Die Yavuz-Sultan-Selim Brücke über dem Bosporus   | Bildquelle: AP

Entlastung am Bosporus Erdogans umstrittener Kanal

Stand: 15.01.2018 15:41 Uhr

Es ist das ehrgeizigste und wohl auch umstrittenste Verkehrsprojekt des türkischen Präsidenten Erdogan. Jetzt wurden Details zum Istanbul-Kanal präsentiert.

Die türkische Regierung will in diesem Jahr mit dem Bau eines neuen Kanals zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmara-Meer in Istanbul beginnen. Die türkische Regierung hat nun die Pläne zum genauen Verlauf des Schifffahrtskanals vorgestellt.

Der 45 Kilometer lange Kanal soll vom Marmara-Meer durch den Kücükcekmese-See nach Norden durch den Sazlidere-Stausee verlaufen, um nördlich der Ortschaft Durusu ins Schwarze Meer zu münden. Derzeit müssen Handelsschiffe erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen, wenn sie die überlastete Meerenge passieren wollen. Der Kanal soll den Bosporus entlasten und Istanbul attraktiver machen, versprach Verkehrsminister Ahmet Arslan.

Umstrittenes Projekt

Doch der Kanal ist wegen seiner hohen Kosten und seiner Auswirkungen auf die Umwelt umstritten. Der türkische Sender NTV berichtete, dass der Kanal Schätzungen zufolge umgerechnet mehr als 14 Milliarden Euro kosten wird. Die Bauzeit betrage fünf Jahre. Umweltschützer befürchten, dass er das maritime Ökosystem negativ beeinflusst und die Gefahr von Erdbeben in der Region erhöht. Zudem wird er weitere Gebiete für die Bebauung erschließen. Und: Es gibt Zweifel, dass sich das Projekt überhaupt rechnet. Denn Schiffe können umsonst die Passage durch den Bosporus nehmen.

Pläne aus dem Jahr 2011

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Pläne für den Kanal erstmals 2011 präsentiert, als er noch Ministerpräsident war. Der Kanal ist eines von Erdogans Projekten, mit denen der einstige Bürgermeister von Istanbul die Infrastruktur der Metropole erneuern will. Eine dritte Bosporus-Brücke sowie Straßen- und Bahntunnel unter der Meerenge wurden bereits verwirklicht, ein dritter Flughafen am Schwarzen Meer soll im Oktober in Betrieb gehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Januar 2018 um 15:30 Uhr.

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