Israels Premier Netanyahu bei einem Treffen mit US-Präsident Obama

Israels Sicht auf Trump 2016 - als Netanyahu Obama loswurde

Stand: 21.12.2016 13:22 Uhr

Netanyahu und Obama - acht Jahre schwierige Beziehung liegen hinter den Staatschefs Israels und der USA. Jetzt kommt Trump - und Netanyahu macht aus seiner Vorfreude keinen Hehl. Für Euphorie gebe es keinen Grund, warnen Experten.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Tel Aviv

Mossad-Chef Yossi Cohen besucht die USA in geheimer Mission. Cohen soll den designierten US-Präsidenten Donald Trump unterrichten. Die Themen aus israelischer Sicht: Irans Atomprogramm, Syrienkrieg und die Palästinenser, schreibt die Tageszeitung Yedioth Aharonot. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte die Reise für den Chef seines Auslandsgeheimdienstes selbst vorbereitet.

"Ich kenne Donald Trump. Ich kenne ihn sehr gut. Und seine Unterstützung für Israel ist eindeutig. Er fühlt sich dem jüdischen Staat und den Juden verbunden - keine Frage." Netanyahu wirkt gelöst, wenn er über die Zusammenarbeit mit der neuen US-Administration spricht. Präsident Barack Obama ist er zumindest los. Der Vorschlag, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, könnte Wirklichkeit werden. Aber was sonst kommt, weiß auch Netanyahu nicht.

Vorsicht vor Euphorie

Für zu viel Euphorie habe Netanyahu keinen Anlass, sagt der ehemalige Botschafter in den USA, Itamar Rabinovitch. Es könnte für den Premier richtig schwer werden, wenn sich Trump komplett auf die Größe der USA konzentriert und aus der Außenpolitik verabschiedet: "Wenn Netanyahu die Rechte in Israel beruhigen will, muss er sagen, er habe Sympathie mit deren Position, aber er habe es dem US-Präsidenten versprochen, und der Präsident mache Druck. Wenn das wegfällt, wird es schwerer für Netanyahu den richtigen Umgang mit der radikalen Rechten in Israel zu finden."

Aber Premier Netanyahu hat auch kein Interesse daran, dass Trump übereifrig wird und wie seine Vorgänger die Nahost-Politik für sich entdeckt. "Wenn ich mich mal kurz in Netanyahus Lage versetze: Wenn ich vermeiden möchte, dass Trump zu einem Unterhändler im israelisch-palästinensischen Konflikt wird, dann mache ich ihm alternative Angebote", meint Ex-Botschafter Rabinovitch.

Die erprobte Alternative ist für Netanyahu Irans Atomprogramm. Im US-Sender CBS erklärte er, es gebe verschiedene Wege, das Abkommen mit Iran wieder aufzulösen. Trump hatte im Wahlkampf über den Vertrag geklagt, wird ihn aber vermutlich nicht kündigen.

Jubel über Friedman-Entscheidung

Euphorisch bejubelten Politiker der israelischen Koalitionen die Entscheidung, Trumps langjährigen Insolvenz-Anwalt David Friedman in die Botschaft nach Tel Aviv zu entsenden. Mit anderen Kandidaten im Kabinett könnte es schwierig werden, meint der ehemalige Botschafter Rabinovitch. "Mit Trump zogen einige antisemitische Elemente mit ein. Wenn man sie unterstützt, weil sie Trump nahestehen, dann unterstützt man am Ende Antisemiten. Die jüdische Gemeinde in den USA regt das wahnsinnig auf."

Gemeint ist Trumps Chefstratege Stephen Bannon. Im Interview mit CBS wurde Netanyahu nach Bannon und der "Alt-Right"-Bewegung gefragt: "Die Frage ist doch: Prangern wir Antisemitismus und rassistischen Fanatismus an? Ja. Ich tue das überall, wo ich dem Phänomen begegne. Und es wächst in Europa - das hat nichts mit Trump zu tun. Es ist wichtig, es anzuprangern. Und Mr. Trump hat das getan - das ist wichtig", sagte Netanyahu.

Bei der ganzen Unsicherheit sei es auf jeden Fall richtig gewesen, die US-Militärhilfe noch mit dem scheidenden Präsidenten Obama abzuschließen. Selbst bei einer Wiederwahl von Trump wird sich an dem Programm in den kommenden zehn Jahren nichts mehr ändern.

Netanyahu wird Obama los - und bekommt Trump
T. Teichmann, ARD Tel Aviv
21.12.2016 13:22 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: