Bewaffnete Soldaten kontrollieren eine Kreuzung in Simbabwes Hauptstadt Harare.  | Bildquelle: AFP

Machtkampf um Mugabes Erbe Wer gegen wen in Simbabwe?

Stand: 15.11.2017 17:34 Uhr

Panzer vor dem Parlament, Militär in den Straßen: In Simbabwe ist der Machtkampf um die Nachfolge des 93-jährigen Präsidenten Robert Mugabe eskaliert. Im Mittelpunkt stehen seine Frau Grace und sein ehemaliger Mitstreiter Emmerson Mnangagwa.

Von Joana Jäschke, SWR

Seit 37 Jahren regiert Robert Mugabe Simbabwe mit harter Hand. Doch seine politische Bilanz ist desaströs: Die einstige "Kornkammer" Afrikas ist unter seiner Herrschaft heruntergewirtschaftet, die Bevölkerung immer mehr verarmt. Lebensmittel sind Mangelware, die Arbeitslosigkeit liegt bei 90 Prozent. 70 Prozent der Menschen leben unter der Armutsgrenze.

Robert und Grace Mugabe | Bildquelle: AFP
galerie

Präsident und First Lady: Robert und Grace Mugabe, genannt "Gucci Grace"

Millionen Simbabwer haben ihr Land bereits in Richtung Südafrika verlassen. Und doch denkt Robert Mugabe nicht ans Aufgeben. Er ist mittlerweile 93 Jahre alt und damit der älteste regierende Staatschef der Welt - dennoch will er bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr erneut kandidieren. "Nur Gott wird mich abwählen können", soll er in der Vergangenheit gesagt haben.

Unmut über "Gucci Grace"

Doch hinter den Kulissen tobt schon seit Jahren ein erbitterter Machtkampf. Mittendrin: Mugabes Ehefrau Grace, die sich in der Vergangenheit immer stärker in Stellung für seine Nachfolge gebracht hat.

Sie ist die wohl umstrittenste Frau in ganz Simbabwe. "Gucci Grace" ist ihr Spitzname - denn während die meisten Simbabwer von weniger als zwei Dollar am Tag leben müssen, gehen sie und ihre Söhne gern auf ausgedehnte Shoppingtouren, kaufen für Millionen Dollar Luxuskarossen und Diamanten.

Weggefährte entmachtet

Großen Rückhalt in der Bevölkerung hat sie also nicht. Und auch in der Regierungspartei Zanu PF sähen viele lieber Mugabes bisherigen Stellvertreter Emmerson Mnangagwa als Nachfolger an der Spitze Simbabwes.

Den räumte Mugabe vergangene Woche kurzerhand aus dem Weg: Er feuerte ihn wegen "Illoyalität, Respektlosigkeit und Verlogenheit". Mnangagwa ist einer der ältesten Mitstreiter Mugabes, Mitgründer der Regierungspartei Zanu PF, in jungen Jahren hatten sie gemeinsam gegen die Kolonialmacht Großbritannien gekämpft. 

Emmerson Mnangagwa | Bildquelle: AP
galerie

Gefeuert: Emmerson Mnangagwa, langjähriger Kampfgefährte Robert Mugabes

Doch bei seinem Stellvertreter hat sich Mugabe offenbar verrechnet: Emmerson Mnangagwa hatte gute Beziehungen zur Armee. Lange Jahre war er Chef des militärischen Flügels der Partei. Er genießt auch die Unterstützung der Kriegsveteranen.

Nun sei er Mugabe ein zu mächtiger Konkurrent geworden, erklärt Julia Grauvogel vom GIGA Institut für Afrika-Studien. "Das konnten wir in den vergangenen Jahren immer wieder beobachten: Alle, die sich für eine mögliche Nachfolge in Stellung gebracht haben, wurden gegangen."

Dass das Militär den Präsidenten nun festgesetzt hat, dürfte auch als Reaktion auf den Machthunger der Mugabes gedeutet werden. "Aus dem Militär hieß es, dass sie nur einen Kämpfer der 'Revolution' als Parteichef dulden würden", erklärt Afrika-Expertin Grauvogel. Grace Mugabe gehört nicht dazu. Sie war vor der Ehe mit Mugabe Sekretärin.

Wie geht es weiter?

"Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität", lässt das Militär über das staatliche Fernsehen verlauten. Wie diese Normalität aussehen soll, ist aber derzeit völlig unklar. "Es kann sein, dass es dem Militär gereicht hat, die Dynastie Mugabe zu durchbrechen", sagt Julia Grauvogel. "In diesem Fall wäre es sogar denkbar, dass Mugabe als symbolische Figur an der Staatsspitze bleibt, während andere die Geschicke lenken." Am Ende sei es aber ein Blick in die Kristallkugel. 

Melanie Müller von der Stiftung Wissenschaft und Politik hält es für wahrscheinlicher, dass der geschasste Vizepräsident Mnangagwa mit der Unterstützung des Militärs seine Position ausbauen wird. Letztendlich müsse die Partei Zanu PF einen neuen Kandidaten für die Nachfolge bestimmen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. November 2017 um 20:00 Uhr.

Darstellung: