IWF- und Weltbank-Treffen in Lima | Bildquelle: AFP

Treffen von Weltbank und IWF Mehr Geld für Flüchtlinge

Stand: 10.10.2015 05:15 Uhr

Die Liste mit Problemen ist lang auf dem Treffen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Lima. Auch die Flüchtlingskrise steht auf der Agenda. Dass ganze Bevölkerungsschichten ihre Heimatländer verlassen, beschäftigt die Konferenzteilnehmer.

Von Bettina Meier, HR, HR-Hörfunkstudio Brüssel, zzt. Lima

Aufgeregte Stimmen dringen aus dem Pressesaal des Konferenzzentrums in Lima. Eine Gruppe Politiker diskutiert in Arabisch und Englisch: "Wir müssen an jeder Tür klopfen, wir müssen alles versuchen" - der jordanische Minister für Planung und internationale Kooperation, Imad Fakhoury, redet auf seine Kollegen ein, darunter der irakische, libanesische und der jordanische Finanzminister. Sie sind nach Lima gekommen, um auf die die Flüchtlingsproblematik aufmerksam zu machen und die Belastung, die ihre Länder zu tragen haben.

Irak mag "Mama Merkel"

 "Deutschland hat ein großes Herz, es hat all diese Flüchtlinge aufgenommen. Merkel ist im Irak sehr sehr beliebt, wir nennen sie Mama Merkel", sagt Iraks Finanzminister Hoshyar Zibari. Während er nicht weiß, wie er die Abwanderung junger Leute aus seinem Land stoppen soll, bekommt Jordanien den Flüchtlingsansturm kaum noch in den Griff: "Wir haben einen Sättigungspunkt erreicht, sagt der jordanische Minister Fakhoury. "Der Anteil der Flüchtlinge macht jetzt 20 Prozent unserer eigenen Bevölkerung aus. 1,4 Millionen Syrer sind in Jordanien. Das ist so, als würden 17 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland kommen oder 100 Millionen in die EU. Es ist ein dringliches Problem."

Jordanien kommt an seine Belastungsgrenze

Christine Lagarde auf IWF- und Weltbank-Treffen in Lima | Bildquelle: REUTERS
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IWF-Chefin Christine Lagarde will den aufnehmenden Ländern mehr finanziellen Spielraum geben.

Seit fünf Jahren hat Jordanien mit den Auswirkungen des Syrien-Kriegs zu tun, so Fakhoury. Mit jedem Monat wird die Lage brenzliger. Nur acht Prozent der Flüchtlinge in Jordanien leben in einem Auffanglager, der Rest lebt auf der Straße, so der Planungsminister. Er hofft auf mehr finanzielle Unterstützung: "Wir sagen zur internationalen Gemeinschaft hier in Lima, helft uns, damit die humanitäre Lage nicht weiter eskaliert. Das sind keine Kosten sondern Investitionen, so können wir unsere Grenzen offen halten und verhindern, dass mehr Flüchtlinge nach Europa kommen."

IWF verspricht mehr Geld

Obwohl bereits humanitäre Hilfsprogramme laufen, gehört Jordanien zu den Ländern mit mittleren Einkommen, deshalb seien Kredite der Weltbank und des IWF für das Land teurer als in Ländern mit niedrigeren Pro-Kopf-Einkommen, klagt Fakhoury. IWF-Chefin Christine Lagarde hat das Problem erkannt: "Wir wollen Ländern, mit denen wir kooperieren und die die Hauptlast des Flüchtlingsansturms tragen mehr Finanzierungsspielraum geben", verspricht sie.

Weltbank-Chef fühlt mit Flüchtlingen

Weltbankchef Jim Yong Kim  auf dem IWF- und Weltbank-Treffen in Lima | Bildquelle: AP
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Weltbankchef Jim Yong Kim sieht sich selbst als ehemaligen "Wirtschaftsflüchtling".

Auch Weltbankchef Jim Yong Kim schaltet sich in Lima in die Debatte ein: "Ich war 1964 selbst Wirtschaftsflüchtling. Ich verstehe die Sicht derer, die fliehen. Wir waren damals eine Familie, die Hunderttausende, die jetzt kommen, sind eine Herausforderung", so Kim. Er schlägt Anleihen für Staaten vor, die rund um die Krisengebiete Menschen aufnehmen. Andere Länder, zum Beispiel in Europa, könnten in diese Anleihen investieren. Mit den Gewinnen könne man Infrastrukturen und Jobs für Flüchtlinge und Bürger schaffen, so Kim.

"Machen wir uns nichts vor, sagt der jordanische Minister Fakhoury. "Die Flüchtlingskrise in Syrien wird uns noch mindestens zehn Jahre beschäftigen. Es wird schlimmer werden, bevor es besser wird", sagt er. Dann eilt er davon, es gibt noch viele Hände zu schütteln auf dem Treffen des Internationalen Währungsfonds in Peru.

IWF berät in Lima über Flüchtlingskrise
B. Meier, HR Brüssel
10.10.2015 05:15 Uhr

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