Proteste in Katalonien | Bildquelle: dpa

Nach Katalonien-Referendum Proteste, Streik - und wenig Einigkeit

Stand: 02.10.2017 21:38 Uhr

Einen Tag nach dem Referendum in Katalonien ist noch völlig unklar, was passieren wird. Für Dienstag haben Gewerkschaften zum Generalstreik aufgerufen. Doch die beiden größten Verbände machen nicht mit - aus Protest gegen die Strategie des katalanischen Regierungschefs.

Mit einem Generalstreik wollen Gewerkschaften und andere Organisationen am Dienstag in Katalonien gegen die Polizeigewalt während des umstrittenen Referendums protestieren. Aufgerufen dazu haben unter anderem Gewerkschaften, die separatistische Bürgerinitiative ANC sowie der nationalistische Kulturverein "Omnium Cultural". Auch der FC Barcelona will sich beteiligen. "Der Club wird morgen geschlossen sein", teilte der Verein via Twitter mit. "Keine Profi- und keine Jugendmannschaft wird morgen in der Ciutat Esportiva trainieren".

Die beiden größten Gewerkschaftsverbände Spaniens zogen ihre Teilnahme jedoch zurück - obwohl sie sich dem Aufruf zum Streik ursprünglich angeschlossen hatten. Aus ihrer Sicht habe die Rede des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont nach der Abstimmung gezeigt, dass er als einzige politische Strategie den Ausruf der Unabhängigkeit verfolge, teilten die Verbände CCOO und UGT mit. Zur Lösung des Konflikts zwischen Barcelona und der Zentralregierung seien aber weiter Verhandlungen nötig.

Zehntausende demonstrieren gegen Polizeigewalt

In Barcelona und anderen Städten und Gemeinden gingen am Tag nach dem Referendum erneut Zehntausende auf die Straßen, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. Die Demonstranten, unter ihnen viele Studenten, schwenkten katalanische Flaggen und hielten Schilder hoch, auf denen sie mehr Demokratie forderten. In Anspielung auf die frühere Diktatur in Spanien skandierte die Menge: "Das war unter Franco die Regel."

Laut Regionalregierung fast 900 Verletzte

Die spanische Polizei war am Sonntag teils mit massiver Gewalt gegen das Referendum vorgegangen. Polizisten schlossen Wahllokale, beschlagnahmten Abstimmungsunterlagen und hinderten manche Menschen mit Schlagstöcken und Gummigeschossen an der Stimmabgabe. Der Regionalregierung zufolge wurden fast 900 Menschen verletzt.

Nach Ansicht der spanischen Zentralregierung war die Abstimmung illegal und ist daher ungültig. Sie beruft sich unter anderem auf die Entscheidung des Verfassungsgerichts, das das Referendum als rechtswidrig untersagt hatte. Die Regionalregierung gab die Wahlbeteiligung mit 42 Prozent an. Ihr zufolge haben 90 Prozent der Teilnehmer für die Loslösung der Region von Spanien gestimmt.

Puigdemont will EU-Vermittlung

Nach Beratungen mit seinen Verbündeten hinter verschlossenen Türen erklärte Puigdemont das Ergebnis heute als für ihn "verbindlich". Nun müsse das Regionalparlament in Barcelona über die Ausrufung der Unabhängigkeit entscheiden, sagte er.

Der spanische Regierungschef Rajoy zeigte sich derweil offen für die Vorschläge anderer Parteien, um den Konflikt zu lösen. Man werde eine gemeinsame Antwort auf die Herausforderung in Katalonien suchen, hieß es in einer Mitteilung der Regierung.

Die EU-Kommission sowie Ratspräsident Donald Tusk riefen beide Seiten auf, rasch von einer Konfrontation zum Dialog überzugehen. Puigdemont forderte seinerseits eine Vermittlung Brüssels. Die EU dürfe die Lage in Katalonien nicht länger ignorieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Oktober 2017 um 20:00 Uhr.

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