Rettungskräfte stehen bei auf den Trümmern eines eingestürzten Hauses. | Bildquelle: AP

Erdbeben in Ischia Drei Kinder aus den Trümmern gerettet

Stand: 22.08.2017 15:46 Uhr

Nach dem Erdbeben mit mindestens zwei Toten auf der italienischen Insel Ischia haben Helfer drei verschüttete Kinder aus den Trümmern gerettet. Experten kritisieren den unzureichenden Schutz vor Beben in Italien.

Feuerwehrleute haben nach dem Erdbeben auf der Insel Ischia westlich der italienischen Stadt Neapel drei Kinder aus den Überresten eines Hauses ausgegraben. Die Helfer bargen einen Elfjährigen rund 16 Stunden nach dem Beben. Vorher war sein sieben Jahre alter Bruder gerettet worden, bereits in der Nacht hatten Retter den sieben Monate alten dritten Bruder und den Vater der Jungen aus den Trümmern befreit.

Die Mutter der Kinder hatte die Retter alarmiert, nachdem das Wohnhaus der Familie in dem Küstenort Casamicciola im Norden der Insel eingestürzt war. Das nördliche Gebiet der Insel war am stärksten von dem Erdbeben betroffen.

Tote und Verletze nach Erdbeben in Italien
tagesthemen 22:15 Uhr, 22.08.2017, Ellen Trapp, ARD Rom

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Mit bloßen Händen gegraben

Der Vater der Kinder berichtete, er sei im oberen Stockwerk in der Küche gewesen, als die Erde bebte. Die Kinder waren in ihren Zimmern und die im fünften Monat schwangere Mutter im Badezimmer. Sie konnte durch ein Fenster ins Freie klettern und die Rettungskräfte alarmieren. Die Kinder fanden offenbar Schutz unter einem Bett.

Die Helfer gruben mit bloßen Händen, um sich einen Weg zu den Verschütteten zu bahnen. "Eine Zeit lang herrschte Stille, weil die Kinder müde waren. Doch dann begannen sie wieder zu sprechen, und wir waren erleichtert", berichtete Feuerwehrsprecher Luca Cari von den Rettungsarbeiten. Die Einsatzkräfte werden in Italien als Helden gefeiert.

Die Nacht im Freien verbracht

Noch in der Nacht hatten Spezialkräfte des italienischen Zivilschutzes die Insel erreicht. Eine Frau konnte jedoch nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Eine weitere Frau war von herabstürzenden Trümmern einer Kirche erschlagen worden. Insgesamt 39 Menschen wurden zudem verletzt.

Tausende verbrachten die Nacht im Freien. Für alle auf der Insel war das Beben um kurz vor 21 Uhr ein großer Schreck. Das Krankenhaus der Insel in Casamicciola musste evakuiert werden. Intensivpatienten wurden per Hubschrauber aufs Festland gebracht. Der Vorplatz der Klinik wurde zu einer Art Feldlazarett umfunktioniert.Viele Ärzte und Krankenschwestern, die eigentlich zum Urlaub nach Ischia gekommen waren, boten spontan ihre Hilfe an.

Insgesamt 14 leichte Nachbeben

Noch in der Nacht brachten Fähren die ersten Urlaubsgäste zurück aufs Festland. Ischia liegt am Rand des Golfs von Neapel unweit der Phlegräischen Felder, die zu den weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen zählen. Insgesamt 14 leichte Nachbeben hat es nach dem ersten schweren Erdstoß gegeben.

Die Italienische Erdbebenwarte sagte, das Erdbeben hatte eine Stärke von 4,0 nach. Die US-Erdbebenwarte geht hingegen von einer Stärke von 4,3 aus. Sofort aber beginnt in Italien wieder die Diskussion um unzureichenden Schutz vor Erdbeben und nicht erdbebensichere Gebäude.

Erdbebenregion Italien

Ischia wird immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Das schlimmste Beben ereignete sich im Juli 1883. Mehr als 2200 Menschen kamen damals ums Leben. Vor fast genau einem Jahr, am 24. August 2016, erschütterte ein schweres Beben die mittelitalienische Region um die Stadt Amatrice. 299 Menschen starben.

Baumängel und fehlende Sicherheitsvorkehrungen

Francesco Peduto vom italienischen Geologenverband machte Baumängel und fehlende Sicherheitsvorkehrungen für die Folgen des Bebens verantwortlich. "Es ist wirklich nicht normal, dass immer noch Leute durch Beben dieser Stärke sterben", sagte Peduto.

Die Probleme sind unter anderem hausgemacht. Allein in Kampanien, der Region, zu der Ischia gehört, soll es mehr als 200.000 illegal errichtete Häuser geben, die meisten von ihnen werden Erdbebenstandards nicht genügen. Und auch auf Ischia soll es laut Umweltverband Legambiente rund 600 illegal gebaute Häuser geben.

Auch Fabrizio Pistolesi, der Generalsekretär der italienischen Architektenkammer, sagt, auf Ischia gebe es zwei Probleme. "Erstens sind sehr viele Gebäude errichtet worden, lange bevor es Richtlinien zum erdbebensicheren Bauen gab, und zweitens sind sehr viele Gebäude illegal errichtet worden", so Pistolesi.

Rettungskräfte tragen ein Kind aus den Trümmern in Ischia. | Bildquelle: REUTERS
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Bereits in der Nacht hatten Retter den sieben Monate alten dritten Bruder und den Vater der Jungen aus den Trümmern befreit.

Mit Informationen von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichteten am 22. August 2017 NDR Info um 13:00 Uhr im "Mittagsecho" sowie um 15:20 Uhr und die tagesschau u.a. um 16:00 Uhr.

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