Artur Mas (zweiter von rechts) feiert mit seinen Parteianhängern den Sieg der Separatisten. | Bildquelle: dpa

Regionalwahl in Katalonien Separatisten feiern ihren Sieg

Stand: 28.09.2015 04:06 Uhr

Nach der Wahl in Katalonien feiern die Separatisten ihren Sieg. Zwar erreichten sie die absolute Mehrheit im Parlament, nicht aber die Mehrheit der Wählerstimmen. Dennoch sehen sie das Votum als Ja zur Abspaltung von Spanien.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Madrid

Der katalanische Ministerpräsident Artur Mas strahlt, als er das Mikrofon greift. Jetzt kann er endlich den Satz sagen, auf den er so lange gewartet hat: "Wir haben gewonnen", sagt er in mehreren Sprachen. Mas ruft seine Freude in die Welt, auf der Wahlparty seines Bündnisses "Junts pel Si", zu Deutsch: "Zusammen für das Ja" - das Ja zur Unabhängigkeit.

Mas spricht gern in vielen Sprachen dieser Tage. Er weiß, dass Europa auf Katalonien schaut. Und er will Europa überzeugen, dass gut ist, was hier passiert: Dass sich eine Region eines EU-Mitglieds selbstständig machen will.

Sieg der Separatisten in Katalonien
tagesschau 20:00 Uhr, 28.09.2015, Jörg Rheinländer, ARD Madrid, zzt. Barcelona

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"Doppelten Sieg errungen"

"Heute haben wir einen doppelten Sieg errungen. Das Ja hat gewonnen und die Demokratie. Das sind zwei Siege in einem. Genauso wie wir als echte Demokraten eine Niederlage akzeptiert hätten, müssen die anderen jetzt diesen Sieg für Katalonien akzeptieren. Den Sieg Kataloniens und des Ja!", sagt Mas.

Dabei war es nicht mal die Mehrheit, die Ja zur Unabhängigkeit gesagt hat. Genauer gesagt war es weniger als die Hälfte der Katalanen. Doch das katalanische Wahlrecht sorgt dafür, dass die Separatisten trotzdem die absolute Mehrheit der Sitze bekommen. Und diese Sitzmehrheit ist Artur Mas Auftrag genug.

Für den Wähler Jordi ist das kein Problem: "Bei Parlamentswahlen geht es doch ausschließlich um die Mehrheit der Sitze. Und da haben wir vier mehr als nötig. So können wir in aller Ruhe die Unabhängigkeit ansteuern. Da braucht es keine Mehrheit der Stimmen."

Artur Mas spricht zu seinen Anhängern und kündigt an, den Prozess der Abspaltung von Spanien fortzusetzen. | Bildquelle: REUTERS
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Artur Mas spricht zu seinen Anhängern und kündigt an, den Prozess der Abspaltung von Spanien fortzusetzen.

Auf schwierigen Koalitionspartner angewiesen

Was das Bündnis "Junts pel Si" von Mas allerdings braucht, ist ein Koalitionspartner - vermutlich die linke Separatistenpartei CUP. Sie ist ein schwieriger Partner. So machte sie schon klar, dass sie Mas nicht mehr als Ministerpräsidenten will. Er hat schwierige Gespräche vor sich: zunächst in Barcelona, später in Madrid.

"Das ist ein klarer Sieg für das Ja zur Unabhängigkeit", sagt eine Passantin und fügt hinzu: "Jetzt muss geredet werden. Wir wissen, dass Rajoy nicht verhandeln will. Aber angesichts dieses klaren Siegs müssen die doch miteinander reden."

Konservative: Mas ist gescheitert

In Madrid sieht man das freilich ganz anders. Die spanische Regierung werde bei den Forderungen nach einer Unabhängigkeit nicht nachgeben, so ein Sprecher der konservativen Volkspartei. Das Vorhaben von Artur Mas sei gescheitert.

Eine Bauchlandung erlebte allerdings die Volkspartei in Katalonien selbst: Sie fuhr hier ihr schlechtestes Ergebnis seit 23 Jahren ein. Ein Erfolg war die Wahl dagegen vor allem für die neue, liberale Partei Ciudadanos, die sich gegen eine Unabhängigkeit ausgesprochen hat. Sie konnte ihr Ergebnis von 2012 verdreifachen.

Binnen 18 Monaten will der katalanische Ministerpräsident jetzt die Unabhängigkeit in trockene Tücher bringen. Viele seiner Anhänger glauben, dass ihm das gelingen kann, trotz aller Hindernisse. Auch Antonio und Marta glauben das: "Wir sind ein kämpferisches Volk. Wir werden härter kämpfen und härter arbeiten, um ein neues Katalonien zu schaffen."

Parlamentswahlen stärken Unabhängigkeitsbewegung
Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Madrid
28.09.2015 03:27 Uhr

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alt Die spanische und katalanische Flagge vorm Sitz der Regionalregierung | Bildquelle: AFP

Kataloniens Streben nach Unabhängigkeit

Im Juni 2010 kassierte das Verfassungsgericht eine Charta für mehr Unabhängigkeit Kataloniens. Damit bekam die Unabhängigkeitsbewegung der spanischen Region Auftrieb. Die wurde dann durch die Finanzkrise und Sparmaßnahmen weiter verstärkt. In Katalonien wird ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet.

2012 lehnte die spanische Regierung in Madrid einen Pakt mit der katalonischen Regionalregierung ab, mit dem Katalonien finanziell besser gestellt worden wäre. Daraufhin begann Kataloniens Regionalpräsident Artur Mas offen für ein Unabhängigkeitsreferendum zu kämpfen.

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