Israelische Soldaten in Hebron | Bildquelle: REUTERS

Nahost-Konflikt Israel nimmt mutmaßliche Mörder von Siedlern fest

Stand: 05.10.2015 21:01 Uhr

Israelische Sicherheitskräfte haben fünf Hamas-Aktivisten festgenommen, die am vergangenen Donnerstag ein Siedlerpaar getötet haben sollen. Bei schweren Unruhen im Westjordanland wurde ein palästinensischer Teenager getötet.

Fünf Hamas-Aktivisten und weitere Komplizen, die des Mordes an einem Siedlerpaar verdächtigt werden, sind nach Angaben von israelischer Polizei, Armee und Inlandsgeheimdienst in Haft. Demnach sollen sie schon einen Tag nach dem Verbrechen am Donnerstag festgenommen worden sein. Ihnen wird vorgeworfen, die beiden Siedler im Norden des Westjordanlandes in ihrem Auto erschossen zu haben.

Die Kinder des Paares saßen bei dem Mord auf dem Rücksitz des fahrenden Autos. Sie erlitten einen Schock, blieben äußerlich aber unverletzt. Die Opfer wohnten in der Siedlung Neria nahe Ramallah. International war die Tat scharf verurteilt worden. Tausende Trauernde nahmen am Freitag in Jerusalem an der Beisetzung der Opfer teil, unter ihnen Staatspräsident Reuven Rivlin.

Palästinensischer Junge stirbt bei Zusammenstößen

Nach den tödlichen Attacken, unter anderem auf Juden in der Altstadt von Jerusalem, reagiert Israel mit Härte.

Bei heftigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften im Westjordanland starb ein palästinensischer Junge. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Nach palästinensischen Angaben erlag der Dreizehnjährige im Krankenhaus seinen Verletzungen. Er sei von einer einzelnen Kugel in die Brust getroffen worden. Die israelische Armee teilte mit, der Vorfall werde untersucht. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen gewesen, Gummimunition zu verwenden. Ein weiterer 18-jähriger Palästinenser erlag in der Nacht einer Schussverletzung, die er am Sonntag nahe Tulkarem erlitten hatte.

Ausschreitungen in Bet El im Westjordanland | Bildquelle: REUTERS
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Ausschreitungen in Bet El im Westjordanland

Scharfe Sicherheitsmaßnahmen in Jerusalem

Unterdessen berichten Einwohner der Altstadt Jerusalems von massiv verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Palästinensische Händler legten aus Protest gegen die Einschränkungen die Arbeit nieder. Israel hatte die Sicherheitsvorkehrungen nach den jüngsten Angriffen auf Juden erhöht und Palästinensern aus dem Westjordanland für zwei Tage den Zutritt zur Altstadt und damit auch zum Tempelberg verboten. Premier Benjamin Netanyahu kündigte zudem an, Häuser von "Terroristen" würden im Schnellverfahren zerstört, palästinensische Randalierer würden in sogenannte Administrativhaft genommen. Die erlaubt eine mindestens sechsmonatige Haft ohne Anklage.

Dritte Intifada?

Auslöser der neuen Unruhen, die von Beobachtern als möglicher Beginn der dritten Intifada gewertet werden, ist ein Streit um den Tempelberg, der beiden Seiten heilig ist. Die Palästinenser werfen Israel vor, ihre dortigen Nutzungsrechte zu beschneiden. Israel bestreitet dies. Zunächst hatten junge radikale Palästinenser vermehrt israelische Sicherheitskräfte angegriffen, später waren mehrere Juden von radikalen Palästinensern erstochen worden.

Die neuerliche Eskalation wird international mit großer Sorge betrachtet. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten dazu auf, Gewalt zu verurteilen und Ruhe zu bewahren, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Erst am Mittwoch war Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas vor den Vereinten Nationen in einer dramatischen Rede von den Friedensverträgen von Oslo abgerückt. Er warf Israel vor, mit dem Siedlungsausbau eine Zwei-Staaten-Lösung systematisch zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Oktober 2015 um 06:00 Uhr.

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