Polizisten vor der Türk Telekom Arena in Istanbul | Bildquelle: REUTERS

Nach Anschlag in türkischer Metropole Fußball-Derby in Istanbul abgesagt

Stand: 20.03.2016 17:59 Uhr

Nach dem Selbstmordanschlag in Istanbul ist ein Fußball-Lokalderby abgesagt worden. Das Spiel zwischen Galatasaray und Fenerbahce wurde verschoben. Bei dem Anschlag gestern wurden fünf Menschen getötet. Der Attentäter soll IS-Anhänger gewesen sein.

Wegen Sicherheitsbedenken ist in Istanbul ein Lokalderby der Fußballmannschaften Galatasaray und Fenerbahce kurzfristig abgesagt worden. Zunächst hatte der Türkische Fußballverband (TFF) entschieden, die Partie wegen Sicherheitsbedenken ohne Zuschauer abzuhalten. Dann aber erfolgte die Absage.

In einer ersten Erklärung sprach das Istanbuler Gouverneursamt davon, dass die "Sorgfalt nach den Vorfällen, die in den vergangenen Tagen in unserer Stadt passierten", ausschlaggebend gewesen sei. Die Entscheidung für die Absage sei nach der Maßnahme des Gouverneursamts in Absprache mit den beiden Vereinen getroffen worden. Der neue Spieltermin werde in den kommenden Tagen bekannt gegeben.

Über der Arena flog ein Polizeihubschrauber. Aufnahmen des Senders Lig TV zeigten, dass sich bereits hunderte Galatasaray-Anhänger in der "Türk Telekom Arena" befanden. Sie wurden aufgefordert, das Stadion umgehend zu verlassen. Anhänger Fenerbahces waren nicht im Stadion.

Am Abend berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu, es seien drei mutmaßliche IS-Terroristen landesweit zur Fahndung ausgeschrieben worden. Es bestehe Anschlagsgefahr.

Attentäter soll IS-Anhänger gewesen sein

Am Samstag hatte ein Selbstmordattentäter auf der Einkaufstraße Istiklal vier Menschen mit in den Tod gerissen und 39 verletzt. Drei der Todesopfer waren Touristen aus Israel.

Der türkische Innenminister Efkan Ala teilte mit, der Selbstmordattentäter sei als Mehmet Ö. aus dem türkischen Gaziantep identifiziert worden sei. Es handele sich um einen Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Weiter sagte er, es seien fünf Menschen festgenommen worden. Der IS bekannte sich bislang nicht zu der Tat.

Die türkische Regierung macht den IS auch für einen Anschlag auf eine deutsche Reisegruppe im Januar verantwortlich. Damals riss ein Selbstmordattentäter in der Istanbuler Altstadt zwölf Deutsche mit in den Tod. Ein Attentat auf eine regierungskritische Demonstration im Oktober vergangenen Jahres soll nach Regierungsangaben ebenfalls der IS verübt haben. Mehr als 100 Menschen wurden damals getötet. Der IS hatte sich zu keinem der Anschläge bekannt.

Selbstmordanschlag im Zentrum von Istanbul
tagesthemen 23:15 Uhr, 19.03.2016, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Viele Anschläge in den vergangenen Monaten

Die Regierung in Ankara hatte zuvor auch die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK als möglichen Urheber des gestrigen Anschlags in Istanbul genannt. Zu zwei Anschlägen in Ankara hatten sich die radikalen "Freiheitsfalken Kurdistans" (TAK) bekannt. Sie gelten als Splittergruppe der PKK, diese distanzierte sich jedoch von den Anschlägen. Derzeit gehen Sicherheitskräfte im Südosten der Türkei massiv gegen die PKK vor.

Warnung des Auswärtigen Amtes

Israel warnte seine Bürger eindringlich vor Reisen in die Türkei. Es bestehe Sorge vor weiteren Attentaten sowie eine "konkrete Bedrohung" von Touristen in dem Land, teilte der Nationale Sicherheitsrat Israels mit. Drei der Todesopfer und zehn Verletzte waren Mitglieder einer Reisegruppe. Aufgrund der Nähe und der günstigen Preise reisen jährlich mehrere 100.000 israelische Urlauber in die Türkei.

Das Auswärtige Amt rät deutschen Touristen in Istanbul zu erhöhter Achtsamkeit. Bereits am Donnerstag und Freitag waren das deutsche Generalkonsulat in Istanbul, die Botschaft in Ankara und weitere deutsche Einrichtungen wegen einer Terrorwarnung geschlossen worden. Die deutsche Botschaftsschule in Istanbul bleibt auch weiter geschlossen. Das Auswärtige Amt will am Montag entscheiden, wann die diplomatischen Einrichtungen wieder geöffnet werden.

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