Mateusz Morawiecki | Bildquelle: RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutte

Äußerung zu "jüdischen Tätern" Netanyahu empört über Morawiecki

Stand: 18.02.2018 12:01 Uhr

Das polnische "Holocaust-Gesetz" hat eine diplomatische Krise zwischen Israel und Polen ausgelöst. Polens Regierungschef Morawiecki sprach auf der Sicherheitskonferenz nun von "jüdischen Tätern" - und sorgt damit für eine weitere Verschärfung.

Die Beziehungen zwischen Israel und Polen sind seit Wochen wegen des umstrittenen polnischen "Holocaust-Gesetzes" auf dem Tiefpunkt. Auf der Sicherheitskonferenz in München ist der Konflikt weiter eskaliert. Anlass ist eine Antwort des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki auf eine Frage eines israelischen Journalisten.

Der Journalist hatte Morawiecki gefragt, ob er sich durch das neue Holocaust-Gesetz in Polen strafbar machen würde, wenn er darüber schreiben würde, wie seine Eltern von ihren polnischen Nachbarn an die Nazis ausgeliefert wurden. Morawiecki antwortete relativierend: "Natürlich wird es nicht strafbar sein, nicht als kriminell angesehen werden, wenn man sagt, dass es polnische Täter gab, so wie es jüdische Täter gab, so wie es russische Täter gab, so wie es Ukrainer gab, nicht nur deutsche Täter."

Es habe keine polnischen Vernichtungslager gegeben, doch natürlich habe es auch polnische Täter gegeben. Morawiecki erinnerte daran, dass während des Zweiten Weltkriegs sechs Millionen Menschen in Polen getötet worden seien. "Wir können nicht zulassen, das die Täter mit den Opfern vermischt werden."

Um Polens Holocaust-Gesetz wird international gestritten. Bestraft werden soll künftig, wer "öffentlich und entgegen den Fakten" dem polnischen Volk oder Staat die Verantwortung oder Mitverantwortung für von Nazi-Deutschland begangene Verbrechen zuschreibt.

Netanyahu bei seiner Fernsehansprache | Bildquelle: REUTERS
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Netanyahu reagierte per Twitter-Botschaft auf Morawiecki.

"Unfähigkeit, Geschichte zu verstehen"

Israles Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nannte die Erklärung Morawieckis, dass es auch "jüdische Täter" gegeben habe, "empörend". "Hier haben wir ein Problem der Unfähigkeit, Geschichte zu verstehen sowie fehlendes Gefühl für die Tragödie unseres Volkes", twitterte Netanyahu. Er sehe "dringenden Redebedarf" mit Morawiecki.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) sprach von einer "absurden und unverschämten" Aussage Morawieckis. "Polens Regierungschef hat erschreckende Ignoranz gezeigt mit seiner unverschämten Behauptung, dass sogenannte jüdische Täter zum Teil verantwortlich waren für den Versuch der Nazis, das europäische Judentum auszurotten", schrieb WJC-Präsident Ronald Lauder. Dies komme einem Versuch der Geschichtsfälschung gleich.

"Aufruf zur offenen Diskussion"

Eine Sprecherin Morawieckis sagte angesichts der Kritik, der Vergleich sei eine Einladung zu einer ehrlichen Debatte über die Verbrechen gegen Juden während des Zweiten Weltkriegs gewesen. Seine Worte "sollten interpretiert werden als ein ernster Aufruf zur offenen Diskussion über die Verbrechen, die während des Holocausts gegen Juden verübt wurden, unabhängig von der Nationalität der Beteiligten".

Morawieckis Aussagen hätten in keiner Weise den Holocaust leugnen sollen, hieß es in dem auf Polnisch und Englisch veröffentlichten Statement.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2018 um 07:00 Uhr.

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