Saudisch geführte Militärkoalition im Jemen | Bildquelle: NAJEEB ALMAHBOOBI/EPA-EFE/REX/Sh

Krieg im Jemen Offensive auf entscheidenden Hafen

Stand: 13.06.2018 12:25 Uhr

Es könnte die Wende im Jemen bringen: Die saudisch geführte Militärkoalition hat ihre Offensive auf die Huthis im Hafen Hodeida begonnen. Hilfsorganisationen warnen vor einer Katastrophe.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

Der Hafen gilt als Nadelöhr für Nahrungsmittel, Medikamente, Benzin: Etwa 70 Prozent aller Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung werden über Hodeida abgewickelt. Sieben Millionen Menschen sind auf diese Hilfe angewiesen. Mit Beginn der Offensive könnten sich Not und Hunger in dem krisengeschüttelten Land drastisch verschärfen, wie die Vereinten Nationen befürchten. Zudem drohe eine neue Fluchtwelle.

Das alles nimmt die Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens allerdings in Kauf, um einen womöglich entscheidenden strategischen Vorteil im Krieg gegen die Huthi-Rebellen zu erreichen. Denn über den Hafen wird nicht nur die Bevölkerung versorgt - die Rebellen verdienen über Zölle und Steuern dort angeblich etwa 25 Millionen Euro pro Monat.

Auch ein Teil des Waffenschmuggels soll über Hodeida abgewickelt werden. Die Rebellen werden angeblich vom Iran mit Waffen unterstützt, dem Erzfeind Saudi-Arabiens. Seit 2013 kontrollieren die Huthis den Hafen. Ihn zu verlieren, wäre für sie ein herber Rückschlag.

Saudisch geführte Militärkoalition im Jemen | Bildquelle: NAJEEB ALMAHBOOBI/EPA-EFE/REX/Sh
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Die saudisch geführte Koalition ist den Huthis bei Hobeida mindestens zahlenmäßig weit überlegen.

Analysten erwarten schnelles Vorrücken

Die Chancen der Militärkoalition stehen gut, über flaches Gelände und Sandwüste schnell auf Hodeida vorzurücken. Schätzungsweise 22.000 lokale Kämpfer stehen etwa 5000 Huthis gegenüber. Diese sind zwar kampferprobt, gelten als hochmotiviert und agieren in kleinen, schlagkräftigen Einheiten. In Hodeida allerdings sind sie nicht verwurzelt, die Einwohner sehen in ihnen eher Eindringlinge. Die vorrückenden Kämpfer dagegen stammen aus der Region, wurden von den Vereinigten Arabischen Emiraten mit modernen Kampfpanzern, Waffen und Drohnen ausgestattet.

Politische Analysten wie Alexandre Mello von der Beratungsfirma Horizon gehen deshalb von einem schnellen Vorrücken der von der Militärkoalition unterstützten Einheiten vor, womöglich unterstützt von saudischen Kampfjets.

In der Hafenstadt droht ein Häuserkampf

Die Hafenstadt selbst einzunehmen, könnte aber sehr viel mühsamer und verlustreich werden. Mello geht von etwa vier Wochen aus. Hodeida ist dicht besiedelt: 400.000 Einwohner sollen sich noch in der Stadt befinden, viele sind bereits geflohen. Es droht ein Häuserkampf. Das Risiko, dass bei den Kämpfen viele Zivilisten zu Tode kommen, ist erheblich. Auch deshalb warnen die UN eindringlich vor der Offensive.

Die von Saudi-Arabien unterstützte Exilregierung allerdings will nicht länger warten. Alle politischen Mittel seien erschöpft, eine Frist zum Abzug der Rebellen sei am Morgen ausgelaufen. Angeblich warf die Militärkoalition auch schon Flugblätter mit Angriffswarnungen an die Bevölkerung ab.

Kontrolle über den Golf von Aden

Fällt ihr der Hafen zu, würden die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien auch wieder den strategisch enorm wichtigen Golf von Aden kontrollieren. Über ihn laufen europäische Schiffe die Häfen von Dubai und Abu Dhabi an. Analyst Mello glaubt, dass die Hafenanlagen schnell wieder in Betrieb gesetzt werden könnten. Dann läge die Versorgung der Bevölkerung in den Händen der Militärkoalition.

10.000 Menschen sind seit Beginn des Krieges schon ums Leben gekommen, zwei Millionen wurden aus ihren Häusern vertrieben. Viele fürchten, dass Not und Hunger mit der Schlacht um Hodeida eher zunehmen, sich das Leid verlängert, die Schwächsten in dem Krieg einmal mehr am meisten leiden müssen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Nachrichten am 13. Juni 2018 um 13:39 Uhr.

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