusern und Gesundheitszentren arbeitet heute nur ein Notdienst. Behandlungen, die nicht dringend nötig sind, werden verschoben. In Barcelona sollen im Berufsverkehr morgens und abends drei von vier Bussen, Metros und S-Bahnen ausfallen. Tagsüber sind alle Verbindungen gestrichen. Und auch am Flughafen Barcelona kann es wegen Streikaktionen zu Verzögerungen kommen, warnt die Betreibergesellschaft.

Würde Toni noch arbeiten, wäre er heute auch ein Streikender, sagt er. Doch er klopft lieber auf einen seiner Kochtöpfe und sagt dabei: "Madrid, adiós!"

Katalonien: Wie geht es weiter? Madrid tüftelt an möglichem Fahrplan
Oliver Neuroth, ARD Madrid
03.10.2017 01:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Oktober 2017 um 04:48 Uhr.

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