Eine alte Frau zeigt ein schwarz-weiß Foto mit einem Mann und einem Kind. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Israel öffnet Archive Die verschwundenen jemenitischen Kinder

Stand: 28.12.2016 14:57 Uhr

Kein Begräbnis, keine Leichen: Tausende Kinder jemenitischer Einwanderer sind in den 50er-Jahren in Israel verschwunden. Die Familien glauben, sie wurden geraubt. Jetzt machte Israel rund 200.000 bisher geheime Dokumente online zugänglich.

Der Skandal beschäftigt Israel seit Jahrzehnten: Kurz nach ihrer Ankunft im jüdischen Staat sind in den 50er-Jahren Tausende Kinder jemenitischer Einwanderer verschwunden. Israel öffnete jetzt seine Archive und machte bisher geheime 200.000 Dokumente in dem Fall der Öffentlichkeit erstmals online zugänglich.

Der zuständige Minister Zachi Hanegbi sprach von einem "sehr wichtigen Tag". Gleichzeitig sei es traurig, "dass wir es hier mit einem sozialen Trauma zu tun haben, das so viele Familien verfolgt". Er hoffe darauf, dass die "totale Transparenz" es den Familien ermöglichen werde, den "Kreislauf der Ungewissheit und des Leids" zu durchbrechen, so Hanegbi weiter.

Kinder an andere Familien weitergegeben?

In den 50er-Jahren waren rund 50.000 Juden aus dem Jemen in den jungen Staat Israel eingewandert. Viele kamen in provisorische Aufnahmelager. In der Zeit verschwanden zahlreiche Babys und Kleinkinder - und viele jemenitische Juden warfen den israelischen Behörden vor, sie gezielt an kinderlose Juden aus Europa weitergegeben zu haben.

Ein eigenes Bild machen

Laut Hanegbi konnten Untersuchungen den Vorwurf eines "organisierten Diebstahls" durch die Behörden nicht untermauern. Doch die Tatsache, dass Tausende Kinder verschwanden, bleibe bestehen. "Es gab kein Begräbnis, es gab keine Leiche."

Eine Untersuchungskommission sei zwar zur Überzeugung gelangt, die meisten der Kinder seien im Krankenhaus gestorben. Dies sei jedoch eine "problematische Schlussfolgerung". Durch die Öffnung der Archive könne sich jeder Einzelne nun sein eigenes Bild machen. Hanegbi rief auch zur Einrichtung einer genetischen Datenbank auf, damit mögliche Angehörige sich gegenseitig finden könnten.

Darstellung: