Karadzic während der Verurteilung. | Bildquelle: AP

Prozess wegen Kriegsverbrechen Karadzic wegen Völkermordes verurteilt

Stand: 24.03.2016 16:28 Uhr

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat den früheren bosnischen Serbenführer Karadzic wegen Völkermordes zu 40 Jahren Haft verurteilt. Die Richter sprachen den 70-Jährigen in zehn der elf Anklagepunkte für schuldig. Am schwersten wiegt seine Schuld für das Massaker von Srebrenica. Er kündigte Berufung an.

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist vom UN-Kriegsverbrechertribunal wegen des Massakers von Srebrenica 1995 verurteilt worden. Der 70-Jährige wurde zu 40 Jahren Haft verurteilt. Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bewertete die Vorfälle in Srebrenica als Völkermord. Bei dem Massaker waren fast 8000 bosnische Muslime getötet worden. Die Tat in Srebrenica gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Das Gericht befand Karadzic in zehn der elf Anklagepunkten für schuldig - unter anderem wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Karadzic gilt als Hauptverantwortlicher für serbische Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg der 1990er-Jahre. Er verfolgte die Urteilsverlesung des Richters O-Gon Kwon mit skeptischer Miene. Inzwischen wurde angekündigt, dass er in Berufung gehen wird.

Vor dem Gebäude des UN-Kriegsverbrechertribunals versammelten sich Dutzende Menschen zu einer Mahnwache. Darunter waren auch ehemalige Gefangene serbischer Lager und Bürger belagerter bosnischer Städte.

"Große Symbolkraft"

Der UN-Menschenrechtskommissar begrüßte die Verurteilung: "Dieses Urteil ist eine kräftige Manifestation des unerbittlichen Bekenntnisses der internationalen Gemeinschaft, Täter zur Verantwortung zu ziehen", erklärte Said Raad al-Hussein in Genf. Die Entscheidung des Gerichts sei von großer Symbolkraft insbesondere für die Opfer der Kriege im einstigen Jugoslawien, aber auch für Opfer derartiger Verbrechen in anderen Teilen der Welt, erklärte Al-Hussein. Sie zeige den Tätern, dass sie der Gerechtigkeit nicht entgehen, egal für wie mächtig oder unberührbar sie sich halten mögen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem "historischen Tag für die internationale Strafjustiz". Das Urteil sei "eine starke Botschaft an alle in verantwortlichen Positionen, dass sie für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden".

Karadzic in Den Haag verurteilt
tagesschau 20:00 Uhr, 24.03.2016, Arnim Stauth, ARD Brüssel

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Jahrelang untergetaucht

Nach Kriegsende war Karadzic jahrelang als Dr. Dragan Dabic untergetaucht und 2008 in Belgrad verhaftet worden. Ein Jahr darauf wurde in Den Haag der Prozess gegen ihn eröffnet. Karadzic bezeichnete sich während der Verhandlung als unschuldig.

Zahlreiche Opfer des Bosnien-Krieges hatten während des Prozesses die Höchststrafe für Karadzic und die Anerkennung seiner Taten als Völkermord gefordert.

Während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 wurden mehr als 100.000 Menschen getötet und mehr als 2,2 Millionen in die Flucht getrieben.

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