Polizeieinsatz zum Attentat in Macerata, Italien | Bildquelle: REUTERS

Schüsse auf Ausländer in Italien Motiv: Fremdenhass

Stand: 04.02.2018 09:05 Uhr

Eine klare Verbindung zum Faschismus: So lautet die Einschätzung des italienischen Innenministers Minniti über den Mann, der gestern in der Stadt Macerata auf mehrere Ausländer geschossen hatte.

Schüsse auf mehrere Migranten haben Italien mitten im Wahlkampf erschüttert. Der Mann, der am Samstag auf sechs Schwarze feuerte, habe "offensichtlich" aus Fremdenhass gehandelt, sagte der italienische Innenminister Marco Minniti. Die Tat versetzte die Stadt Macerata in einen Ausnahmezustand: Die Bürger sollten Häuser, Büros und Schulen nicht verlassen.

Verdächtigt und festgenommen wurde ein 28-jähriger Italiener. Er soll alleine gehandelt, seine Tat aber geplant haben, wie Minniti sagte. Der Verdächtige habe einen "rechtsextremistischen Hintergrund mit klaren Bezügen zum Faschismus und zum Nazismus".

Festnahme vor Denkmal

Nach Medienberichten wurde der Mann gefasst, als er einen faschistischen Gruß vor einem Denkmal für gefallene Soldaten zeigte. Er habe sich in eine italienische Flagge gehüllt. Bei seiner Festnahme soll der Mann keinen Widerstand geleistet haben. In seinem Auto fanden die Carabinieri den Berichten zufolge die mutmaßliche Tatwaffe, eine Pistole.

Die Nachrichtenagentur Ansa meldete, der mutmaßliche Schütze habe bei Kommunalwahlen im vergangenen Jahr für die rechtsextreme Partei Lega Nord kandidiert und nicht gewonnen. Ein Parteisprecher konnte die Verbindung zunächst nicht bestätigen.

Lage in der Stadt seit Tagen angespannt

Die Stimmung in Macerata war schon seit Tagen angespannt. Der grausame Mord an einer 18-Jährigen hatte die Stadt erschüttert - die Leiche des Mädchens war zerstückelt in zwei Koffern gefunden worden. Verdächtigt wird ein Mann aus Nigeria, der mit Drogen gehandelt haben soll. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Italienische Medien berichten über die Vermutung, der Vorfall am Samstag sei eine Reaktion auf den Mord gewesen. Eine direkte Verbindung zwischen dem mutmaßlichen Täter und der Toten soll es aber nicht gegeben haben.

Schüsse mitten im Wahlkampf

Vor der Parlamentswahl am 4. März ist die politische Stimmung in Italien aufgeheizt. Dominierendes Thema ist die Migrationspolitik. Mit klaren Positionen gegen Einwanderung bekamen rechte Parteien wie die Lega Nord in den vergangenen Monaten Aufwind.

Regierungschef Paolo Gentiloni appellierte an die Vernunft aller Parteien im Wahlkampf und rief die Italiener auf, dem Risiko einer Gewaltspirale entgegenzuwirken. "Leider verheißt das Klima des Hasses, das vor der Wahl im Land zirkuliert, nichts Gutes", sagte der Präsident von Amnesty International in Italien, Antonio Marchesi.

Der Anti-Mafia-Schriftsteller Roberto Saviano kritisierte die Aufrufe von Politikern wie Ex-Ministerpräsident Matteo Renzi oder dem Spitzenkandidaten der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, Ruhe zu bewahren. Vielmehr müsse beim Namen genannt werden, was passiert sei: "ein terroristischer Akt".

Pistole im Auto des mutmaßlichen Täters von Macerata | Bildquelle: AFP
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Pistole im Auto des mutmaßlichen Täters von Macerata

Italiener schießt aus Auto auf Ausländer
T. Forchheimer, ARD Rom
03.02.2018 19:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Februar 2018 um 09:00 Uhr.

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