Eingestürzte Häuser im italienischen Castelluccio di Norcia nach der Erdbebenserie. | Bildquelle: dpa

Erdbebenserie in Italien Angst vor Plünderern, Sorge um Tiere

Stand: 01.11.2016 17:31 Uhr

Einige Dörfer in Mittelitalien liegen nach der Serie von Erdbeben in Schutt. Wie soll es für die Bewohner nun weitergehen? Nach dem ersten Schock sorgen sich die Menschen jetzt um ihr Hab und Gut - und um ihre Landwirtschaft.

Von Nikolaus Nützel, ARD-Studio Rom

Weit über 1000 Erdstöße sind nach dem schweren Beben vom Sonntag gemessen worden, rund 20 davon hatten eine Stärke von mehr als vier und gelten damit als vergleichsweise kräftig. Und Fachleute befürchten, dass es noch eine ganze Zeit so weitergehen könnte.

Alberto Michelini vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie muss bei der Frage, wie es weitergeht, nicht lange nachdenken: "Die Antwort ist sehr einfach: Wir haben erst seit ein paar Tagen ein Erdbeben der Stärke 6,5 hinter uns, deswegen sind weitere Stöße zu erwarten, durchaus in einer Stärke zwischen 4 und 5 - aber wir können auch einen höheren Wert nicht ausschließen", sagt er.

Bewohner fordern Bewachung ihres Besitzes

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi ist in die Erdbebenregion gefahren, um sich selbst ein Bild von den Zerstörungen zu machen. Er wiederholt immer wieder, dass alles wieder aufgebaut werden soll - auch wenn viele Italiener diesem Versprechen nicht recht glauben mögen. Aber Renzi versucht, auch bei einem anderen Thema Zuversicht zu verbreiten: Der Staat werde alles tun, damit die Ortschaften, die jetzt geräumt worden sind, nicht zum Ziel von Räubern und Plünderern werden.

"Wir müssen auch mehr Sicherheitskräfte vor Ort bringen. Denn eine der Sorgen der Menschen ist ja, dass sie sagen: Ihr wollt, dass wir unsere Häuser verlassen - aber wer garantiert uns, dass die Gegend hinterher bewacht wird? Deswegen brauchen wir mehr Ordnungskräfte und Präsenz des Staates", sagt Renzi.

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Weiteres Erdbeben in Italien

Zerstörte, alte Gebäude bei blauem Himmel.

Am Sonntagmorgen traf Mittelitalien ein Erdbeben der Stärke 6,6. | Bildquelle: dpa

Viel Kultur zerstört

Gleichzeitig wird auch immer deutlicher, welche Schäden an Kulturgütern entstanden sind. Unter den schwer getroffenen Orten wie Norcia, Visso, Ussita oder Preci hatten etliche die Auszeichung, dass sie zu den "borghi più belli dell’Italia" gehörten - also zu den schönsten Dörfern und Kleinstädten Italiens.

Die Kriseneinheit des italienischen Kultusministeriums habe nach den Beben alle Hände voll zu tun, sagt ihr Chef Fabio Carapezza. Es gehe darum, die Schäden festzustellen. Darum, gefährdete Kulturgüter in Sicherheit zu bringen. "Ich möchte daran erinnern, dass wir mehr als 1300 Gegenstände in Sicherheit gebracht haben. Das heißt, es geht um eine gewaltige Anstrengung, einerseits um das jeweilige Kulturgut zu retten und andererseits Anregungen für einen Wiederaufbau zu geben", sagt Carapezza.

Erdbeben in Italien: Ausmaß der Schäden wird immer deutlicher
N. Nützel, BR
01.11.2016 17:06 Uhr

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Kein Futter für Tiere

Aber auch andere Probleme, die im ersten Moment noch nicht im Vordergrund standen, werden immer drängender. Die von den Erdstößen getroffenen Gebiete sind sehr ländlich geprägt - nach Angaben des italienischen Bauernverbandes sind rund 3000 landwirtschaftliche Betriebe betroffen. Rund hunderttausend Kühe, Schafe und Schweine müssten versorgt werden - aber an vielen Stellen fehlt Wasser und Futter. Außerdem sind viele Bauern aufgefordert worden, ihre Höfe verlassen - was die meisten von ihnen aber nicht tun wollen.

Auch den Landwirten hat die Regierung in Rom schnelle Hilfe zugesagt - ebenso wie den vielen Zehntausend anderen Anwohnern, deren Häuser und Wohnungen beschädigt oder ganz zerstört wurden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. November 2016 um 17:23 Uhr.

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