Gerichtsakte | Bildquelle: picture alliance / dpa

Urteile in Mafia-Prozess erwartet Das Ende für "Roms Krake"?

Stand: 20.07.2017 12:12 Uhr

Egal ob Straßenbau oder Müllbeseitigung - jahrelang konnte die "Mafia Capitale" in Rom lukrative öffentliche Aufträge einstreichen, indem sie Beamte schmierte. Vor drei Jahren flog das Netzwerk auf, 46 Verdächtige wurden angeklagt. Heute sollen die Urteile fallen.

Von Markus Epping, ARD-Studio Rom

Die Mafia in Zusammenarbeit mit Politikern und öffentlichen Angestellten: Das kannte man aus Süditalien, Neapel, Sizilien, Kalabrien. Und so war es ein kleiner Schock, als vor knapp drei Jahren das Mafia-Netzwerk von Rom aufflog: Die Mafia Capitale.

Von der Stadt habe die Mafia beispielsweise die Instandhaltung der Fahrradwege übertragen bekommen, berichtet Federica Angeli, eine Enthüllungsjournalistin der römischen Tageszeitung "La Repubblica". "Das Grünflächenamt vertraute ihnen die historischen Parkanlagen Roms an. Sie haben alles verschlungen. Alles, was Geld war."

Stadtansicht von Rom | Bildquelle: picture alliance / Uta Poss
galerie

Rom - das Aktionsfeld der "Mafia Capitale"

Angelis Recherchen hatten dazu beigetragen, das Mafia-Netzwerk in Rom auffliegen zu lassen. Jahrelang sollen Kriminelle mit Politikern und städtischen Angestellten gemeinsame Sache gemacht haben. Das System dahinter war simpel - und es ging immer auf Kosten der Stadt: "Das durchgehende Prinzip war, dass ein Beamter der Stadt Schmiergeld bekam und dafür im Gegenzug öffentliche Millionenaufträge verteilte", so Angeli.

Echte Ausschreibungen gab es nicht

Über Jahre soll die Stadt Rom auf diese Weise ihre Aufträge praktisch immer an dieselben Leute vergeben haben. Leute, die alle vernetzt waren mit dem großen Mafia-Clan im Hintergrund. Echte, freie Ausschreibungen gab es nicht. Die städtischen Beamten konnten sich Schmiergeld einstecken, die Kriminellen bekommen das Steuergeld. Bereichert haben sich beide: "Dank der Hilfe des Ex-Müllabfuhr-Chefs haben sie Aufträge für die Grünflächen und für die Müllentsorgung bekommen", so die Journalistin. "Dank der Verbindungen zu diversen Bürgermeistern bekamen sie sogar Aufträge, Flüchtlingsunterkünfte zu eröffnen."

Gerichtsakten | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Bei Prozessbeginn im November 2015 wurde große Mengen von Akten ins Gericht gebracht.

Die römische Justiz handelte vergleichsweise schnell. 46 Verdächtige wurden angeklagt. Heute sollen die Urteile fallen. Die Staatsanwaltschaft hatte hohe Haftstrafen gefordert, sie will die Männer bis zu 28 Jahre im Gefängnis sehen. Die zwei Hauptangeklagten sind bekannte Größen der Unterwelt: Massimo Carminati, genannt der Einäugige und Salvatore Buzzi. 

Roms Sonderbeauftragter für die Aufklärung der Vorwürfe beschrieb die beiden einst so: "Die Mafia Capitale bildet man, wenn man zwei Gruppen zusammentut: Die Gruppe um Buzzi, die für die Korruption zuständig ist. Und die Gruppe Carminati, die für Drohungen und Einschüchterungen steht. Beides zusammen ergibt Mafia Capitale."

Hoffnung, dass sich was ändert

Festnahme von Massima Carmina | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Festnahme von Massimo Carminati

In die Machenschaften von Mafia Capitale waren naturgemäß auch viele Politiker verstrickt. Unter den Angeklagten sind zwei ehemalige Ratsleute. Auch Roms früherer rechtspopulistischer Bürgermeister Gianni Alemanno soll mitgemacht haben. Die Journalistin Angeli sagt, dass auch Wegsehen Mittäterschaft sein könne. Wenn man die Augen davor verschließe, was eigentlich alle sehen und wissen.

Dass Rom heute eine Bürgermeisterin der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung hat, hat auch mit Mafia Capitale zu tun. Damit, dass die etablierten Parteien in der Stadt Vertrauen verloren haben. Für Angeli ist der Prozess gegen das Mafia-Netzwerk ein Grund zur Hoffnung, dass sich was ändert. Korruption und illegale Geschäftemacherei bleiben ihrer Ansicht nach aber weiter ein großes Problem in Rom. "Diese Ermittlungen haben nur an der Spitze eines Eisbergs gekratzt", sagt sie. "Denn auch wenn man nun den Hauptangeklagten verurteilt, so bleiben seine Anhänger ja aktiv - das sind viel mehr als die Angeklagten in diesem Prozess."

Urteile im großen Mafia-Prozess in Rom erwartet
Markus Epping, ARD Rom
20.07.2017 10:46 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 20. Juli 2017 Deutschlandfunk um 06:22 Uhr sowie MDR aktuell um 10:20 und 11:39 Uhr.

Darstellung: