Rettungskräfte tragen ein Kind aus den Trümmern in Ischia. | Bildquelle: REUTERS

Ischia Vorbote eines stärkeren Bebens?

Stand: 22.08.2017 13:38 Uhr

Bei dem Erdbeben auf der italienischen Insel Ischia sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte suchen nach Verschütteten. Experten rätseln derweil darüber, ob die Erdstöße nur der Auftakt für stärkere seismische Aktivitäten sind.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Die italienischen Nachrichtenkanäle sendeten Katastrophenbilder in Dauerschleife. Nach dem Erdbeben auf der Insel Ischia wenige Kilometer westlich von Neapel waren sie die ganze Nacht im Krisenmodus. Das gilt natürlich vor allem für Ischia selbst.

Das nördliche Gebiet der Insel ist am stärksten von dem Erdbeben betroffen. In dem Küstenort Casamicciola sind mehrere Gebäude eingestürzt. Bürgermeister Giovan Battista Castagna ist die ganze Nacht bei den Bergungsarbeiten dabei. Er sagt: "Wir versuchen, Menschen aus den Trümmern zu bergen. Drei haben wir schon herausgezogen. Aber soweit wir wissen, sind es sieben - auch Kinder. Wir versuchen alles."

Noch in der Nacht erreichten Spezialkräfte des italienischen Zivilschutzes die Insel. Drei kleine Kinder, die in Casamicciola verschüttet worden waren, konnten gerettet werden - der älteste der Buben wurde am Vormittag nach 16 Stunden aus einem eingestürzten Wohnhaus herausgezogen. Eine Frau konnte hingegen nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Eine weitere Frau war von herabstürzenden Trümmern einer Kirche erschlagen worden. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf zwei.

Tote und Verletzte bei Erdbeben auf Ischia
tagesschau 12:00 Uhr, 22.08.2017, Ellen Trapp, ARD Rom

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Die Nacht im Freien verbracht

Tausende verbrachten die Nacht im Freien. Für alle auf der Insel war das Beben um kurz vor 21 Uhr ein großer Schreck, auch für Diego Vicidomini aus Forio im Westen der Insel. Er sagt: "Wir haben das Beben acht bis zehn Sekunden lang ziemlich stark gespürt. Hier gab es keine Einstürze, keine Verletzten, jedenfalls bis jetzt." Die größten Probleme habe es in Casamicciola gegeben, so Vicidomini. "Sie haben das Krankenhaus evakuiert. Es gibt Verletzte und wohl auch Vermisste."

Weil das Krankenhaus der Insel in Casamicciola evakuiert werden musste, wurde der Vorplatz zu einer Art Feldlazarett. Intensivpatienten wurden per Hubschrauber aufs Festland gebracht. Viele Ärzte und Krankenschwestern, die eigentlich zum Urlaub nach Ischia gekommen waren, boten spontan ihre Hilfe an. Doch die Lage ist übersichtlich.

Der Arzt Roberto Alloca sagt: "Hier beim Krankenhaus ist alles unter Kontrolle, zum Glück hatten wir nur einen mutmaßlichen Schwerverletzten." Am Ende sei das Erdbeben weniger schlimm gewesen als befürchtet. Insgesamt wurden 39 Menschen verletzt.

Urlaubsinsel von Kanzlerin Merkel

Noch in der Nacht brachten Fähren die ersten Urlaubsgäste zurück aufs Festland. Ischia, die Insel auf der Bundeskanzlerin Merkel seit Jahren ihren Osterurlaub verbringt, liegt am Rand des Golfs von Neapel unweit der Phlegräischen Felder, die als einer der gefährlichsten Vulkane weltweit gelten. Insgesamt 14 leichte Nachbeben hat es nach dem ersten, schweren Erdstoß gegeben.

Doch Experten tun sich schwer, diese Serie zu deuten. Das gilt auch für Gian Vito Graziano, einen der führenden Geologen Italiens. Er sagt, es sei noch etwas früh, über die seismische Aktivität Aussagen zu treffen. "Wir müssen zwei, drei Tage abwarten, bis wir anfangen zu verstehen, ob das erste Beben das stärkste war, oder ob - was wir nicht hoffen - das nur das Vorspiel zu einem stärkeren Beben war." Das Gebiet sei eine vulkanische Gegend und müsse nun genau beobachtet werden.

Zerstörungen nach Erdbeben in Ischia | Bildquelle: REUTERS
galerie

Zerstörungen nach dem Erdbeben auf Ischia. Die Italienische Erdbebenwarte hatte die Stärke mit 4,0 angegeben, die US-Erdbebenwarte mit 4,3.

Diskussion über unzureichenden Schutz

Verwirrung hatte es zunächst um die Stärke des Erdbebens gegeben. Die Italienische Erdbebenwarte hatte es schließlich auf 4,0 nach oben korrigiert. Die US-Erdbebenwarte geht hingegen von einer Stärke von 4,3 aus. Sofort aber beginnt in Italien wieder die Diskussion um unzureichenden Schutz vor Erdbeben und nicht erdbebensichere Gebäude. Es sei ein Skandal, dass bei einem Beben der Stärke 4,0 Menschen sterben müssen, sagten Experten.

In wenigen Tagen jährt erstmals sich das erste schwere Erdbeben von Amatrice in Latium östlich von Rom. Am 24. August 2016 Jahres waren dort 299 Menschen ums Leben gekommen.

Erdbeben auf Ischia
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
22.08.2017 08:25 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 22. August 2017 NDR Info um 06:38 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.

Darstellung: