Migranten in Israel demonstrieren | Bildquelle: AFP

Flüchtlinge sollen Land verlassen Israel verteilt Ausweisungsbescheide

Stand: 04.02.2018 15:13 Uhr

Israel hat damit begonnen, Ausweisungsbescheide an rund 40.000 afrikanische Flüchtlinge zu verteilen. Wer bis Ende März freiwillig geht, soll eine Geldprämie bekommen - ansonsten droht Gefängnis.

Israel schreitet mit seinen umstrittenen Abschiebeplänen für rund 40.000 afrikanische Flüchtlinge in Drittländer voran. Die Einwanderungsbehörde begann nun damit, Ausweisungsbescheide an Betroffene zu verteilen. Entsprechende Medienberichte bestätigte eine Sprecherin des israelischen Innenministeriums.

Knapp 3000 Euro und ein Flugticket

Die Ausweisungsbescheide sollen an unverheiratete, kinderlose Männer übergeben werden, die ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern wollen. In dem Brief werden sie den Angaben zufolge aufgefordert, Israel binnen zwei Monaten zu verlassen, anderenfalls drohe ihnen Gefängnis. Wer bis Ende März freiwillig geht, soll umgerechnet 2800 Euro und ein Flugticket bekommen. Laut Medienberichten hat Israel eine Vereinbarung mit Ruanda und Uganda als Zielländer getroffen. Beide Staaten haben dies aber dementiert.

Eritreische Flüchtlinge demonstrieren am 17.01.2018 in Jerusalem als in Ketten gelegte Sklaven vor dem Knesset-Gebäude. | Bildquelle: dpa
galerie

Eritreische Flüchtlinge demonstrieren am 17.01.2018 in Jerusalem als in Ketten gelegte Sklaven vor dem Knesset-Gebäude.

Die Zeitung "Times of Israel" berichtete unter Berufung auf ranghohe Mitarbeiter der Gefängnisbehörde, es gebe nicht genug Zellen für Tausende von Flüchtlingen, die sich der Ausweisung widersetzen könnten. Israel betrachtet die vor allem aus Eritrea und dem Sudan stammenden Flüchtlinge als illegale Einwanderer. Asylanträgen wird nur in extrem seltenen Fällen stattgegeben.

Widerstand in Israel

In Israel hatte sich zuletzt deutlicher Widerstand gegen die Pläne der Regierung formiert. Schriftsteller, Holocaust-Überlebende und Akademiker veröffentlichten Protestbriefe. Abschiebungen seien unethisch und beschädigten das Ansehen Israels als Zufluchtsort für Juden.

Bis zum Bau eines Zaunes an der Grenze zu Ägypten sind nach israelischen Angaben rund 60.000 Flüchtlinge aus Afrika nach Israel gekommen. 20.000 mussten bereits das Land verlassen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte bereits im November angekündigt, die Flüchtlinge in Drittländer auszuweisen, dabei aber internationales Recht zu achten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2018 um 18:00 Uhr.

Darstellung: