Ein Lager für vorm Bürgerkrieg geflüchtete Jemeniten nahe der Hauptstadt Sanaa | Bildquelle: REUTERS

UN-Geberkonferenz für den Jemen "Warum lässt man uns nicht leben?"

Stand: 25.04.2017 12:59 Uhr

Ein Ende des Bürgerkriegs im Jemen ist nicht absehbar, und das Leid der Bevölkerung ist riesig. Mehr als 7700 Menschen wurden bereits getötet, 17 Millionen hungern. In Genf findet nun eine UN-Geberkonferenz statt.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Yasser al-Hibschi wurde bei einem Angriff saudischer Kampfjets schwer verletzt. In einem Krankenhaus in der Hauptstadt Sanaa kämpften die Ärzte um sein Leben. Erst fünf Tage nach dem Angriff versuchte man, ihm schonend beizubringen, was geschehen war. "Ein Nachbar sei getötet worden", hätte man ihm gesagt, so al-Hibschi. "Dann hieß es, auch ein weiterer Nachbar habe den Angriff nicht überlebt. Was ist mit meinen Kindern, fragte ich. Sie seien tot, war die Antwort. Alle drei? Alle drei."

Die UN-Geberkonferenz für den Jemen am Sitz der Vereinten Nationen in Genf | Bildquelle: AP
galerie

Eindringlicher Appell auf der UN-Geberkonferenz für den Jemen

Seit über zwei Jahren fliegt eine sunnitische Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens Luftangriffe gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen. Denen war es zuvor gelungen, Teile des Landes zu erobern, unter anderem die Hauptstadt.

Es ist ein brutaler Krieg, der Yasser al-Hibschi ins Elend stürzte: "15 Jahre lang hatte ich eine gesicherte Existenz, mit Kindern, die zur Schule gingen, mit einem Haus, einem Auto und einem Geschäft. Das alles ist jetzt vorbei. Und ich kann nicht mal mehr für meinen eigenen Unterhalt sorgen."

Jemen-Geberkonferenz: UN kündigt neues Hilfspaket an
tagesschau 15:00 Uhr, 25.04.2017, Wolgang Wanner, ARD Genf

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

UN-Geberkonferenz für den Jemen

Bei dem Treffen in Genf hat UN-Generalsekretär António Guterres die Staatengemeinschaft erneut eindringlich zu Spenden aufgefordert. Andernfalls werde die Weltgemeinschaft Zeuge, wie eine ganze Generation von Kindern hungere und bleibende Schäden davontrage. Etwa 17 Millionen Menschen im Jemen hätten nicht genug zu essen, insgesamt 19 Millionen Jemeniten seien auf Nothilfe angewiesen - fast zwei Drittel der Bevölkerung.
Die UN und ihre Partnerorganisationen brauchen laut Guterres 2,1 Milliarden US-Dollar, um die Bedürftigen in diesem Jahr mit
Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten, Unterkünften und anderen Hilfsgütern zu versorgen. Seit dem Spendenaufruf zum Jahreswechsel seien davon aber nur 15 Prozent eingetroffen.
Deutschland erhöhte in Genf seine humanitäre Hilfe für das Bürgerkriegsland um knapp 17 Millionen Euro auf insgesamt 50 Millionen. Zusätzlich fördert Berlin die Entwicklungszusammenarbeit mit 55 Millionen Euro.

Zerstörung und Hungertod sind Alltag

Ein von akuter Unterernährung gezeichnetes Kind in einem Krankenhaus in Sanaa | Bildquelle: REUTERS
galerie

Ein von akuter Unterernährung gezeichnetes Kind in einem Krankenhaus in Sanaa.

