Eine palästinensische Frau läuft durch die Ruinen eines Hauses, das von israelischen Sicherheitskräften abgerissen wurde.  | Bildquelle: AFP

Nahost-Konflikt Israel reißt Häuser von Attentätern ab

Stand: 06.10.2015 15:05 Uhr

Israel setzt im neu eskalierten Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis auf Abschreckung und Härte. Nun ließ die Regierung die Häuser von den Familien zweier Attentäter abreißen, die 2014 tödliche Anschläge verübt hatten.

Nach neuen Angriffen von Palästinensern auf Israelis lässt die israelische Regierung ihrer Ankündigung, gegenüber Attentätern mehr Härte zu zeigen, Taten folgen. In der Nacht haben Sicherheitskräfte in Jerusalem die Häuser von zwei Palästinensern abgerissen, die im vergangenen Jahr tödliche Anschlage auf Israelis verübt hatten. Den Befehl hierfür gab Israel Verteidigungsminister Mosche Jaalon.

Eines der Häuser gehörte Familienangehörigen eines Mannes, der in einer Synagoge vier Rabbis und einen Polizisten getötet hatte. Das zweite Gebäude war im Besitz der Familie eines Palästinensers, der 2014 einen Bus mit einem Bagger gerammt hatte. Ein Israeli kam durch den Anschlag ums Leben, weitere wurden verletzt.

Seit Tagen neue Welle der Gewalt

Mit solchen Aktionen will Israels Regierung potenzielle weitere Attentäter abschrecken. Seit vergangenen Woche ist der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern erneut eskaliert. Am Donnerstag war ein israelisches Paar während einer Autofahrt durch das Westjordanland erschossen worden. Im Auto saßen auch die vier Kinder des Paares im Alter zwischen vier Monaten und neun Jahren. Sie blieben unverletzt. Laut der israelischen Polizei wurden bereits einen Tag nach dem Anschlag fünf Hamas-Aktivisten und weitere Komplizen, die des Mordes verdächtigt werden, verhaftet. Tausende Trauernde hatten am Freitag in Jerusalem an der Beisetzung der Opfer teilgenommen, unter ihnen Staatspräsident Reuven Rivlin.

Doch auf die Trauer folgte weitere Gewalt. Am Wochenende starben zwei Israelis durch Messerattacken in Jerusalem, woraufhin die Polizei die Altstadt am Sonntag für Palästinenser sperrte. Gestern kam es im Westjordanland zu heftigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Dabei starb ein 13 Jahre alter palästinensischer Junge. Er war von einer Kugel in die Brust getroffen worden. Die israelische Armee teilte mit, der Vorfall werde untersucht. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen gewesen, Gummimunition zu verwenden. Ein weiterer 18-jähriger Palästinenser erlag in der Nacht einer Schussverletzung, die er am Sonntag nahe Tulkarem erlitten hatte.

Ausschreitungen in Bet El im Westjordanland | Bildquelle: REUTERS
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Ausschreitungen in Bet El im Westjordanland

Netanyahu setzt auf Härte

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu begegnet der neuen Welle an Gewalt mit politischer Härte. Für seinen "Krieg bis zum Sieg über den palästinensischen Terror" kündigte er verschärfte Maßnahmen an, unter anderem auch den Abriss von Häusern der Familien der Attentäter. Zudem sollten palästinensische Randalierer in sogenannte Administrativhaft genommen werden. Die erlaubt eine mindestens sechsmonatige Haft ohne Anklage.

Auch die Präzenz von Sicherheitskräften will Netanyahu verstärken. Dafür schickte Israels Regierung zum einen vier Bataillone seiner Streitkräfte ins Westjordanland. Zudem sollen mehrere Hundert Polizisten im Osten und in der Altstadt von Jerusalem stationiert werden.

Kritik an der "harten Hand" der israelischen Regierung kam vom palästinensischen Präsident Mahmoud Abbas. Er warf Netanyahu vor, "die Palästinenser in die Gewalt hineinzuziehen".

Dritte Intifada?

Auslöser der neuen Unruhen, die von Beobachtern als möglicher Beginn der dritten Intifada gewertet werden, ist ein Streit um den Tempelberg, der beiden Seiten heilig ist. Die Palästinenser werfen Israel vor, ihre dortigen Nutzungsrechte zu beschneiden. Israel bestreitet dies. Zunächst hatten junge radikale Palästinenser vermehrt israelische Sicherheitskräfte angegriffen, später waren mehrere Juden von radikalen Palästinensern erstochen worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Oktober 2015 um 06:00 Uhr.

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