Postfiliale in Italien | Bildquelle: picture alliance / ROPI

Italiens Post soll an die Börse Milliarden für den klammen Staat

Stand: 12.10.2015 15:13 Uhr

Wer in Italien in einer Post Briefmarken kaufen möchte, geht oft leer aus. Längst ist die staatliche Post mehr als nur Briefzusteller und Paketdienst. Jetzt soll sie an die Börse und dem Staat viel Geld einbringen.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Die italienische Post ist mehr als nur Briefzusteller und Paketdienst. Die "Poste Italiane" sind vor allem ein wichtiger Finanzdienstleister und sie haben 6,2 Millionen Bankkonten und 12,2 Millionen Sparkonten. Die Einlagen belaufen sich auf mehr als 350 Milliarden Euro. Regelmäßig bilden sich lange Schlangen vor den Postschaltern, weil viele Italiener ihre Stromrechnung, ihre Steuer oder Strafzettel über die Post bezahlen und mit den Überweisungsscheinen nach wie vor persönlich in der Filiale erscheinen.

"Briefmarken haben wir nicht mehr"

Das klassische  Kerngeschäft wird dabei vernachlässigt: "Wie lange ein Brief in Italien von A nach B braucht, ist immer noch unkalkulierbar. Wer eine Postfiliale betritt, mit dem einfachen Wunsch, Briefmarken zu kaufen, muss oft unverrichteter Dinge abziehen: "Briefmarken haben wir nicht mehr."

Stattdessen engagiert sich die Post im Mobilfunk und  im Versicherungswesen und spielt auch manchmal Feuerwehr:  Als die Fluggesellschaft Alitalia kurz vor dem Aus stand, investierte die Post (auf Weisung der Politik) und rettete so das Unternehmen.

Börsengang soll 3,7 Milliarden Euro einbringen

Der staatliche Einfluss bei dem mit 143.000 Angestellten größten Arbeitgeber im Land bleibt vorerst bestehen. Auch nach dem Börsengang sollen mehr als 60 Prozent der Post-Anteile in Staatsbesitz bleiben. Die Teilprivatisierung soll bis zu 3,7 Milliarden Euro einbringen. Damit will die italienische Regierung Staatsschulden abbauen. Bis zum 22. Oktober können Aktien gezeichnet werden. Der Ausgabepreis soll zwischen sechs und 7,50 Euro liegen.

Teilprivatisierung der italienischen Post
T. Kleinjung, ARD Rom
12.10.2015 14:52 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 12. Oktober 2015 um 12:36 Uhr auf Inforadio.

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