Mehr als 7700 Menschen wurden nach UN-Angaben in dem Krieg bislang getötet. Die Versorgung ist zusammengebrochen. Millionen Kinder leiden unter lebensbedrohlicher Mangelernährung. In der Al-Sabeen-Kinderklinik von Sanaa versuchen Mediziner, das Leben der Tochter von Abdallah Hamoud zu retten. "Zerstörung und Hungertod sind der Alltag im Jemen", berichtet dieser. "Mein Kind stirbt vor meinen Augen. Warum lässt man uns nicht leben?"

Es fehlten im Land vor allem Lebensmittel und Medikamente - also Güter, die überwiegend importiert werden müssten, sagt Karl Schembri vom norwegischen Flüchtlingsrat bei einem Besuch in Sanaa. "Über 18,5 Millionen Jemeniten sind auf Nothilfe angewiesen", erzählt er weiter. "Die Menschen wurden zuerst bei Luftangriffen getötet oder verletzt, und jetzt sterben sie auch noch den Hungertod."

Huthi-Regierung: Wir werden nicht aufgeben

Am 26. März protestierten in der von Huthi-Milizen kontrollierten Hauptstadt Hunderttausende gegen die Angriffe. Auf den Tag genau vor zwei Jahren hatte der von Saudi-Arabien angeführte Luftkrieg begonnen. "Wir bestreiten nicht, dass das ganze Land zerstört wurde", sagt Ahmed al-Qana, ein Minister der Huthi-Regierung. "Aber wir werden deswegen nicht aufgeben. Wir kämpfen für unser Land und unsere Ehre. Und wir werden den Krieg gewinnen."

Am selben Tag wurde in der Hafenstadt Aden gefeiert. Hier residiert seit ihrer Vertreibung aus der Hauptstadt die international anerkannte Regierung des Jemen. Der stellvertretende Gouverneur der Provinz Aden, Adnan Alkaf, ist optimistisch: "Wir feiern heute, um der Koalition dafür zu danken, dass sie uns dabei hilft, die Huthi-Milizen zu besiegen."

Offenbar ist keine der beiden Seiten bereit, Kompromisse einzugehen. Alle Vermittlungsbemühungen der Vereinten Nationen blieben bislang erfolglos. In dieser fast ausweglosen Lage ist es Hilfe aus dem Ausland, die die Menschen jetzt besonders dringend brauchen.

Bürgerkrieg im Jemen

Der Jemen gilt als das Armenhaus der Arabischen Halbinsel. Er gehört weltweit zu den Ländern, die am stärksten auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sind. 2015 rebellierten die schiitische, politisch-militärische Bewegung der Huthi gegen die sunnitische Regierung.
Die Huthis übernahmen die Kontrolle in der Hauptstadt Sanaa und kontrollieren auch große Teile des Nordwesten Jemens, wo ihre Hauptsiedlungsgebiete liegen. Die USA beschuldigen den Iran, die Huthi-Rebellen zu unterstützen, was Teheran bestreitet. Die international anerkannte jemenitische Regierung von Präsident Abed Rabboo Mansur Hadi floh in die südjemenitische Hafenstadt Aden.
Im März 2015 startete eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz Luftangriffe auf die Huthis. Der Allianz gehören neben Saudi-Arabien auch Ägypten, Bahrain, Katar, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien, Marokko, Sudan und Senegal an. Logistische Unterstützung leisten die USA, Frankreich und Großbritannien.
Bei den Luftangriffen wurden immer wieder auch zivile Ziele wie Krankenhäuser, Schulen und Wohngebiete getroffen. Es gibt daher immer wieder Vorwürfe von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ein UN-Mandat für ihre Angriffe hat die Allianz nicht.
In dem seit zwei Jahre tobenden Bürgerkrieg sind nach UN-Angaben bereits mehr als 7700 Menschen getötet und über drei Millionen im eigenen Land vertrieben worden.

Vor der Geberkonferenz: Der Krieg stürzt Jemen immer tiefer ins Elend
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
25.04.2017 12:07 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. April 2017 um 11:00 Uhr.

Korrespondent

Jürgen Stryjak Logo SWR

Jürgen Stryjak, SWR

Darstellung: