Israelische Panzer nahe der Grenze zu Gaza. | Bildquelle: AFP

Nahost-Konflikt Neue Gewalt im Gazastreifen

Stand: 18.02.2018 13:20 Uhr

Erst ein Anschlag auf israelische Soldaten, dann israelische Luftangriffe auf die Hamas: Die Spannungen zwischen Militär und militanten Palästinensern haben einen neuen Höhepunkt erreicht.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Ein schwerer Militärhubschrauber landet in Beerscheba im Süden Israels. Er bringt verwundete israelische Soldaten ins Krankenhaus. Die Soldaten wurden von einem Sprengsatz militanter Palästinenser verletzt. Sie waren auf Patrouille, direkt an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen. Eine palästinensische Flagge erschien den Soldaten verdächtig. Als sie sich näherten, kam es zur Explosion. Vier Soldaten wurden verletzt, zwei davon schwer.

Netanjahu während seiner Rede  in München bei der Sicherheitskonferenz | Bildquelle: dpa
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Netanyahu äußerte sich während der Sicherheitskonferenz zu der Eskalation.

Israelische Medien berichten, es handele sich bei dem Vorfall vom Samstag um den schwersten Angriff auf israelische Soldaten im Gazastreifen seit dem Ende des letzten Kriegs dort im Jahr 2014. Israels Premier Benjamin Netanyahu verfolgte die Ereignisse von München aus. Er besucht dort die Sicherheitskonferenz. "Was an der Grenze zum Gazastreifen geschehen ist, ist ein gravierender Vorfall. Wir werden entsprechend antworten. Ich wünsche den Verwundeten eine schnelle Genesung”, sagte er.

Die angekündigte Antwort folgte nur wenige Minuten später: Die israelische Luftwaffe bombardierte Stellungen der islamistischen Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert. Außerdem wurde nach Angaben der Armee ein Angriffstunnel zerstört, der vom Gazastreifen in Richtung Israel verlief. Israel macht die Hamas für sämtliche Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich, auch wenn hinter den Attacken möglicherweise andere Organisationen stecken.

Unruhige Nacht im Gazastreifen und in Israel

Im Gazastreifen und in Israel folgte eine unruhige Nacht. Militante Palästinenser schossen Raketen in Richtung Israel. Eine Rakete traf dort das Haus einer israelischen Familie mit Kindern. Die Rakete explodierte jedoch nicht, und niemand wurde verletzt. Die israelische Luftwaffe reagierte mit weiteren Angriffen auf Stellungen der Hamas. Nach Berichten von Nachrichtenagenturen sollen mehrere junge Palästinenser versucht haben, den Grenzzaun zwischen Gaza und Israel zu durchbrechen. Zwei von ihnen sollen dabei von der israelischen Armee erschossen worden sein.

"Wir haben zunächst zwei Verletzte aufgenommen", sagt der Direktor des zuständigen Krankenhauses im Süden des Gazastreifens. "Junge Männer, 16 und 27 Jahre alt. Beide wurden von Granatsplittern verletzt. Heute Morgen wurden dann zwei getötete junge Männer eingeliefert. Sie wurden von Kugeln in den Bauch getroffen und waren 16 und 17 Jahre alt."

Trauernde im Gazastreifen | Bildquelle: AFP
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Im Gazastreifen trauern Angehörige der getöteten Jugendlichen.

Machtkampf auch zwischen Fatah und Hamas

Die Lage im Gazastreifen ist äußerst fragil. Die humanitären Bedingungen haben sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert, was unter anderem an einem nicht enden wollenden Machtkampf zwischen den palästinensischen Parteien Hamas und Fatah liegt. Seit rund zwei Monaten haben sich die Auseinandersetzungen zwischen Israel und Akteuren im Gazastreifen intensiviert. Die Hamas hat dabei bisher keine klare Linie erkennen lassen: Einerseits versucht sie Angriffe auf Israel von militanten Palästinensern, die nicht zur Hamas gehören, zu verhindern. Andererseits ruft sie zur Gewalt gegen Israel auf und unterstützt wöchentliche Proteste von jungen Palästinensern an der Grenze zu Israel.

Nitzan Nuriel, ein Reservegeneral der israelischen Armee, befürchtet, dass es weitere Angriffe auf israelische Soldaten geben wird: "Leider ist das ein Vorfall, der sich wiederholen wird. Es sei denn, die Hamas kommt zur Besinnung. Die Hamas muss realisieren, dass sie Israel nicht besiegen kann. Dass sie ihre Gelder und Ressourcen nicht in den Kampf stecken sollte, sondern in die Lebensqualität der Menschen von Gaza."

Nach der unruhigen Nacht an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen hat sich die Lage beruhigt. Das könnte auch an einer Intervention der ägyptischen Regierung liegen. Die Ägypter unterhalten sowohl zu Israel als auch zur Hamas enge Kontakte. Nach Medienberichten rief die Regierung in Kairo beide Seiten dazu auf, eine weitere Eskalation zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Februar 2018 um 06:03 Uhr.

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