Bilder des syrischen Staatsfernsehens zeigen Raketen über Damaskus. | Bildquelle: AP

Israel und Iran Gefährliche Eskalation in Nahost

Stand: 10.05.2018 12:22 Uhr

Israel hat nach Beschuss der Golanhöhen zur Vergeltung iranische Ziele in Syrien angegriffen. Laut Verteidigungsminister Lieberman wurde die gesamte dortige Infrastruktur des Iran getroffen.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Der Angriff kam in der Nacht und für Israels Armee wohl nicht überraschend. Nach mehreren Luftangriffen in Syrien in den vergangenen Wochen, die Israel zugeschrieben werden und bei denen auch iranische Militärangehörige ums Leben kamen, hatte die Führung in Teheran Vergeltung angekündigt und nach Lesart der israelischen Streitkräfte war es nun soweit.

Armeesprecher Jonathan Conricus sagte: "Um 0.10 Uhr Ortszeit feuerten die iranischen Al-Quds-Einheiten 20 Raketen von Syrien aus auf die Golanhöhen ab. Sie zielten auf die erste Linie der israelischen Stellungen." Einige Raketen seien abgefangen worden. Auf israelischer Seite sei niemand verletzt worden und lediglich geringer Sachschaden entstanden. "Wir betrachten diesen iranischen Angriff als schwerwiegenden Vorfall", sagte Conricus dennoch.

Israelischer Soldat beim Gebet auf den Golan-Höhen. | Bildquelle: AFP
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Israelischer Soldat beim Gebet auf den Golan-Höhen. "Es geht nicht darum, Syrien zu erobern, sondern um die Bedrohung, die es dort gegen uns gibt", so Minister Katz.

Angriffe auf Munitionsdepots, Unterkünfte und Stellungen

Warum sich die Armee so sicher ist, dass die Al-Quds-Einheiten der iranischen Revolutionsgarden die Raketen abschossen, sagte Conricus nicht. Als Reaktion auf den Beschuss griff Israels Luftwaffe Dutzende Ziele in Syrien an. Darunter waren nach Angaben des Armeesprechers zahlreiche iranische Militäreinrichtungen wie Munitionsdepots, Unterkünfte und Stellungen.

Nach Angaben der oppositionsnahe Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind bei dem israelischen Angriff mindestens 23 Menschen getötet worden. Es handele sich um fünf syrische Soldaten und 18 Kämpfer syrischer Verbündeter. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, bei dem Einsatz seien 28 israelische Kampfflugzeuge vom Typ F-15 und F-16 beteiligt gewesen, die etwa 60 bis 70 Raketen abgeschossen hätten. Zudem habe Israel mehr als zehn taktische Boden-zu-Boden-Raketen abgeschossen.

Die israelischen Streitkräfte erklärten, es habe sich um eine großangelegte Operation gegen die iranische Präsenz in Syrien gehandelt. Auch syrische Luftabwehrstellungen wurden bombardiert. "Wir haben die Syrer gewarnt sich einzumischen, aber sie haben es trotzdem getan", sagte Conricus, und er ergänzte, Russland sei vorab über die Angriffe informiert worden. Russlands Vizeaußenminister Michail Bogdanow rief nach dem Militäreinsatz Israel und den Iran zur Zurückhaltung und Deeskalation auf. "Das ist alles sehr beunruhigend", sagte er der Agentur Tass zufolge.

Iranische Militärpräsenz nicht erwünscht

Die Sicherheitslage hatte sich zuletzt verschärft. Israel hat die zurückliegenden Angriffe in Syrien in den vergangenen Wochen und Monaten, die seiner Luftwaffe zugerechnet werden, überwiegend nicht bestätigt, betont aber immer wieder, dass es eine dauerhafte militärische Präsenz des Iran im Nachbarland nicht hinnehmen will.

Das bekräftigte auch Israels Geheimdienstminister Israel Katz nach einem Luftangriff in Syrien, für den Israel verantwortlich sein soll. Minister Katz bestätigte das nicht, sprach aber über mögliche Hintergründe.

"Es geht nicht darum, Syrien zu erobern, sondern um die Bedrohung, die es dort gegen uns gibt", sagte Katz. "Wir können nicht akzeptieren, dass Raketendepots vorgehalten werden, die ständig aufgefüllt werden können." Vor diesem Hintergrund komme dem, was dort nun passierte eine hohe Bedeutung zu. Wichtig sei, "dass wir den Iranern deutlich machen, dass sie in Syrien nichts zu suchen haben" so Katz. "Der Preis ist zu hoch."

Warnung vor großangelegter Konfrontation

Droht nun eine großangelegte militärische Konfrontation zwischen Israel und dem Iran oder einem seiner Verbündeten wie zum Beispiel der schiitischen Hisbollah-Miliz? Davor warnen Beobachter in Israel - auch vor dem Hintergrund des Rückzugs der USA aus dem Nuklear-Abkommen mit dem Iran.

Amos Gilad, ehemaliger Generalmajor der israelischen Armee, glaubt jedoch nicht an einen unmittelbar bevorstehenden Krieg. Die beiden Parteien seien zwar auf einem Kollisionskurs. "Die gute Nachricht ist, dass die Iraner meiner Ansicht nach aktuell keine umfassende Konfrontation wollen, weil der Zeitpunkt ungünstig für sie ist", so Gilad. "Sie müssen stärker werden." Israel versuche, Iran davon abzuhalten, seine Stärke einzusetzen, "aber wir werden nicht verhindern können, dass sie stärker werden", sagt er. "Einen umfassenden Krieg erwarte ich zur Zeit nicht." 

Dennoch sehen Sicherheitsexperten eine akute Gefahr darin, dass die Konfliktparteien in eine Eskalationsspirale geraten, aus der sie nicht mehr herausfinden. Die israelische Armee betonte nach den Angriffen in Syrien, an einer militärischen Eskalation kein Interesse zu haben.

Israel greift Dutzende Ziele in Syrien an
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
10.05.2018 07:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2018 um 10:00 Uhr.

Korrespondent

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