Familienministerin Schwesig und Innenminister de Maiziere bei der Deutschen Islamkonferenz (DIK). | Bildquelle: dpa

Islamkonferenz in Berlin Der Wunsch nach Brückenbauern

Stand: 10.11.2015 18:15 Uhr

Angesichts der Flüchtlingskrise hat Innenminister de Maizière die muslimischen Verbände in Deutschland zur verstärkten Integrationsarbeit aufgefordert. Er wünsche sich, dass die "Muslime hier im Land Brückenbauer sind".

Von Jan Garvert, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Der aktuelle Streit in der Koalition über den Familiennachzug von Flüchtlingen lag irgendwie in der Luft. Aber die Beteiligten der Islamkonferenz verordneten sich dazu eisernes Schweigen, um nicht von den eigentlichen Ergebnissen abzulenken und die sind aus Sicht der Beteiligten gut.

Hauptthema war die Wohlfahrtspflege, also Krankenpflege, Sozialarbeit oder Kinderbetreuung. Das habe es von Seiten der muslimischen Verbände zwar immer schon gegeben, sagt Erika Theißen vom Bildungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen. Sie ist Mitglied der Deutschen-Islam-Konferenz (DIK): "Neu und der Verdienst der DIK ist es aber, dass von Seiten der Regierung dieses Engagement gesehen und nun ausdrücklich unterstützt wird."

Mehr Angebote der Gemeinden

Allerdings war es bislang so, dass die Angebote der Moscheegemeinden nur von Gemeindemitgliedern genutzt wurden. Das soll sich nun ändern. Künftig sollen mehr Angebote von Moscheegemeinden allen Bürgern offen stehen - unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, sagt Zekeriya Altug vom Koordinierungsrat der Muslime. Sie sollten nicht nur als Dienstleistungsempfänger, sondern auch als Menschen wahrgenommen werden, die ihre helfende Hand ausstrecken.

Dazu haben die muslimischen Verbände eine Arbeitsgemeinschaft gegründet und stimmen sich künftig darüber mit den zuständigen Ministerien ab. Einen eigenen Wohlfahrtsverband soll es vorerst allerdings nicht geben, dafür aber erstmals Geld vom Staat ab kommendem Jahr.

Projekte sollen früher starten

Konkrete Projekte sollen auch schon früher starten, kündigt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig an: "Hier ist zum Beispiel die Idee, dass wir Moscheegemeinden ganz konkret unterstützen, Wohlfahrtseinrichtungen aufzubauen, ob in der Kinder- und Jugendarbeit oder eben zum Beispiel in der Altenpflege. Der Projektstart ist schon Anfang Dezember."

Bereits jetzt engagierten sich 10.000 Muslime ehrenamtlich in der Kinder-, Jugend- und Altenarbeit und erreichten 150.000 Menschen, sagte Schwesig. Es ist die erste Bestandsaufnahme muslimischer Wohlfahrtspflege überhaupt. Erwartungen an die Muslime hat die Politik nun vor allem im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise.

Verbände als Anlaufstelle für Flüchtlinge

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagte, die muslimischen Verbände seien wichtig für den Zusammenhalt im Land. Immerhin seien in diesem Jahr 70 Prozent der Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, Muslime. Die islamischen Verbände könnten für sie Anlaufstellen sein. "Ich würde mir wünschen, dass die Muslime, die hier im Lande leben und ihre Verbände, Brückenbauer sind", so de Maizière.

Islamkonferenz: Brücken bauen durch Wohlfahrtspflege
J. Garvert, ARD Berlin
10.11.2015 17:20 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: