Die Klagemauer in Jerusalem (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / Roland Holsch

Regierung billigt Projekt Seilbahn zur Klagemauer - ein Politikum

Stand: 29.05.2017 02:37 Uhr

Israels Regierung nennt sie eine "außerordentliche Touristenattraktion". Doch die geplante Seilbahn birgt Zündstoff: Sie soll zur Klagemauer in Jerusalems Altstadt führen, wo auch die Kabinettssitzung stattfand, bei der sie beschlossen wurde. Für Palästinenser ein Affront.

Die israelische Regierung hat die umstrittenen Pläne für den Bau einer Seilbahn in die Jerusalemer Altstadt gebilligt. Bei einem Sondertreffen an der Klagemauer stimmte das Kabinett von Regierungschef Benjamin Netanyahu der ersten Bauphase der Seilbahn zu.

Die Seilbahn soll vom Westen Jerusalems 1,4 Kilometer weit in die Altstadt führen und in unmittelbarer Nähe der Klagemauer enden. Tourismusminister Jariv Levin sagte, die Bahn werde "das Gesicht Jerusalems verändern, einfachen und komfortablen Zugang zur Klagemauer für Touristen und Besucher ermöglichen und eine außerordentliche Touristenattraktion sein."

Der Bau der Seilbahn wird schon seit Jahren diskutiert. Infrastrukturprojekte der israelischen Behörden in Ost-Jerusalem ziehen allerdings immer wieder harsche Kritik der Palästinenser wie auch der internationalen Gemeinschaft nach sich.

Palästinenser kritisieren Kabinettssitzung

Der Status von Jerusalem zählt zu den größten Streitpunkten im Nahost-Konflikt. Die Klagemauer - die zu den heiligsten Stätten des Judentums zählt - ist einer der Gründe, warum Israel auf dem vereinigten Jerusalem als seine ungeteilte Hauptstadt besteht. Die Palästinenser verweisen auf die Al-Aksa-Moschee und den Felsendom auf demselben Gelände als ein Grund dafür, Ostjerusalem zur Hauptstadt ihres künftigen Staats machen zu wollen.

Netanyahu während der Kabinettssitzung, die in einem der Tunnel an der Klagemauer stattfand. | Bildquelle: REUTERS
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Netanyahu während der Kabinettssitzung, die in einem der Tunnel an der Klagemauer stattfand.

Mit dem Kabinettstreffen an der Klagemauer erinnerte Israels rechtsgerichtete Regierung an die Eroberung der Jerusalemer Altstadt im Sechs-Tage-Krieg vor 50 Jahren. Israel hatte Ost-Jerusalem damals besetzt und später annektiert. Dieser Schritt wurde von der internationalen Gemeinschaft nie anerkannt.

Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat nannte das Kabinettstreffen nahe der Moscheen eine Provokation. Es sende eine "klare Botschaft an das palästinensische Volk, dass die systematischen Verletzungen ihrer unveräußerlichen Rechte weiter gehen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Mai 2017 um 06:00 Uhr

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